Der Eifelkreis will auf die Datenautobahn

Der Eifelkreis will auf die Datenautobahn

Im Internet zu surfen ist in den meisten Orten des Eifelkreises eine Geduldsprobe. Das soll sich jedoch ändern. Bis 2014 will der Kreis erreichen, dass all seine Gemeinden über schnelle Festnetzverbindungen verfügen.

Bitburg/Prüm. Von wegen Datenautobahn! Wenn es ums Internet geht, sind die meisten Gemeinden des Eifelkreises Bitburg-Prüm auf einem rumpeligen Datenfeldweg unterwegs. Das zeigt nun auch eine Machbarkeitsstudie, die der Kreis bei der Düsseldorfer Firma Konext in Auftrag gegeben hat, um künftig etwas an der Situation zu verbessern: 84 Prozent der Haushalte stehen weniger als zwei Megabits pro Sekunde im weltweiten Netz zur Verfügung - und damit sind sie aus heutiger Sicht unterversorgt.Denn als Standard gelten mindestens sechs Megabits. Und wünschen würden sich die meisten der rund 9000 befragten Eifeler noch deutlich mehr. Das gilt insbesondere für all diejenigen, die auch beruflich auf gute Internetverbindungen angewiesen sind. Doch die sind in den meisten Gemeinden schlicht nicht vorhanden: 175 der 235 Gemeinden haben keinen schnellen Internetzugang. Das Problem: Der riesige Eifelkreis ist wegen seiner geringen Bevölkerungsdichte für Anbieter unattraktiv. Zu hoch sind die Kosten, um die benötigten Leitungen zu verlegen, zu gering die zu erwartenden Einnahmen. Und so müssen die Eifeler schleichen, statt zu surfen.Daran soll sich allerdings möglichst bald etwas ändern. Bis 2014 will der Kreis erreichen, dass all seine Einwohner gute Verbindungen haben. Und zwar über Festnetzanschlüsse. Nur wo dies gar nicht möglich ist, soll mit Funklösungen gearbeitet werden. Um dies zu realisieren, müssten allerdings 275 Kilometer sogenannter Leerrohre verlegt werden, in die dann später die Glasfaserkabel kommen, die die Eifeler an die Datenautobahn anbinden sollen. Geschätzte Kosten: zehn bis zwölf Millionen Euro. Gespräche in den Sommerferien

"Wir wollen die Sommerferien nutzen, um Gespräche mit dem Land zu führen", sagt Rainer Wirtz von der Kreisverwaltung. Denn ohne Förderung - der Kreis hofft auf 90 Prozent - kann die finanzschwache Kommune das Mammutprojekt nicht stemmen. Sobald die Finanzierung steht, soll die Suche nach einem Internetanbieter beginnen, der die Leerrohre mietet und mit Leben füllt. Erste Gespräche haben laut Wirtz gezeigt, dass das Interesse groß ist. Um die Kosten für das alles so gering wie möglich zu halten, zeigt die Studie auch, welche Synergieeffekte der Kreis nutzen könnte: So wäre es theoretisch möglich, 95 Kilometer Hochspannungsleitungen mit Breitbandkabeln zu bestücken, 93 Kilometer geplante oder bereits vorhandene Leerrohre mitzunutzen oder beim Neubau von Straßen oder Radwegen direkt auch neue Rohre zu verlegen. Nicht nur deswegen glaubt Wirtz, dass die Herangehensweise des Kreises ihr Geld Wert ist (Studie und Projektbegleitung kosten 85 000 Euro). "Wenn jede Gemeinde ihre Erschließung selbst in die Hand nehmen müsste, würde es den Steuerzahler mindestens das Doppelte kosten", sagt Wirtz, der wie Landrat Joachim Streit hofft, die 44 000 Haushalte und rund 50 Gewerbegebiete des Eifelkreises bald auf die Datenautobahn zu führen. Meinung

Schnelles Internet ist kein LuxusSchnelles Internet ist schon lange kein Luxus mehr. Es ist für Privatleute, Unternehmen, einzelne Gemeinden oder ganze Landstriche heute mindestens genauso wichtig wie eine gute Straßenanbindung. Denn ohne Internet kann heute kaum noch jemand arbeiten. Und ohne Internet will heute kaum noch jemand leben. Insbesondere Firmen und junge Familien verbinden die Frage, wo sie sich niederlassen wollen, auch mit jener, wie viele Megabits ihnen denn dort zur Verfügung stehen. So wie es im Eifelkreis derzeit aussieht, stehen die Chancen schlecht, Familien oder Firmen auf die Dörfer zu locken. Die Studie, die der Kreis in Auftrag gegeben hat, macht deutlich, wie schlecht: 175 der 235 Eifelkreis-Gemeinden haben keinen schnellen Internetzugang. Daran aus eigener Kraft etwas zu ändern, würde die meisten Gemeinden nicht nur finanziell, sondern auch organisatorisch überfordern. Daher ist es gut, dass der Kreis sie mit dem Problem nicht alleine lässt und nach einer Gesamtlösung sucht. k.hammermann@volksfreund.de

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