Der große Unterschied

Die Frauenquote in den Führungspositionen deutscher Unternehmen lässt zu wünschen übrig. In den kommunalen Gremien des Eifelkreises Bitburg-Prüm sieht es nicht besser aus. Darauf weist Marita Singh, Gleichstellungsbeauftragte des Kreises, in ihrem Tätigkeitsbericht hin. Und auch sonst gibt es in puncto Gleichberechtigung noch einige Baustellen.

Bitburg. Als Marita Singh in der jüngsten Sitzung des Kreistags ihren Tätigkeitsbericht für die vergangenen vier Jahre vorstellt, kommt sie auch auf die Kommunalpolitik zu sprechen - und dabei zwangsläufig auf die Situation im Kreistag. "Mir tut es auch leid, dass die Beigeordneten nur noch männlich sind", sagt sie und blickt dabei leicht vorwurfsvoll neben sich, wo die beiden FWG-Kreisbeigeordneten Paul Lentes und Rudolf Rinnen sitzen. Auf große Unterstützung aus den eigenen Reihen können die beiden Beigeordneten in diesem Moment nicht hoffen. Denn zeitgleich mit der Präsentation des Tätigkeitsberichts setzt in der Runde der Kreistagsmitglieder eine große Wanderung in Richtung Toiletten, Kaffeekannen und Aschenbecher ein. Und davon (proportional) am stärksten betroffen ist die FWG-Fraktion, wo zeitweise vier der fünf Mitglieder fehlen.
Weitere Projekte geplant


Es gibt Tagesordnungspunkte, da verlässt keiner den Sitzungssaal. Dieser jedoch gehört definitiv nicht dazu. Von den 42 Mitgliedern des Kreistags sind aktuell zwölf weiblich. Das entspricht einer Quote von knapp 29 Prozent und ist auch besser als die Situation in den Verbandsgemeinderäten (22 Prozent), doch für die Gleichstellungsbeauftragte alles andere als zufriedenstellend. "Aufgrund des geringen Frauenanteils in den Gremien werden die Interessen und die Situationen der Frauen nicht ausreichend beachtet", hält Singh in ihrem Bericht fest. Und das "führt oftmals zu Fehlentscheidungen und erfordert spätere Nachbesserungen".
Eines der Projekte, dem sich die Gleichstellungsbeauftragte gemeinsam mit Kolleginnen aus den Nachbarkreisen und Verbandsgemeinden in den vergangenen Jahren gewidmet hat, war die Vorbereitung von Frauen auf politische Ämter. "Mentoring vor Ort - Mehr Frauen in die Kommunalpolitik" hieß die Initiative, an der 36 Frauen aus der Region Trier - davon zehn aus dem Eifelkreis - teilgenommen haben. Betreut von männlichen und weiblichen Mentoren, die selbst kommunalpolitisch tätig sind, wurden die Frauen laut Bericht auf die Kommunalwahl 2014 vorbereitet. Was der Bericht allerdings verschweigt, ist, dass es von diesen drei Dutzend Frauen kaum eine in ein kommunalpolitisches Amt geschafft hat. Einige wurden schlichtweg nicht gewählt, andere im Vorfeld der Wahl erst gar nicht auf Listen der Parteien und politischen Gruppierungen nominiert.
Weitere Themen, mit denen Singh sich befasst hat, waren die Erwerbstätigkeit von Frauen im ländlichen Raum, die Unterstützung von Migrantinnen, häusliche Gewalt und das Problem der Minijobs. Letztere werden vor allem von Frauen ausgeübt und führen laut Singh zu gravierenden Folgen in der Altersversorgung.

"Frauen verdienen mehr"


"Frauen verdienen mehr" ist deshalb auch das Motto des Schwerpunktthemas, mit dem sich die Gleichstellungsbeauftragte im kommenden Jahr befassen möchte. So ist unter anderem ein Fotowettbewerb geplant, bei dem Frauen den Fokus gezielt auf Frauenarbeit richten sollen. Die besten Fotos sollen dann für eine Plakat-Kampagne verwendet werden, die zur Aufwertung typischer Frauenberufe beitragen soll. Dazu zählen Kranken- und Altenpflegerinnen, Hebammen und Hauswirtschafterinnen.

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