Der Krisenherd kommt nicht zur Ruhe

Der Krisenherd kommt nicht zur Ruhe

Kein Tag ohne schlechte Nachrichten aus der arabischen Welt. Der Prümer Geschichtsverein hat den ehemaligen ARD-Korrespondenten, Nahost-Experten und Buchautor Jörg Armbruster eingeladen, der vor rund 180 Zuhörern den Versuch unternimmt, die Situation in Syrien und den angrenzenden Ländern zu analysieren.

Prüm. Jörg Armbruster ist einer, dem die Zuhörer an den Lippen hängen, wenn er von seiner Zeit als Leiter des ARD-Studios in Kairo und seiner Arbeit als Korrespondent berichtet. Er kann aus erster Hand erzählen: Bis 2013 war er vor Ort, bis heute ist er regelmäßig auch in Israel unterwegs, um Fakten für sein kommendes Buch zu sammeln. Seine Sicht zur Lage im Brennpunkt Nahost und dem Versagen des Westens dort stößt auf großes Interesse. Etwa 180 Zuhörer kommen in die ehemalige Kapelle des Prümer Konvikts.
Dabei zeigt sich, dass die Redezeit zu knapp bemessen ist, um das Geflecht zu entwirren, das zahlreiche Dschihadisten-Milizen, die Killertruppen des so genannten Islamischen Staates (IS), die ebenso wenig zimperlichen syrischen Regierungstruppen und die brandgefährlichen Interventionen der Weltmächte USA und Russland in der krisengeschüttelten Region verursacht haben. "Es tobt dort ein Stellvertreterkrieg", sagt Armbruster und erläutert, welche Ziele auch die Anrainerstaaten, wie der Iran, die Türkei und das ebenso in die Kampfhandlungen verwickelte Saudi-Arabien verfolgen.
Besonders der türkische Staat spiele eine zwielichtige Rolle in dem blutigen Konflikt, der seit mehr als fünf Jahren tobt. "Die Türkei hat sicherlich zu einem Erstarken der Schreckensherrschaft des IS beigetragen", sagt Armbruster. Ölgeschäfte, Waffenlieferungen und selbst die medizinische Versorgung verletzter Dschihadisten habe es - obwohl das die Türkei stets verneine - vermutlich sehr wohl gegeben. "Und ich glaube nicht daran, dass die westlichen Geheimdienste nichts davon gewusst haben." Er benennt Saudi-Arabien als Geldgeber des IS, der Iran finanziere die Hisbollah-Milizen, die das Assad-Regime bei der Wiedereroberung wichtiger Städte gegen den IS unterstützten. "Allen Kriegsparteien geht es um die Vorherrschaft in der arabischen Welt - das Öl ist ein großes Unglück für die Region und im Kern des Konflikts geht es keineswegs um Religion", sagt er. Die Wurzel allen Übels jedoch sei der Einmarsch der USA im Irak gewesen: "Der Bush-Krieg 2003 war das Dümmste, was die USA jemals unternommen haben - er hat zur Destabilisierung der gesamten Region geführt."
Armbrusters Prognose fällt düster aus: "Die Friedensverhandlungen in Genf werden zu keinem Ergebnis führen, solange sich die Kriegsparteien nicht über die Person Assad und ihre weitere Rolle einigen können." Mit allen Mitteln werde der syrische Präsident versuchen, an der Macht zu bleiben - "jedoch ist das Assad-System nicht reformierbar". Es sei absehbar, dass die Zeit des IS sich allmählich dem Ende zuneige. "Doch die Terrorgefahr bleibt - und je mehr der IS in Bedrängnis gerät, desto brutaler werden die Mittel, zu denen er greift."
Keine guten Aussichten - findet auch Besucherin Birgit Palzer-Rollinger aus Trier: "Die Situation in Nahost halte ich für sehr bedenklich. Jörg Armbruster hat die Rollen der Konfliktparteien und auch die Konsequenzen, die für Israel daraus entstehen, klar dargestellt." now

Mehr von Volksfreund