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Der Heiland ist noch zu haben

Der Heiland ist noch zu haben

Die Herz-Jesu-Figur, die im April in der Abteistadt auftauchte, bleibt weiter herrenlos. Bislang hat sich niemand gemeldet, dem die Statue nachweislich gehört. Dafür aber sind bereits erste Kaufangebote im Fundbüro der Verbandsgemeinde eingegangen.

Prüm. Der Erlöser bleibt vorerst in der Stadt der Salvator-Basilika - zumindest ist das der aktuelle Stand der Dinge im Fall der kleinen Jesus-Statue, von der kein Mensch bisher weiß, wem sie gehört oder abhanden kam: Nach dem TV-Artikel vom 14. Juni über die im Gerberweg aufgekreuzte Figur ist nämlich noch niemand aufgetreten, der ernsthaft Eigentumsansprüche erheben kann.
Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hatten die gut einen Meter hohe Gipsfigur entdeckt: Irgendwer hatte den Jesus hinter der Steintafel mit einer Abbildung von Mönch Wandalbert abgestellt - und in direkter Nachbarschaft diverser anderer prominenter (und ebenfalls mineralischer) Ex-Prümer von Abt Regino bis Kaiser Karl. Das Ganze an einem Datum, das zu Spekulationen Anlass gab: am 1. April.
Die Figur landete erst bei der Polizei, dann im Fundbüro der Verbandsgemeinde (VG). Weil sich aber niemand meldete, dem sie verloren gegangen war, machte die Verwaltung die Sache öffentlich.
Nach unserem Artikel meldeten sich zwar einige Eifeler bei der Verwaltung und mutmaßten, die Figur könne aus ihrer Kirche oder Gemeinde stammen. Beweisen aber konnte das niemand.
Eine Dame aus dem ostbelgischen Amel ist indessen davon überzeugt, dass der Jesus früher einmal ihrer Familie gehört habe. Allerdings macht auch sie keine Ansprüche geltend, denn die Gipsfigur sei später an einen Händler verkauft worden - und was aus dem wurde, ist ebenfalls nicht bekannt.
Peter Hillen, Chef der Abteilung Bürgerdienste in der VG-Verwaltung, glaubt ohnehin angesichts des Fund-Datums, "dass das ein Scherz war. Ich vermute, dass die Figur von irgendwelchen Leuten zu Hause gefunden worden ist. Und weil wir da im Gerberweg schon all die schönen Mönche und Kaiser stehen haben, haben die sie dazugestellt."
Sofern sich nun niemand finden lasse, der das Eigentum nachweisen könne, werde der Jesus wahrscheinlich versteigert, zumal sich bereits einige Interessenten gemeldet hätten.
"Jetzt aber noch nicht", sagt Hillen. "Weil wir nach dem Fundrecht die Sechs-Monatsfrist einzuhalten haben. Das heißt: Der Verlierer hat sechs Monate Zeit, seine Ansprüche anzumelden, die er natürlich auch nachweisen muss." Das wiederum bedeutet: Meldet sich bis zum 1. Oktober kein Eigentümer, "müssten wir die Figur dann öffentlich versteigern".
Wie das genau vonstatten zu gehen habe, sei aber noch zu überlegen, man wolle den Heiland schließlich nicht schnöde unter den Hammer kommen lassen.
Bis dahin gilt: "Wir werden diese Figur bei uns in der VG behüten und beschützen", sagt Peter Hillen. "Und irgendwann wird sie einen gebührenden Ehrenplatz bekommen."
Der Eigentümer kann sich ans Fundbüro wenden unter Telefon 06551/943151 oder 06551/943101.
Extra

Gerade hat die katholische Kirche das Herz-Jesu-Fest begangen: Es wird immer am Freitag in der Woche nach Fronleichnam gefeiert. Die Wurzeln des Fests, schreibt das Heiligenlexikon, seien in der mittelalterlichen Christusfrömmigkeit zu finden, die sich "auf das Herz des Erlösers Jesus Christus konzentrierte". Noch älter ist die Vorstellung, dass die gesamte Kirche aus dem Herzen Jesu hervorgegangen sei. Das Herz steht gleichzeitig für Christi Liebe zu den Menschen. Zahlreiche Pfarreien und Kirchengemeinden sind danach benannt, in vielen Darstellungen und Skulpturen deutet Jesus auf sein Herz - wie auch bei der Figur, die in Prüm gefunden wurde. fpl