1. Region
  2. Bitburg & Prüm

Der jüdische Friedhof in Bitburg

TV-Serie „Jüdische Friedhöfe im Eifelkreis“ : Der jüdische Friedhof in Bitburg

Der jüdische Friedhof in Bitburg war zweimal ein Ort der Zerstörung. Dass er heute wieder ein Ort des Gedenkens ist, ist auch Familie Dreiser zu verdanken.

Nur fünf Grabsteine stehen auf dem jüdischen Friedhof in Bitburg an der Ecke Erdorfer Straße/Talweg. Dass es überhaupt so viele sind, haben die Bitbitger mutigen Menschen zu verdanken: der Familie Dreiser.

Denn während des Nationalsozialismus wurden die Grabsteine umgeworfen und zerstört. Der Bildhauer Wilhelm Dreiser, ein Freund der Familie Juda, versteckte die Grabsteine dieser Familie in seiner Werkstatt unter anderen Steinen. Nach dem Zweiten Weltkrieg sorgte seine Tochter Gerda gemeinsam mit Karl Juda dafür, dass die Steine wieder einen Platz auf dem Friedhof bekamen. Gerda Dreiser (1906 bis 1991) wurde als Heimatschriftstellerin bekannt und erhielt 1955 die höchste Auszeichnung des Roten Kreuzes, die Florence-Nightingale-Medaille.

Ein zweites Mal wurde der Friedhof geschändet, als die Nationalsozialisten die Leichen von russischen Kriegsgefangenen auf dem jüdischen Friedhof in einem Massengrab beisetzten. Denn auf jüdischen Begräbnisstätten dürfen nur Juden beerdigt werden. Gerda Dreiser kümmerte sich darum, dass die russischen Soldaten in Einzelgräbern an anderer Stelle beigesetzt wurden.

Damit war die Geschichte aber noch nicht beendet. Denn, wie Stephan Garçon berichtet, gruben 1951 Polit-Offiziere die Gräber noch einmal auf und nahmen die 128 Gebeine mit in die Sowjetunion. Garçon: „Es sollte nichts ,an die Schande, dass man in Gefangenschaft umgekommen war’, erinnern.“

Dass man heute so viel über die jüdische Geschichte in Bitburg weiß, ist maßgeblich dem „Arbeitskreis Gedenken“ zu verdanken (siehe Info). Seine Gründung hängt mit einem großen Stein mit den Namen verstorbener Bitburger Juden zusammen, der auf dem Friedhof steht. Stephan Garçon, Mitglied des Arbeitskreises, nennt ihn den „Stein des Anstoßes“. Er erklärt auch warum: „Schon in den 1980er Jahren gab es regelmäßige Gedenkveranstaltungen auf dem jüdischen Friedhof. Dabei ist aufgefallen, dass auf dem Stein nur die Namen der Juden stehen, die bis 1941 in Bitburg verstorben sind. Es fehlten aber die derjenigen, die aus Bitburg kamen und dem Holocaust zum Opfer gefallen sind.“ Daraufhin wurde mehr zur jüdischen Geschichte und den jüdischen Menschen geforscht. Daher gründete sich der Arbeitskreis, der momentan etwa 15 Mitglieder hat.

Der Arbeitskreis beschäftigt sich mit einer Vergangenheit, die von Hass und Fremdenfeindlichkeit geprägt ist, aber auch mit Menschen, die geholfen haben, mit dem Gedenken, der Freundschaft und der Versöhnung.

Geprägt von einem guten Zusammenleben: So hat Herbert Kallmann, ein jüdischer Bürger, sich 1993 in einem Brief an seine Zeit in der Eifelstadt erinnert: „Wir hatten eine hübsche kleine Gemeinde.“ Ihre besten Jahre hatte die jüdische Gemeinde Bitburg vor dem Ersten Weltkrieg, mit 72 Mitgliedern im Jahr 1906. Das waren 2,2 Prozent der Gesamtbevölkerung. 1925 waren es noch 60 und am 10. Oktober 1938 lebten noch elf Menschen jüdischen Glaubens in der Stadt.

Dabei gibt es unterschiedliche Schilderungen, wie sich das Zusammenleben vor der Zeit des Nationalsozialismus gestaltete. Auf der einen Seite waren offizielle Vertreter noch 1878 bei der Einweihung der Synagoge und die Presse feierte den Bau als „erste Synagoge der Eifel“. Auf der anderen Seite musste die jüdische Gemeinde drei Anträge stellen und gegen die Stadt klagen, um ein Stück Land für den Friedhof zu bekommen. Bis dahin waren die Toten in Aach und Trier beerdigt worden.

1890 hatte die Klage Erfolg. Der Stadtrat in Bitburg beschloss, auf der „daselbst von der unterhalb des Kirchhofes gelegenen Hospitalwiese einen genügend großen Teil als Begräbnisplatz einzurichten“. Nach wie vor befindet sich der Friedhof an dieser Stelle. Durch ein Eisentor tritt man ein und sieht auf der linken Seite drei Grabsteine. Bei dem einen ist die Inschrift auf Hebräisch, auf dem anderen ist eine Kanne zu erkennen, was auf eine levitische Abstammung hinweist. Dieser Stamm war im Tempel für die kultische Reinheit zuständig, und die Tempeldiener wuschen den Priestern vor der Opferung die Hände.

Das dritte Grab gehört Simon Juda. Die zwei Gräber auf der rechten Seite sind ebenfalls Ruhestätten dieser Familie. Dank der Familie Dreiser kann man sie heute noch besuchen – und dafür dankbar sein, dass es mutige Menschen gab, die uns heute noch das Gedenken ermöglichen.

Dieser Arikel erschient im Rahmen der TV-Serie „Jüdische Friedhöfe im Eifelkreis“. Alle bisher erschienenen Teile findet man unter www.volksfreund.de/juedischefriedhöfe