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Der Bitburger Marko Skorka ist Tätowierer und Maler

Vom Totenkopf zum Skaterschuh : Warum der Bitburger Tätowierer Marko Skorka jetzt malt

Der Bitburger Marko Skorka ist Inhaber eines Tattoo Studios. Während der Pandemie hat er eine ganz neue Seite an sich entdeckt. Er malt realistische, farbenfrohe Ölbilder, die künstlerischen Ansprüchen gerecht werden.

 „Aus Langeweile entsteht Kreativität.“ Würde dieser Spruch stimmen, müssten nach der Corona-Pandemie viele neue Ideen entstanden sein. Vielleicht ist es bei dem ein oder anderen ein neues Hobby oder eine neue Freizeitbeschäftigung. Bei Marko Skorka ist es so. Wer ihn, seine Arbeit und sein Tattoostudio in der Mötscher Straße kennt, weiß, dass er eigentlich viel mit düsteren Motiven zu tun hat. Totenköpfe, Dämonen, Darth Vader, Aliens sind unter seinen tausenden Tattoos häufig zu finden.

Umso erstaunlicher sind seine aktuellen Werke. Ölbilder auf Leinwänden in freundlichen, frischen Farben. Zu sehen sind darauf beispielsweise ein stark gebrauchter Skaterschuh mit einem Schachbrettmotiv, der so realistisch aussieht, dass das Bild fast als Foto durchgehen könnte. Selbst die feinen Nähte und die Struktur der Schnürsenkel sind zu erkennen. Ein weiteres seiner Bilder zeigt eine Zahnbürste mit Zahnpasta, die wie eine Welle geformt ist, mit dem passenden Titel „Fresh Wave“ (frische Welle).

Bilder, die viele von Skorka – bekannt für seine düsteren, schwarz-weißen Tatoos –   nicht erwarten würden. Doch Skorka erklärt: „Für mich ist das in der momentanen Corona-Situation, in der meine Partnerin und ich nicht viel mehr tun können, als in den Tag hineinzuleben, eine Art Hobby und auch Therapie. Man verbringt etliche Stunden damit.“

Zur Kunst habe er schon immer einen Bezug gehabt. Als Grundschulkind hat ihn auf seinem Schulweg ein Bild von Rembrandt fasziniert, das aus verschiedenen Farbentönen einen Silberglanz erzeugt hat. In der Schule war er in der Schauspiel-AG, hat bei Videodrehs mitgearbeitet und sich für ein Kunststudium interessiert. Gitarre spielt er seit vielen Jahren.

Als Arbeitsmaterial für seine Bilder hat er Ölfarben gewählt, „weil man Zeit hat, die Farben ineinander fließen zu lassen“, berichtet er. „Ich wollte es einfach mal probieren. Im Fachhandel in Trier habe ich mir die Farben gekauft, die ich bekommen konnte, und habe losgelegt.“ Seine Werke wirken dabei aber nicht wie die eines Anfängers –  dazu sind Licht und Schatten zu gut platziert, stimmen die Proportionen und die Kontraste wirken. Dazu meint Marko Skorka: „Ich bin sehr akribisch bei meiner Arbeit und bei meinem Hobby. Anscheinend habe ich beim Tätowieren mehr übers Malen gelernt, als ich gedacht hätte.“

Überraschen wollte er mit seinen Bildern zeigen, dass er vielfältig ist. „Unerwartetes, was andere berührt. Das ist meine persönliche Auffassung von Kunst.“ Damit könnte er beispielsweise den Astronauten gemeint haben, der auf einem seiner Bilder in einem schmalen Bad auf der Toilette sitzt und in dessen Helm sich die Badtür spiegelt. Man würde das Bild kaum jemandem zuschreiben, der sich sonst mit der Finsternis auseinandersetzt und diabolische, schaurige Tattoos sticht.

Skorka, der unter anderem in Berlin und Hamburg gelebt und das Tätowieren dort von Branchengrößen gelernt hat, will sich im neuen Hobby weiter ausprobieren. In Internet präsentiert er seine Bilder abgefilmt und mit Musik unterlegt, was bei den Betrachtern gut ankommt, weil noch mehr Stimmung transportiert werden kann. „In der momentanen Situation ist es vielleicht an der Zeit, das Unwichtige, wie ein paar ausgelatschte Schuhe, einfach mal hervorzuheben.“ Abschließend fasst er zusammen: „Es ist einfach wohltuend, sich in ein Bild zu vertiefen und die Farben wirken zu lassen.“ Trotz der Freude am neuen Hobby hofft er, bald wieder sein Tattoostudio öffnen zu können und dort schaurig schöne Werke auf den Körpern seiner Kunden zu verewigen.