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Der Eifelwald ist in Gefahr

Natur : Der Eifelwald ist in Gefahr

Die Forstämter in der Region kämpfen gegen den Borkenkäfer. Trockenheit, Windbruch und ein desolater Holzmarkt erschweren die Lage.

„Die Situation ist bei uns im Vergleich zu anderen Regionen besser - aber mitnichten gut“, sagt Peter Wind, Leiter des Forstamts Prüm. Derzeit lasse sich schlecht beurteilen, welche und wie viele Bäume die inzwischen zweite Generation der Borkenkäfer frisch befallen hat: „Das Resultat wird erst in der zweiten Julihälfte sichtbar“, sagt Wind.

Das Forstamt setzt eine Drohne ein, die Bilder der Baumkronen im Revier übermittelt. „Anhand der Färbung der Fichtennadeln kann man mit geübtem Blick erkennen, welche Bäume befallen sind.“

Die Fichten werden kontrolliert und gegebenenfalls gefällt und geschält. Das Holz müsse schnell abtransportiert werden, je nach Wetterlage bleibe nur ein begrenztes Zeitfenster erklärt Peter Wind: „Bei Trockenheit haben wir lediglich sechs Wochen.“ Die Arbeit gestalte sich schwierig, sagt der Forstamtsleiter: Mit großen Maschinen seien viele  entlegene Waldstücke nicht befahrbar, man könne sie nur zu Fuß erreichen. „An solchen Stellen müssen wir die Stämme manuell schälen.“

Auch der Windbruch, den Sturmtief Sabine im Februar hinterlassen hat, stellt die Forstleute immer noch vor Probleme. „Sabine hat nicht ganze Flächen umgelegt, sondern punktuell zugeschlagen und damit Bruträume für den Borkenkäfer geschaffen.“

Zu normalen Zeiten wäre solch eine Katastrophe zu bewältigen, sagt Wind, doch nun komme alles zusammen: Die Trockenheit der vergangenen Jahre, der Käfer und die Sturmschäden.  Man arbeite mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, auch Rückepferde seien im Einsatz. Zusätzlich hilft die Bundeswehr beim Schälen der Stämme  (Der TV berichtete).

Wie viele Hektar inzwischen befallen seien, kann der Forstamtsleiter nicht abschätzen, denn: „Die Situation ändert sich ständig und hat eine eigene Dynamik. Wir sitzen auf einem Pulverfass.“

Gegen die Trockenheit komme man nicht an, sagt Rudolf Becker, Förster und Büroleiter des Forstamtes Neuerburg. „Ich bin seit 1985 im Dienst und habe so etwas noch nicht erlebt.“ Stürme, die Waldschäden verursachten, seien immer wieder mal vorgekommen - „doch die jetzige Situation mutet endlos an und wird uns noch viele Jahre beschäftigen“.

Im Nordteil des Forstreviers sei der Befall durch den Borkenkäfer deutlich schlimmer, sagt Becker. „Dort stehen viel mehr Fichten als im südlichen Abschnitt. Es gibt hier jeden Tag neue Befälle.“ Doch auch die Buchen und Eichenwälder leiden unter dem Klimawandel und der Trockenheit der vergangenen zwei Jahre. Noch hielten die heimischen Hölzer den veränderten Bedingungen stand, doch in Zukunft müssten die Forstämter mit Gewächsen experimentieren, die  mit der Dürre und den sich abzeichnenden klimatischen Veränderungen der kommenden Jahrzehnte besser klar kämen, sagt der Förster.

„Doch auch diesen Pflanzen, wie beispielsweise der Baum-Hasel, die in Südost-Europa heimisch ist, sieht man erst nach rund 15 Jahren an, ob sie hier gedeiht.“ Die Wiederbewaldung sei im Augenblick das wichtigste Thema, sagt Becker. „Egal, was wir unternehmen und welche Gewächse wir einsetzen - Hauptsache ist, der Forst kommt wieder in die Gänge.“

Die Regenfälle der vergangenen Wochen hätten dazu beigetragen, dass man die Situation einigermaßen im Griff habe, sagt Jürgen Weis, Forstamtsleiter in Bitburg. Doch damit sei immer noch nichts gewonnen, denn die Böden seien weiterhin zu trocken.

„Deshalb werden wir den Schwerpunkt der Neuanpflanzungen vom Frühjahr auf den Herbst verlegen“, sagt Weis. In Zukunft heiße es, nur noch Mischwälder anzulegen: „Um das Risiko zu verteilen.“

Dazu lassen sich die Forstleute der Eifelregion von der Forschungsanstalt für Waldökologie in Trippstadt beraten, die mit sogenannten „ergänzenden Baumarten“ experimentiert. „Ziel ist es, Gehölze einzusetzen, die einerseits Trockenheit vertragen, andererseits aber auch den Standort Eifel“, sagt Weis.

Auch das Forstamt Bitburg kämpft mit dem Borkenkäfer, bisher sei der „Holzabfluss“ an Sägewerke jedoch gewährleistet, auch wenn der Markt sich im Keller befinde, sagt Weis.

„Zurzeit kann kaum noch kostendeckend gearbeitet werden“, berichtet Rudolf Becker aus Neuerburg. „Die Einkommensverluste betragen bis zu 40 Prozent.“

Der Holzmarkt liege am Boden, sagt auch Peter Wind in Prüm. „Der Preis für einen Festmeter ist von rund 100 Euro auf 40 Euro gefallen. Auf der anderen Seite sind die Kosten für die Aufarbeitung gestiegen.“

Ein Borkenkäfer und Käferlarven sind unter der Rinde einer geschlagenen Fichte im Soonwald bei Bad Sobernheim zu sehen. Die Insekten bedeuten eine große Gefahr für den Wald. Foto: dpa/Arne Dedert

Und als ob es nicht genug Probleme im Eifelwald gibt, ist auch noch der Eichenprozessionsspinner auf dem Vormarsch, dessen Brennhaare für Menschen gefährlich werden können. Während er in den Revieren der Forstämter Prüm und Neuerburg nur punktuell auftaucht, ist Bitburg stärker betroffen: „Die Waldjugendspiele im Königswäldchen hätten wir auch ohne Corona absagen müssen“, sagt Jürgen Weis. „Das Wäldchen, eines der wichtigsten Naherholungsgebiete für die Bitburger, ist stark stark befallen.“ Da sich der Eichenprozessionsspinner in den Monaten Juni und Juli besonders ausbreite, sei geplant, die Waldjugendspiele 2021 in den Mai vorzuverlegen, sagt der Forstamtsleiter.