Der langsame Weg ins schnellere Netz

Der langsame Weg ins schnellere Netz

Die Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll hat ihre Bürgerbefragung zum Thema "schnelles Internet" (der TV berichtete) ausgewertet. Ergebnis: In einigen Dörfern könnte sich die Investition für die Kommunikations-Unternehmen lohnen, andernorts muss mit Fördergeld nachgeholfen werden - sofern überhaupt ein Anbieter auf den Plan tritt.

Jünkerath. Schnellere Internetanschlüsse für die privaten Haushalte und die Unternehmen im Oberen Kylltal: Zu diesem Thema hat die VG vor einigen Wochen eine Umfrage in sieben bislang unterversorgten Dörfern vorgenommen. Die Kommune wollte erfahren, wie viele Kunden sich eine bessere Versorgung wünschen und dann interessierten Dienstleistern verlässliche Kalkulationszahlen liefern.

Fragebögen zeigen Bedarf auf



Inzwischen sind die Fragebögen im Jünkerather Rathaus angekommen: So hätten in Birgel rund 110 Haushalte geantwortet, 105 davon meldeten Bedarf, berichtet Ingo Klinkhammer, der VG-Ansprechpartner für Gemeinden und Kommunikations-Unternehmen. Ähnlich sehe es in Lissendorf aus, von dort kamen mehr als 200 Anfragen.

Ein anderes Bild ergibt sich in Feusdorf: Nur 53 Haushalte bekundeten Bedarf. In Stadtkyll, dem zweitgrößten Ort der Verbandsgemeinde, waren es nur 77. Zwar besteht dort in weiten Teilen eine recht schnelle Netzverbindung, aber das Neubaugebiet außerhalb des Dorfkerns ist abgehängt -und weitgehend von dort seien auch die Anfragen gekommen, sagt Ingo Klinkhammer.

Die VG hat die Bedarfsmeldungen, nach Dörfern sortiert, auf der Seite " www.breitband-initiative-rlp.de"; eingestellt, der Netzplattform für die sogenannte Breitbandinitiative des Wirtschaftsministeriums in Mainz: Dort können sich nun mögliche Dienstleister alle Gemeinden und die Umfrage-Ergebnisse anschauen und dann ein Angebot einreichen -allerdings nur noch bis zum 31. Mai.

Bisher aber, sagt Ingo Klinkhammer, habe sich noch kein Anbieter gemeldet. Dabei könne sich das Geschäft auch bei geringeren Kundenzahlen lohnen: Das Landes-Wirtschaftsministerium stellt pro Gemeinde eine Förderung in Aussicht, die im Höchstfall 200 000 Euro beträgt. Bürgermeisterin Diane Schmitz setzt unterdessen noch auf eine zweite Möglichkeit: "Ich hoffe jetzt vor allem noch auf die sogenannte Digitale Dividende", sagt sie zum TV. Dabei handelt es sich um die derzeit laufende Versteigerung der Frequenzen, die bislang von Fernsehen und Radio belegt waren (siehe Extra).Extra Mit ihrem Förderprogramm für den ländlichen Raum will die Landesregierung überall dort finanziell nachhelfen, wo die Kommunikationsunternehmen aufgrund mangelnder Kundenzahlen keinen Gewinn machen können. Dafür stellt das Land bis 2012 insgesamt fast zehn Millionen Euro bereit. Viele hoffen jedoch auf die sogenannte Digitale Dividende: Weil Fernsehen und Radio zur digitalen Übertragung wechseln, werden die bislang belegten Frequenzbänder frei und können fürs Internet nutzbar gemacht werden. Die Versteigerung dieser Frequenzen, angeboten von der Bundesnetzagentur, läuft seit April. An den Zuschlag ist eine Bedingung geknüpft: Die Anbieter müssen dann die unterversorgten Landstriche bevorzugt mit Internetzugängen ausrüsten. (fpl)

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