Der gute Geist von St. Martin

Der gute Geist von St. Martin

LÜTZKAMPEN. Ein Mann, der sein Dorf, die Heimat und seine Kirche liebt: Jakob Gierenz aus Lützkampen ist die "gute Seele von St. Martin". Organist, Chorleiter, Vorsänger und sogar Hausmeister. Die Heimatkirche St. Martin bedeutet ihm ein Stück Leben.

"Ja, das ist immer so gewesen", sagt der 75-jährige Ex-Landwirt, der als Nachbar förmlich mit der Kirche verbunden war und ist. Er wohnt in der Pfarrgasse, die früher Kirchplatz war. "Hier war immer eine Menge los, hier traf man sich und redete miteinander: die Gottesdienstbesucher, die Kunden im Kaufladen und im angrenzenden Eisenwarengeschäft", sagt Gierenz und verweist auf die dörfliche Kommunikation an dieser Stätte. Nach der Arbeit als Landwirt war Jakob Gierenz Rendant und Zweigstellenleiter der Raiffeisenbank in Lützkampen. Er ist seit drei Jahren verwitwet, doch leer ist es nicht im schmucken Heim. Seine drei Kinder kommen öfters zu Besuch, auch die Enkelkinder Ina, Denise, Lisa, Kai, Linda und Celine klopfen öfters an die Haustür und besuchen ihren Opa. "Sie wissen genau, dass es zur Kirmes ein Kirmesgeld gibt, auch für die Zeugnisse erhalten die Kleinen ihren Lohn", sagt der Opa, der immer ein Familienmensch war.Seit 1955 Vorsänger in der Kirche

Gierenz ist ein Mann der Traditionen: "Schade, dass viele Bräuche ausgestorben sind und der Kommerz Überhand nimmt", beklagt er. Er sah es immer gerne, wenn gewisse Sitten und Bräuche praktiziert wurden. "Doch die Zeit ist zu hektisch geworden, man findet kaum noch Gelegenheit, miteinander zu reden." Früher war das anders: "Immer, wenn man aufs Feld kam, hielt man an und sprach ein paar Worte", sagt der Senior. Jakob Gierenz ist ein engagierter und leidenschaftlicher Mensch. Das widerspricht keinesfalls seiner Ansicht, dass er es gerne still hat und die Ruhe schätzt. Seit 1955 ist er Vorsänger in seiner Heimatkirche und stimmt die Lieder an. Als Autodidakt brachte er sich das Harmoniumspiel bei, las Bücher, erlernte die Griffe und begab sich ans Orgelspiel. "Unsere Familie war stets musikalisch, mit meinen neun Geschwistern wurde viel zu Hause gesungen", erinnert sich Gierenz. Volkslieder waren es, die das Bauernhaus erfüllten, das Repertoire war groß. Nicht verwunderlich, dass Jakob auch 15 Jahre im Musikverein "Grenzland" Lützkampen aktiv war. Ein Vierteljahrhundert diente er seinem Dorf als Ratsmitglied im Gemeinderat, 20 Jahre der Pfarrei als Mitglied des Pfarrgemeinderates. Doch der kirchliche Dienst stand immer obenan. Zu jedem Gottesdienst musste er ran, selbst während seiner Dienstzeit bei der Bank. "Dann kam mich meine Frau rufen und ich durfte gehen", sagt er. Fast selbstverständlich, dass der "gute Geist Jakob" weiterhin für diese Dienste zu haben ist. Zwar zwingt ihn eine schwere Operation und eine langjährige Erkrankung kürzer zu treten, aber er hält tapfer durch. "Die Glocken müssen umgestellt werden, auch die Kirche will auf- und abgeschlossen sein." Eine Art Hausmeister also? "Ja, ganz klar", sagt Gierenz. Als die Rede auf den Krieg und die Folgen im Grenzland kommt, wird Gierenz nachdenklich. "Das war eine schreckliche Zeit, die Flucht, die Armut. Heute wünsche ich mir manchmal, dass die Menschen etwas besinnlicher werden. Die Hektik tut nicht gut", so seine Botschaft. Und ganz aktuell: "Junge Leute haben es heute auch schwieriger - Berufswahl, Arbeit finden, Werte beachten. Es fehlt vielfach an Vorbildern". Wenn auch Sie eine historische Anekdote kennen, den Namen eines Hauses oder einer Straße erklären können oder zu einem historischen Ereignis eine persönliche Geschichte zu erzählen haben, dann schreiben Sie unter dem Stichwort "Dorfgeschichten" mit Namen, Adresse und Telefonnummer an die E-Mail-Adresse eifel@volksfreund.de. Wichtig ist, dass Ihre Geschichte höchstens 2000 Anschläge umfasst.