Der Bischof, vor dem das Bistum warnt

Der Bischof, vor dem das Bistum warnt

Bischof unter besonderer Beobachtung: In Lierfeld hält Markus Martin Ramolla Messen, spendet Sakramente und betreibt Seelsorge - und zwar so, wie es ganz früher, vor dem zweiten Vatikanischen Konzil, einmal der Fall war. Das Bistum Trier hat die Katholiken gewarnt: Ramolla stehe außerhalb der Kirche.

Lierfeld. Ein sogenannter Wanderbischof im Eifeldorf? Klingt interessant, am besten erst einmal den Ortsbürgermeister fragen: "Ich wurde da auch schon drauf angesprochen", sagt Lierfelds Gemeindechef Heinz Müsch. Viel mehr könne er aber nicht beisteuern: "Der Mann hat mir noch nichts getan."
Was tut der Mann? Er zelebriert Messen - nach dem alten Ritus, auf Latein und mit dem Rücken zur Gemeinde. Und bei der Kommunion knien die Gläubigen, die Hostie wird ihnen auf die Zunge gelegt. Alles so, wie es vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil gehalten wurde.
"Das hat alles seine Richtigkeit", sagt der Lierfelder Dieter Brungs, der Ramolla seit Jahren kennt und diesem seine private Kapelle im Dorf zur Verfügung stellt. "Die Religion ist die von 1962, ganz klar", ergänzt er. Die neue Messe, wie sie seit Konzilszeiten zelebriert wird - in der Landessprache, mit Gesicht zum Volk und Handkommunion - "die lehnen wir natürlich ab". Die alte Messe, sagt Brungs, "die bringt einem mehr. Da ist mehr Andacht, mehr Heiligkeit. Nicht so ein Spektakel." Den "Riesenaufschrei", den es deswegen gegeben habe, hält er für übertrieben. Zumal es in Bayern noch viele Dörfer gebe, in denen die Messe ähnlich traditionell aussehe.
Dennoch: Dem Bistum ist das deutlich zu traditionell. Deshalb hat Trier in vielen Eifeler Pfarrbriefen vor dem Bischof gewarnt. Zitat: "Nach kirchlichem Verständnis handelt es sich bei Herrn Ramolla nicht um einen rechtmäßigen katholischen Bischof, sondern um einen Frei- beziehungsweise Wanderbischof." Die Weihe habe er unrechtmäßig erhalten. "Markus Martin Ramolla ist daher exkommuniziert und darf in der Kirche kein Amt ausüben." Er stehe außerhalb der katholischen Kirche. Fazit: "Katholiken im Bistum Trier dürfen Herrn Ramolla und seine Aktivitäten nicht unterstützen und an den Veranstaltungen und Gottesdiensten, die er anbietet, nicht teilnehmen." Das sitzt. Aber was sagt Bischof Ramolla zu diesen Vorwürfen? Erst einmal lacht er. Wanderbischöfe hätten keine Diözese - "wir gehen eben dort hin, wo man nach uns fragt", sagt er. Und dass die Warnung des Bistums "unprofessionell geschrieben" sei. "Da wird auch nichts belegt, das ist gegenüber den Gläubigen auch nicht okay."
Darüber hinaus, ergänzt der 38-Jährige, sei das Schreiben unlogisch: "Sie müssen verstehen, dass wir alles glauben und tun, was auch die Kirche gelehrt und geglaubt hat - bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil. Und wenn die Diözese sagt, das ist nicht in Ordnung, dann verwirft die Kirche ihre eigene Vergangenheit." Das darf man fundamentalistisch nennen. Ramolla: "Das ist für mich nichts Neues. Ich bin mir da voll und ganz bewusst, dass ich Überzeugungen habe, die nicht mehrheitsfähig sind." Seine Priesterweihe, sagt Markus Ramolla, habe er in Nordamerika erhalten - bei einem traditionalistischen Seminar (siehe Extra).
Dort machte man ihn auch zum Bischof. Von einer Exkommunikation sei ihm nichts bekannt: "Ich habe kein formelles Schreiben bekommen."
Zu Ramollas Exkommunikation sagt Matthias Neff vom Bischöflichen Generalvikariat in Trier: "Ich gehe davon aus, dass Ramolla weiß, dass er sich spätestens durch seine nach römisch-katholischem Kirchenrecht unerlaubte Priesterweihe die Tatstrafe der Exkommunikation zugezogen hat. Darüber muss er nicht erst schriftlich informiert werden." Hauptsächlich wolle man die Gläubigen vor allem darüber aufklären, dass Ramolla eine "völlig andere Sicht der Kirche" vertrete. Und wer sich bewusst dafür entscheide, "der stellt sich außerhalb der Kirche".Meinung

Deutliche Worte
Die Frage, wer denn nun den "richtigen" Glauben hat, führt zu tausend unterschiedlichen Antworten. Im Fall von Markus Martin Ramolla gilt: Man hat die Wahl. Er hält mit seinen fundamentalistischen Überzeugungen nicht hinter dem Berg. Und das Bistum hat klargestellt: Wer mit Ramolla geht, ist gegen die offizielle Kirchenlinie. Damit hat noch niemand ein Verbrechen begangen. Er muss nur die Konsequenzen akzeptieren. Hauptsache, er lässt allen anderen, die nichts damit zu tun haben wollen, ihren Frieden. fp.linden@volksfreund.deExtra

Die Traditionalisten Die Bischofsweihe erhielt Markus Martin Ramolla, der aus Illertissen im Landkreis Neu-Ulm stammt, von Daniel Dolan, einem traditionalistischen amerikanischen Kollegen. Dolan, nicht zu verwechseln mit Timothy Dolan, dem katholischen Bischof von New York, zählt zu den sogenannten Sedisvakantisten (Sedisvakanz - von lateinisch "sede", Stuhl, und "vakant", also unbesetzt): Diese sehr konservative und zersplitterte Gruppe ist davon überzeugt, dass es seit Pius XII. (1939 bis 1958) keinen rechtmäßigen Papst gibt - ein solcher hätte nämlich die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) niemals abgesegnet. Auch Ramolla ist dieser Überzeugung, wie er offen bekennt. Allerdings verließ er die Kirche Dolans in Cincinatti, Ohio, nachdem er sich mit ihm aufgrund von Meinungsverschiedenheiten überworfen hatte. Das Bistum Beim Bischöflichen Generalvikariat in Trier ist Matthias Neff zuständig für Weltanschauungsfragen und Sekten - und Ansprechpartner für alle Katholiken, die wegen Ramolla Fragen haben (Telefon 0651/7105526). "Wer an einer Messe oder Veranstaltung Ramollas teilgenommen hat, muss nicht befürchten, umgehend exkommuniziert zu werden", sagt Neff. Dennoch: "Wenn jemand sein Kind da taufen lässt, wird das nicht in unsere Kirchenbücher eingetragen. Das Kind gilt dann nicht als römisch-katholisch, was zu Problemen führt, wenn es später beispielsweise in einer Pfarrei des Bistums mit zur Erstkommunion gehen möchte." fpl

Mehr von Volksfreund