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Der doppelte Prümer Champion

Der doppelte Prümer Champion

Diesem Prümer Jungen gelang etwas, das nur ganz wenige schaffen: Erich Maas wurde Deutscher Fußballmeister mit Eintracht Braunschweig - und französischer Champion mit dem FC Nantes. Heute wird er 75 Jahre alt.

Prüm. "Gestern war ich noch mit meiner Frau in Trier, auf dem Weihnachtsmarkt", sagt Erich Maas. Womit sich die Frage, ob er gelegentlich noch in die alte Heimat zurückkehrt, bereits erledigt hat. Seit mehr als 40 Jahren lebt der ehemalige Fußballprofi in Frankreich, in Igney, ein Stück südlich von Nancy. Dorthin zog die Familie nach einer nicht nur für einen Eifeler beeindruckenden Karriere: Nach Anfangsjahren beim SV Prüm und in der Rheinland-Auswahl holte ihn in der ersten Bundesligasaison 1962 der 1. FC Saarbrücken, dann ging es 1964 nach Braunschweig - und zum Meistertitel im Jahr 1967. Unter Bundestrainer Helmut Schön spielte der Prümer Stürmer einige Male in der Nationalelf.
Nach einer kurzen Station beim FC Bayern wechselte er zum FC Nantes, blieb dort fünf Jahre, erzielte in 150 Spielen 43 Tore und wurde 1973 mit dem Team französischer Meister. Maas spielte später außerdem noch für den FC Rouen und den FC Paris, er beendete seine Spielerkarriere 1977, zuletzt arbeitete er in der dritten französischen Division als Trainer.
Fragen wir einen anderen Prümer, der die Laufbahn von Erich Maas gewiss beurteilen kann - Jean-Julien Beer, heute Chefredakteur des Kicker: "Erich Maas hat das kleine Prüm in die große Bundesliga getragen", sagt Beer. "Nicht nur, weil er es zwischenzeitlich bis zum FC Bayern schaffte, sondern vor allem wegen der Deutschen Meisterschaft 1967 mit Eintracht Braunschweig. Da war er ein großer Leistungsträger. Noch heute schwärmt man in Braunschweig vom Eifeler Flügelflitzer Maas, der wegen seiner Offensivstärke von Helmut Schön ja auch in die Nationalmannschaft berufen wurde."
Am Telefon erweist sich Maas als freundlicher, humorvoller älterer Herr, für den der Fußball mittlerweile recht weit weg ist: Gelegentlich schaue er sich noch die Sportschau an, sagt er. Auch die Europameisterschaft nächstes Jahr in seiner Wahlheimat bringt ihn nicht groß in Wallung: "Nicht besonders. Ich bin froh für die Franzosen, dass sie dort stattfindet." Und wem drückt er die Dauen? "Da muss ich ganz ehrlich sagen: Ich fiebere jetzt für die Franzosen. Die Deutschen haben ja schon so viel erreicht, da dürfen auch mal andere ran." Ein echter Sportsmann.
Nein, er fühle sich nicht unbedingt als Franzose, "dafür muss man schon hier in die Schule gegangen sein. Obwohl ich ja schon 40 Jahre hier wohne und mich sauwohl fühle".
Und wie sieht es mit Kontakten in die alte Heimatstadt aus? "Nach Prüm fahre ich relativ wenig. Mein Bruder Heinz spielt Golf und hat nie Zeit", sagt Maas und lacht. Dabei vergisst er nicht zu erwähnen, dass der auch ein klasse Spieler und Trainer gewesen sei - und immerhin mit einem Luxemburger Team einmal im Europapokal gegen den FC Porto antrat.
Erich Maas hört sich an wie ein zufriedener Mensch: "Es geht mir gut", sagt er. Zwar habe er gerade in einer Schublade noch ein paar Fotos von früher gefunden und im Vergleich zum heutigen Spiegelbild feststellen müssen, dass da schon "eine Differenz" sei. "Aber so geht es ja allen."
Den Geburtstag heute am Heiligabend verbringt er mit seiner Frau Gabrielle wie jedes Jahr beim gemeinsamen Sohn Dominique in Nancy: Da komme immer die ganze Familie zusammen, "da sind wir dann 15, 20 Leute".
Und in der Abteistadt kann man sich auch ein bisschen mitfreuen. Noch einmal Jean-Julien Beer: "Prüm kann wirklich stolz darauf sein, dass der Fußballgott den kleinen Erich an Heiligabend in der Eifel zur Welt kommen ließ."
Apropos Weihnachten, Geburtstage, Geschenke: Da fällt ihm noch etwas ein. Zu seinem 60. habe ihm sein alter Prümer Kindheitsfreund Toni Elsen ein Album geschenkt, in dem seine gesamte Karriere zusammengefasst war. "Das war großartig. Ich hab mich dafür gar nicht richtig bedankt, das bedauere ich schon ein bisschen." Und ob wir das nicht in diesem Artikel übernehmen könnten. Sehr gern: Also, lieber Herr Elsen, im Auftrag von Erich Maas: ein herzliches Dankeschön. Wir danken Erich Maas, im Auftrag unserer Leser, und wünschen allen zusammen: Frohe Weihnachten.Extra

 Sogar auf dem Kicker-Titel tauchte Erich Maas schon auf. An Heiligabend feiert der Prümer Geburtstag. TV-Fotos (2): Fritz-Peter Linden / Gabrielle Maas
Sogar auf dem Kicker-Titel tauchte Erich Maas schon auf. An Heiligabend feiert der Prümer Geburtstag. TV-Fotos (2): Fritz-Peter Linden / Gabrielle Maas Foto: (e_pruem )
 Maas-Arbeit: Außenstürmer Erich Maas – hier ein Bild aus den Bundesliga-Jahren in Braunschweig – schlägt aus vollem Lauf eine Flanke. Vor gut 40 Jahren heuerte der Eifeler bei Bayern München an. Große Erfolge feierte er danach in Frankreich. Foto: privat
Maas-Arbeit: Außenstürmer Erich Maas – hier ein Bild aus den Bundesliga-Jahren in Braunschweig – schlägt aus vollem Lauf eine Flanke. Vor gut 40 Jahren heuerte der Eifeler bei Bayern München an. Große Erfolge feierte er danach in Frankreich. Foto: privat

Einst schoss Erich Maas - älterer Bruder des früheren Prümer Oberliga-Trainers Heinz Maas - den SV Prüm mit 42 Saisontoren in die 3. Liga. 1963 stieg er mit Saarbrücken in die neu gegründete Bundesliga auf. Die meisten seiner 208 Bundesliga-Spiele (43 Tore) machte er für Braunschweig. Sieben Mal wurde Maas zu Länderspielen eingeladen, drei Mal kam er zum Einsatz. Vor 45 Jahren ging Maas nach Frankreich, wo er 150 Mal in der ersten Liga spielte. Ende der Siebziger ließ er die Karriere in Paris und Rouen ausklingen. Nach dem Karriereende führte er ein Sportgeschäft und war später in leitender Position bei einem Schuhproduzenten angestellt. AF