Der Kampf geht weiter

Neuer Schwung für die Kommunalrebellen: An der Oberen Kyll wächst die Hoffnung, vielleicht doch noch - ganz oder mit den sechs bekannt abtrünnigen Ortsgemeinden - mit Prüm fusionieren zu dürfen.

Jünkerath/Prüm. Die Telefonstaffel funktionierte am Mittwoch: Noch während der Regierungserklärung von Malu Dreyer rief Walter Schneider, Ortsbürgermeister in Kerschenbach, bei seinem Reuther Kollegen Ewald Hansen an: "Hast du den Satz gehört?" Der Satz: Gemeint ist die Aussage der Ministerpräsidentin, ihre Regierung sei bei der Kommunalreform offen für "sinnvolle Neuordnungen über Kreisgrenzen hinweg".
Hansen, Schneider und ihre Mitbürgermeister in Hallschlag, Ormont, Scheid und Stadtkyll hoffen jetzt, dass sich ihr bisher aussichtsloser Kampf für einen Wechsel in die Verbandsgemeinde (VG) Prüm doch noch auszahlen könnte. Er habe jedenfalls die Worte der Regierungschefin "mit Freude vernommen", sagt Schneider. "Ich setze insgesamt große Hoffnung in Frau Dreyer." Auch Hansen sieht nun "eine große Chance, neu zu starten" und "unser Ziel zu erreichen, das wir uns mit den Bürgerentscheiden gesetzt haben".
"Das ist doch mal ein Wort", sagt Stadtkylls Ortsbürgermeister Harald Schmitz. Allerdings zieht er gleich die Euphoriebremse: "Hoffentlich von jemandem gesprochen, den man dann auch beim Wort nehmen kann." Er habe sich schon Hoffnungen gemacht auf die Regierungserklärung, bekennt Cornelius Dahm, Gemeindechef in Ormont. "Wir bleiben auf jeden Fall am Ball." Vorerst wäre er aber "schon zufrieden, wenn man sagen würde: keine Zwangsfusionen".
Dahm verweist auf den Beschluss des VG-Rats, dass die Fraktionen an der Oberen Kyll eine Gesamtfusion mit Prüm der Variante mit einer Aufteilung ihrer bisherigen VG vorziehen. In diesem Fall, erklärt VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz, könnten die 14 Ortsgemeinden zudem kräftig Schulden abtragen: Die VG-Umlage an der Oberen Kyll beträgt 47,5 Prozent, in der VG Prüm liefern die Gemeinden nur 32 Prozent ab. Die 15,5 Prozent Unterschied würden zur Ablösung der Kassenkredite (zwölf Millionen Euro) verwendet - damit könnte die Obere Kyll in weniger als zehn Jahren diese Schulden quitt sein.
Lothar Schun, Ortsbürgermeister von Lissendorf, hatte zunächst eine Fusion mit der VG Hillesheim bevorzugt, das unterstreicht er gegenüber dem TV noch einmal.
Jetzt aber hält er diese Variante, zumal unter Zwang, für bedenklich. Es liegt vor allem an den Reaktionen aus dem Hillesheimer Land: "Da ist uns ja fast schon offene Feindschaft entgegengeschlagen. Wir werden nur auf unsere Schulden reduziert." Schun sieht jetzt deutlich mehr Perspektiven bei einer Fusion mit Prüm - sofern sie zügig angegangen werde. "Wenn sich Mainz nicht dazu durchringen kann, dann warten wir lieber bis zur Kreisreform."
"Das kann ich nur bestätigen", sagt Birgels Gemeindechef Günter Klinkhammer, der anfangs die besten Chancen bei der letztlich gescheiterten Großfusion mit Hillesheim und Gerolstein gesehen hatte. Nun aber "kann es für uns nur Prüm geben". Dann sei die Schuldenlast wesentlich schneller getilgt. "Und wir haben mehr Freiheit in unseren Ortsgemeinden."
Meinung

Verhaltenes Hoffen
Was die neue Ministerpräsidentin gesagt hat, klingt gut für alle, die es über Kreisgrenzen hinwegzieht - und kann eine Wende bei der Kommunalreform bedeuten. Ob die Orte von der Oberen Kyll aber wirklich nach Prüm dürfen (wo sie willkommen sind) oder doch mit Hillesheim verschraubt werden (wo sie es nicht sind), bleibt offen. Wie auch die Frage, ob die Obere Kyll komplett mit Prüm fusionieren kann. Denn Malu Dreyer hat Hürden aufgestellt: "Sinnvoll" sollen sie sein, die Lösungen, "tragbar" und "konstruktiv". Damit kann man immer noch vieles abschmettern. Eine finanzielle Perspektive hat die Obere Kyll aber nur in Prüm. Das wäre irgendwie … sinnvoll. fp.linden@volksfreund.deExtra

"Ich werde mit unseren Gremien die neue Situation in den nächsten Tagen erörtern", sagt Aloysius Söhngen, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm. Den Aussagen der Ministerpräsidentin müsse "irgendwann etwas Konkretes folgen": So sei noch nicht klar, wie eine neue VG unterschiedlichen Kreisen angehören könne. Erst dann werde man die Verhandlungen mit der Oberen Kyll, "die wir auf Anweisung des Innenministeriums abgebrochen haben, wieder aufnehmen, um eine potenzielle Lösung abzuklären". fpl