Urmes und Lichter sind schon weg, Servatius und Ehlenz planen, abzuwandern : Zu eng geworden

Zwei Firmen sind schon weg. Ein weiteres Unternehmen plant ebenfalls den Umzug aus Rittersdorf. Der Grund: Es gibt wohl keinen Platz zur Expansion.

Rittersdorf ist der größte Ort im Bitburger Land. 1400 Menschen wohnen heute im Dorf, Tendenz steigend. Das liegt auch an der Lage im Speckgürtel von Bitburg. Keine zehn Autominuten braucht man vom Dorf in die Stadt. Doch diese Nähe kann, so scheint es, Segen und Fluch zugleich sein. Denn immer wieder wandern Unternehmen ins Zentrum oder in andere Industriegebiete ab.

Der Betrieb „Elektro Urmes“ ist im April nach Bitburg gezogen, das Unternehmen „Büromaschinen Lichter“ nach Fließem. Der Landmaschinenbauer Servatius und Ehlenz plant in den nächsten Jahren zu gehen. Und die Raiffeisen Rhein-Ahr-Handelsgesellschaft will ihren Markt in Rittersdorf schließen, um ein Warenzentrum in der Stadt zu eröffnen. Der Geldautomat in der Filiale ist schon weg. Er wurde vergangenes Jahr von Dieben gesprengt und nicht ersetzt.

Doch woran liegt es, dass all diese Firmen dem Ort den Rücken kehren? „Die Gemeinde hat die Ausweisung von Gewerbeflächen vor 20 Jahren verschlafen“, sagt Wolfgang Ehlenz, Geschäftsführer der Firma „Servatius und Ehlenz“. Und tatsächlich gibt es in Rittersdorf nur zwei Industriegebiete. Beide wurden von Privatfirmen erschlossen und sind belegt. Freie Grundstücke sucht man also vergebens.

Auch der Landmaschinenhersteller hat keinen Platz mehr. Expandieren könne er also nur woanders, sagt Ehlenz. Deshalb plane die Firma,  in „naher Zukunft“ nach Fließem umzuziehen. Wie nah diese Zukunft ist, kann der Chef noch nicht sagen: „Ob das 2020 passiert oder in vier bis fünf Jahren, ist noch unklar.“

Ehlenz sagt, er wäre geblieben, wenn es im Dorf eine Fläche gegeben hätte. Auch, wenn die Grundstücke in Fließem günstig seien und die Lage, an der Autobahn 60, besser. Das waren wohl auch die Gründe, warum die Firma „Büromaschinen Lichter“ umgezogen ist. Chef Matthias Lichter will dazu aber nur so viel sagen: Der Gemeinde möchte er die Schuld nicht geben.

Für Elektriker Dietmar Urmes wäre Fließem nicht in Frage gekommen, sagt er. Seine Kunden leben vor allem rund um Bitburg, Trier und Luxemburg. „Die Anfahrt wäre viel zu weit“, sagt der Geschäftsführer des Betriebs. Rittersdorf hingegen habe perfekt gepasst. Auch, weil der Familienbetrieb dort seit mehr als 50 Jahren ansässig war.

Doch nach einem halben Jahrhundert hat sich Urmes trotzdem entschieden, in die Bitburger Brauereistraße abzuwandern. „Die Firma ist gewachsen und gewachsen“, erzählt der Geschäftsführer: „Und die Gemeinde hat uns keine Flächen zum Expandieren angeboten.“

Zehn Jahre lang hätten die Urmes-Brüder Gespräche mit Vertretern des Dorfes und der Verbandsgemeinde geführt: ohne Erfolg. „Immer hieß es“, sagt Urmes, „dass es keine freien Grundstücke gibt.“ Als auch aus dem Plan, den womöglich bald leerstehenden Raiffeisenmarkt zu kaufen, nichts wurde, habe der Elektriker eine Immobilie in Bitburg gekauft. Dort hat er nun 3600 Quadratmeter zur Verfügung: „Das reicht erst mal.“ Die Räumlichkeiten in Rittersdorf nutzt er nur als Filiale weiter. „Es ist natürlich schade, dass die Unternehmen abwandern“, findet der noch amtierende Bürgermeister Walter Heyen: „Doch das heißt nicht, dass bei uns die Lichter ausgehen.“ Die fehlenden Gewerbesteuer-Einnahmen seien  zu verschmerzen. Obwohl es um die Finanzen nicht zum Besten stehe – auch wegen hoher Umlagen an Kreis und Verbandsgemeinde – habe man Rücklagen bilden können: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“ Außerdem gebe es ja noch „erstaunlich viele“ Gewerwebetreibende im Dorf, zum Beispiel die Erdbaufirma Palzkill und das Entsorgungsunternehmen François. Und die planen nach TV-Informationen in nächster Zeit auch nicht, abzuwandern. Das liegt auch daran, dass beide sich ein jeweils eigenes Gewerbegebiet erschlossen haben. Und dort noch reichlich Platz haben, den Betrieb auszubauen. „Wir bleiben in Rittersdorf“, sagt daher Wolfgang François von der gleichnamigen Firma: „Der „Betrieb, den wir dort haben, ist zu komplex, um ihn ab- und irgendwo wieder aufzubauen.“ Expansionsfläche habe man sich vor Jahren auf dem Flugplatz Bitburg gesichert.

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