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Der Mann an der Seite von Kunigunde

Der Mann an der Seite von Kunigunde

Bitburg feiert die erste urkundliche Erwähnung der Stadt vor 1300 Jahren. Der Volksfreund stellt in einer Serie 13 Persönlichkeiten aus 13 Jahrhunderten vor. Heute geht es um Wigerich, den einstigen Grafen des Bidgaus. Zeitreise zurück ins 9. und 10. Jahrhundert.

Allzu viel ist von Wigerich, dem einstigen Grafen des Bidgaus, nicht überliefert. Seine Grafschaft erstreckte sich über das Gebiet der ehemaligen Verbandsgemeinden Bitburg-Land und Irrel. Was man aber weiß, ist, dass er nicht nur Gründer der nach ihm benannten Adelsfamilie war, sondern insgesamt eine recht interessante Verwandt- und Bekanntschaft hatte.
Besonders lange war sein Ururenkel Papst Stephan IX. nicht im Amt. Gerade einmal sieben Monate und 26 Tage. Auf der Liste der herausragenden Kirchenoberhäupter spielt er wie seine deutschen Vorgänger und Nachfolger deshalb keine herausragende Rolle. Immerhin aber stammt sein Großvater aus dem Bitburger Land. Und welcher Bitburger kann umgekehrt heute schon von sich behaupten, einen Papst als Enkel zu haben?
Gottfried, bis zu seinem Tod Graf im Bidgau, hätte das behaupten können. Wenn er es denn miterlebt hätte. Doch als sein Enkel Friedrich von Lothringen zum Papst ernannt wurde, lag Gottfried schon mehr als 100 Jahre unter der Erde. Seinen Enkel hat er nie kennen gelernt. Genauso wenig wie seinen Opa Wigerich. Denn der starb im ersten Quartal des 10. Jahrhunderts und damit einige Jahre vor Gottfrieds Geburt. Wann genau, ist unklar.
Was man aber aus heutiger Sicht mit Gewissheit sagen kann, ist, dass Wigerich, der wahrscheinlich um 870 geboren wurde, ebenfalls Graf im Bidgau war.
Und dass unter seinen Nachfahren nicht nur ein relativ unbekannter Papst, sondern auch ein sehr bekannter Luxemburger war. Genau genommen der Ur-Luxemburger schlechthin, nämlich Siegfried I, der als Gründer des kleinen Nachbarlands gilt.
Die Wiege Luxemburgs liegt also in Bitburg. Was die Wiege betrifft, in der Wigerich als Baby gelegen hat, so weiß man darüber recht wenig. Sowohl der Geburtsort als auch das Geburtsjahr sind unbekannt.
1300 Jahre Bitburg


Es gibt nur wenige urkundliche Erwähnungen, in denen Wigerich auftaucht. Eine Urkunde, die von Ludwig dem Kind im Jahr 902 ausgestellt wurde, bestätigt Wigerich sogar eine gräfliche Befugnis über die Stadt Trier. Graf im Bidgau dürfte er spätestens in den Jahren 903/904 geworden sein, wie aus einer weiteren Schenkungsurkunde an das Kloster in Echternach hervorgeht.
Ansonsten ist nicht viel über Wigerich und seine Beziehung zu Bitburg bekannt. Dafür aber etwas mehr über eine andere Beziehung. Nämlich der zu seiner Frau Kunigunde. Diese hat nicht nur (wahrscheinlich) den bereits erwähnten Siegfried, den Gründer Luxemburgs, zur Welt gebracht, sondern stammte darüber hinaus auch noch aus einem königlichen Geschlecht. Kunigunde war die Nichte des Karolingerkönigs Karl der Einfältige. Es ist davon auszugehen, dass der Bidgaugraf und spätere Pfalzgraf durch diese Heirat in der Gunst des Königs Karl der Einfältige gestiegen ist. So bestätigt eine Urkunde, die zwischen 911 und 915 verfasst wurde, die Übertragung des Orts Hastière an der Maas (im heutigen Belgien) an Wigerich. Und dort soll er auch begraben worden sein. In welchem Jahr, das ist wie so vieles im Lebenslauf von Wigerich ein Geheimnis. Mit Sicherheit sagen lässt sich nur, dass es vor 922 gewesen sein muss. Unterm Strich dürfte er also um die 50 Jahre alt geworden sein - für die damalige Zeit ein recht stolzes Alter.
Uwe Hentschel