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Der Kunde ist König, aber selten Amerikaner

Der Kunde ist König, aber selten Amerikaner

Während der Stadtrat Speicher heute über die Umsetzung des Einzelhandelskonzepts diskutiert, stellen einige Händler vor Ort die Ergebnisse der Studie infrage. In dem Konzept wird insbesondere wegen der Nähe zur Airbase Spangdahlem und den vielen potenziellen amerkanischen Kunden von einem höheren Bedarf an Geschäften ausgegangen. Die Speicherer Händler bezweifeln dies.

Speicher. Rund 6000 US-Amerikaner wohnen in der Verbandsgemeinde Speicher. Die Wahrscheinlichkeit, einen davon im Geschäft von Ursula Winzen zu treffen, ist äußerst gering. Winzen betreibt das Modegeschäft Fashion Point am Markt in Speicher. Die Frage, wie viele Amerikaner pro Jahr in ihrem Laden etwas einkaufen, kann sie nicht ganz genau beantworten. Doch ob es nun zwei oder drei pro Jahr sind, spielt für sie nicht die entscheidende Rolle. Oder anders ausgedrückt: Ihr Umsatz steht in keinem spürbaren Zusammenhang mit der Kaufkraft der Amerikaner. Und im Geschäft um die Ecke ist das ähnlich.
Händler: falsche Zahlen



Dort betreibt Martin Mertes den Zingen Fachmarkt. Von der Kaffeekanne bis zum Profiwerkzeug gibt es hier alles zu kaufen, und wer das Geschäft betritt, tut dies in der Regel nicht zum ersten Mal. "Hier gibt es null Laufkundschaft", sagt Mertes und verweist auf einen festen Kundenstamm. Einen Kundenstamm, in dem es so gut wie keinen einzigen Amerikaner gibt. Und auch in die Bäckerei von Josef Berrens verirren sich die auf der Airbase Spangdahlem stationierten Amerikaner nur selten. Warum auch? "Die bekommen doch auf der Base alles billiger", sagt Berrens.
Dass dem so ist, ist für Mertes und Berrens aber nicht das Problem. Vielmehr ärgern sie sich darüber, dass das Einzelhandels- und Zentrenkonzept für die Stadt Speicher, das vor einigen Monaten vorgestellt wurde und als Entscheidungsgrundlage für die weitere innerörtliche Entwicklung dienen soll (der TV berichtete), eine weitaus größere Kaufbereitschaft der Amerikaner voraussetzt.
So werden die 6000 Amerikaner in dieser Studie zu 50 Prozent angerechnet. Das heißt: Zu den knapp 8000 Einwohnern der Verbandsgemeinde (VG) Speicher kommen als Kundschaft dann noch 3000 Amerikaner hinzu. Demnach wären rund 27 Prozent der Kunden aus der VG Speicher Amerikaner. Kein Wunder also, dass Unternehmer wie Berrens und Mertes mit Blick auf die Zusammensetzung ihrer Kundschaft die Aussagekraft dieser Studie, die von einem Bitburger Planungsbüro erstellt wurde, in frage stellen. Für sie dient die Studie in erster Linie dazu, um die geplante Ansiedlung von neuen Geschäften auf dem ehemaligen Plewa-Gelände (siehe Extra) zu rechtfertigen. "Wenn jemand dort investieren möchte, soll er das tun", sagt Mertes. Dass aber die Ansiedlung von Konkurrenz für die Innenstadthändler von der Politik auch noch gewollt sei, dafür habe er kein Verständnis.
Für Edmund Weimann von der VG-Verwaltung ist das nicht nachvollziehbar. "Ich halte die Zahlen der Studie für absolut seriös", sagt er. Schließlich berücksichtige das Konzept Speicher in seiner Funktion als Grundzentrum, also als einen Ort, in dem es vor allem darum gehe, die Waren des täglichen Bedarfs zur Verfügung zu stellen. Und auch darum, ein weiteres Abwandern von Kunden in Richtung Schweich oder Bitburg zu verhindern.
Auch wenn die Amerikaner nur selten eines der zahlreichen Fachgeschäfte in Speicher aufsuchten, so seien sie in den beiden am Ortsrand ansässigen Discounter-Filialen von Aldi und Rewe durchaus sehr oft anzutreffen, sagt Weimann. Darüber hinaus reiche das Einzugsgebiet des Töpfer-Städtchens über die Grenzen der Verbandsgemeinde hinaus, so dass das tatsächliche Versorgungsgebiet 18 000 Menschen umfasse. Eine Ansiedlung weiterer Geschäfte sei demnach nicht nur zu verkraften, sondern auch nötig.Extra

Ex-Plewa-Gelände: Seitens der Verbandsgemeinde gibt schon seit längerem Gespräche mit einem Investor aus Süddeutschland, der auf dem zwei Hektar großen Gelände der ehemaligen Schornstein-Fabrik, das unmittelbar an das Stadtzentrum grenzt, Fachmärkte errichten will. Ob es letztlich dazu kommen wird und welches Sortiment dann dort im Angebot sein wird, ist derzeit noch offen. Um jedoch die Grundvoraussetzungen zu schaffen, soll in der heutigen Stadtratssitzung (um 18 Uhr im Rathaus) die Umsetzung des Einzelhandelskonzepts beschlossen werden. Im nächsten Schritt steht dann die Erstellung eines Bebauungsplans für das Areal an, damit der Investor mit den konkreten Planungen beginnen kann. uhe