"Der Gelähmte" hat einiges in Arbeit

"Der Gelähmte" hat einiges in Arbeit

Vor etwas mehr als einem Jahr hat Rolf Weber sein südamerikanisches Exil wieder gegen die Eifel eingetauscht. Seitdem arbeitet „der Gelähmte“, der vor seiner Flucht mit provokanten Liedern die Hallen der Region füllte, an seinem Comeback. Und es läuft: Am 23. Dezember gibt er in Bitburg ein (vermutlich nicht allzu besinnliches) Weihnachtskonzert und kommendes Jahr soll seine neue CD erscheinen.

",Wer schiss nur bloß in mein Gehirn' wird im Radio wohl nicht so schnell laufen", sagt Rolf Weber, alias der Gelähmte und legt seinen weißen Cowboyhut auf den Café-Tisch. Er wolle es ja gerne allen recht machen - nur das klappe einfach nicht. Und dann muss der kräftige 47-Jährige, der sich selbst als ernst bezeichnet, grinsen.
Vor seiner Flucht nach Südamerika (siehe Extra) hatte sich die Eifel schon daran gewöhnt, von ihm provoziert zu werden: mit Liedern wie "Sex at the Floor" oder "Mein Standlicht brennt" verkaufte er damals mehr als 10.000 CDs und erreichte in der Region Kultstatus.
Auf die Provokationen des Gelähmten verzichten will die Eifel offenbar auch 15 Jahre später nicht. Davon zeugen 600 mitsingende Menschen, die trotz glatter Straßen 2010 zu seinem Comeback-Weihnachtskonzert in der Halle 300 kamen. Davon zeugt ein Jahresvertrag mit dem Club Castel, wo er nun jeden Freitagabend seine eigene Unterhaltungsshow hat. Und davon zeugen 60 Sponsoren, die der Künstler in Bitburg für sein CD-Projekt "Globalisanierung" gefunden hat. Die Liste der Unterstützer reicht laut Weber vom Zahnarzt bis zum Klempner und der Landrat ist auch dabei. Kurz: es läuft gut für den Gelähmten, der zudem bald zum zweiten Mal Vater wird.
Der Musikstil, den er und die neuen Schwestern (so der Name der Band) für sich gefunden haben, liegt irgendwo zwischen Ramstein und Karl Moik. Volks-Punk nennt Weber das. Am 23. Dezember können die Eifeler (und alle die sonst noch so wollen und nicht bei Guildo Horn in Trier sind) ab 20 Uhr beim "Weihnachtsrock" im Castel herausfinden, wie das klingt.
Im kommenden Frühjahr soll dann seine CD Globalisanierung auf den Markt kommen. Doch damit vorher (so Webers Hoffnung) schon was im Radio laufen kann, hat er seine Ballade "ewige Liebe" als Single ausgekoppelt. Obwohl es "das schlechteste Lied ist, kannste ruhig schreiben". Das einzige, das man überhaupt im Radio spielen könne. Flach und politisch radikale Mitte. Er müsse es ja später noch toppen können.
Dennoch brennt er voller Stolz darauf, dass der Café-Besitzer (der auch auf der Unterstützerliste steht) es mal laufen lässt. Doch der schüttelt lächelnd den Kopf und verweist auf ein paar ältere Cafébesucher, die er offenbar nicht für klassische Volks-Punk-Hörer hält.
Vielleicht ändert sich das ja im Januar, wenn die Single gepresst ist. Eingespielt hat Weber sie im Studio eines der bekanntesten deutschen Musiker. Den Namen dürfe er allerdings nicht nennen. Es sei denn, das Lied wird ein Hit. Und das wäre, wie sich kurz darauf andeutet, durchaus möglich. Denn kaum hat der Wirt sich (trotz der Gäste) dann doch noch erweichen lassen, das Lied zu spielen, lädt der Refrain mit rasender Geschwindigkeit zum Mitsingen ein, während der arme Körper nicht so recht weiß, ob er dazu lieber Schunkeln oder Pogotanzen würde. Das könnte der Bitburger Fastnachtshit 2012 werden. Der Geheimtipp auf Punkparties (falls es sowas in der Eifel gibt). Oder eine Überraschung im Rundfunkprogramm.
Die Gäste, die bei der Premiere dabei sind, reagieren gelassen. "Wir leben alle noch", sagt ein Mann. Aber gut, das war ja auch das radiotaugliche Lied.

Extra

Ein skurriler Lebenslauf: 1964 wird Rolf Weber alias "der Gelähmte" in Speicher geboren - eine Sturzgeburt. "Ich bin einfach rausgerutscht", sagt er. 1979 fliegt Weber vom bischöflichen Konvikt in Trier (er sollte Priester werden) und besucht die Realschule in Speicher. Ab 1980 arbeitet er als DJ in einer Speicherer Disco. 1985 überfällt Weber (wie er sagt aus "verbandsgemeindepolitischen Gründen") unmaskiert eine Bank in Spangdahlem, erbeutet rund 9000 Mark und flüchtet mit dem Taxi nach Barcelona. Bis 1988 sitzt er deswegen im Gefängnis, wo er Elektriker lernt. 1990 gründet er die Band "Der Gelähmte und die kranken Schwestern", die bis 1996 zwei CDs produziert und zahlreiche Erfolge feiert. 1996 flüchtet Weber wegen eines Drogendelikts nach Südamerika, wo er in verschiedenen Ländern verschiedenste Jobs ausübt. Zuletzt arbeitete er in Honduras als Bankangestellter. Seit August 2010 lebt er wieder in Bitburg und arbeitet an seinem Comeback.

Mehr von Volksfreund