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Der Kreissportvorsitzende Peter Michaeli im TV-Interview

Interview Peter Michaeli : Kreissportvorsitzender Peter Michaeli: „Der Sport liegt derzeit brach“

Wieder ist es in den Sportstätten still. Der Lockdown light verbietet jeglichen Kontaktsport: wieder kein Training, wieder keine Spiele und Wettkämpfe. Wir haben uns mit dem Kreissportvorsitzenden Peter Michaeli über Corona, Ehrenamtliche Arbeit und Vereinsmitglieder unterhalten.

Schon seit 1982 ist Peter Michaeli ehrenamtlich tätig. Vor 22 Jahren wurde er zum Kreissportvorsitzenden gewählt. Als Bindeglied zu den Vereinen, zur Politik und zur Öffentlichkeit repräsentiert er den Sport im Eifelkreis Bitburg-Prüm und weiß als Vereinsvorsitzender der DJK Irrel, mit welchen Problemen Sportvereine zu kämpfen haben.

Herr Michaeli, lassen sich Veränderungen im Sport beobachten?

Peter Michaeli: Von Beginn meiner Tätigkeit bis heute, das darf man insgesamt feststellen, hat sich im Sport schon sehr viel verändert. Man muss leider feststellen, dass sich die Bereitschaft, ein Ehrenamt auszuüben, leicht gesunken ist. Es gibt  hier, wenn wir dann bereitwillige Menschen finden, die ehrenamtlich mitarbeiten wollen, gute Fortbildungsmöglichkeiten über den Sportbund Rheinland und über die Fachverbände. Wir wissen, dass gerade bei jüngeren Menschen das Ausüben einer ehrenamtlichen Tätigkeit sehr viel bringt. Gerade im Sport: Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen oder auch das Gewinnen und Verlieren müssen wir lernen, das wird uns nicht in die Wiege gelegt. Der Sport leistet bei uns einen erheblichen und nicht bezahlbaren Beitrag zum Gemeinwohl. Ich denke, wenn unsere Gesellschaft so intakt bleiben soll, wie wir das aus der Vergangenheit kennen, dann sind wir alle in vielerlei Hinsicht gefragt, unseren Beitrag zu leisten. Mit Egoisten am Werk werden wir sozial und gesellschaftlich in eine kalte Zukunft steuern.

Wie wirkt sich Corona auf Sportvereine aus?

Michaeli: Ich hoffe, dass die derzeitige Pandemie dem Sport und der Kultur nicht nachhaltig schadet. Covid-19 ist für die Vereine nicht nur ein finanzielles Problem, sondern es ist auch eine menschlich schmerzhafte Erfahrung, wenn wir sehen, dass Kinder, ältere Menschen oder wer auch immer  auch vom Sport und von der Gesellschaft ferngehalten werden. Das finanzielle, glaube ich, lässt sich, zumindest über einen gewissen Zeitraum, in den meisten Vereinen regeln. Es gibt jedoch ein paar Dinge, die dabei  tatsächlich auch dann funktionieren müssen.
Zum einen die wirklich uneingeschränkte Solidarität der Mitglieder. Wenn die Mitgliedsbeiträge nicht weiter bezahlt werden, weil der Sport ausfällt, Kursgebühren nicht bezahlt werden, aber die Fixkosten weiterlaufen, Versicherungsbeiträge, Mieten und so weiter, dann geht das an die Existenz unserer Vereine. Daher kann ich nur an alle Vereinsmitglieder die Bitte und den Appell richten, dass sie ihrem Verein in dieser schwierigen Zeit die Treue halten und ihre Mitgliedsbeiträge trotz ausgefallenem Sport weiter bezahlen.

Wie wird es nach der Pandemie weitergehen?

Michaeli: Es stellt sich die Frage für den Zeitpunkt nach Corona, wer wird nochmal zum Sport zurückfinden und wer wird dem Sport fernbleiben? Der ein oder andere wird feststellen, dass es auch ohne den Sport ging, man hat vielleicht ein paar Kilo zugenommen und ist nicht mehr so fit wie vorher, aber die Bequemlichkeit hat bei uns Menschen ja auch einen gewissen Stellenwert. Die Erkenntnis, die sich eines Tages hieraus ergibt, hat nicht nur bloße Auswirkungen auf das Vereinsleben, es wird insbesondere für das Freizeitverhalten der betreffenden Personen, ob sie nochmal zum Verein zurückkehren oder nicht, das gilt gerade für Kinder und Jugendliche, Folgen haben.

Wie wichtig ist die Arbeit von Ehrenamtlichen im Sport?

Michaeli: Der Sport ist ja kein loser Zusammenschluss von irgendwelchen Menschen, die Sport treiben wollen. Der Sport ist organisiert. Ein eingetragener Verein ist rechtlich geregelt im BGB und die Vereinsleitung besteht aus dem Vorsitzenden, dem Stellvertreter, Geschäftsführer, Schriftführer und dem Kassenwart. Das sind eigentlich die Verwalter des Vereins. Die wären aber hilflos, wenn sie nicht Übungsleiter und Trainer hätten. Das sind diejenigen, die unmittelbar zu den Mitgliedern Kontakt halten, sie trainieren und so weiter.

Haben alle einen sportlichen Hintergrund? Zum Beispiel Sport studiert?

Michaeli: Nein, das muss man nicht. Das sind ganz normale Arbeitnehmer, die sich idealerweise fortgebildet haben und eine Übungsleiter-Lizenz oder einen Trainerschein besitzen, damit sie auch wissen, wie sie den Sport an den Menschen heranbringen. Es gibt verschiedene Stufen bei der Lizenz: Die erste Stufe ist die Übungsleiter C Ausbildung, Breiten- und Freizeitsport, dann geht es weiter mit der B-Lizenz, das sind dann Fachlizenzen für spezielle Sachen, Fußball oder ähnliches.

Was gefällt Ihnen an der ehrenamtlichen Arbeit?

Michaeli: Man merkt relativ früh, dass man viel bewegen kann und das, was man bewegen kann, ist einfach etwas Gutes und Sinnvolles. Man kann sich selbst verwirklichen und etwas einbringen. Auch wenn es manchmal vom Zeitlichen her sehr ambitioniert ist.