Der Mann in der Mitte

PRÜM. Hauptsache, man bleibt im Gespräch: Seit zehn Jahren ist der frühere Polizeibeamte Helmut Büsch aus Prüm ehrenamtlicher Patientenfürsprecher im St. Josef-Krankenhaus.

"Wie ich zu dem Job gekommen bin? Wie die berühmte Jungfrau zum Kind", erzählt Helmut Büsch im Gespräch mit dem TV. Zwei Jahre lang sei der ehrenamtliche und per Landesgesetz vorgeschriebene Posten im Prümer Krankenhaus damals unbesetzt gewesen. Verwaltungsrat, Kirchen, Stadt, Verbandsgemeinde (VG) - alle hätten händeringend nach einem Patientenfürsprecher gesucht. "Und auf einmal kam der Erste VG-Beigeordnete Rudi Schmitz auf mich zu und sagte: ,Wir haben beschlossen, dich zu fragen.' Weil ich ja bei der Polizei war und deshalb den Umgang mit Menschen gewohnt sei." Helmut Büsch ließ sich darauf ein - und aus dem Ermittler wurde sozusagen ein Vermittler. Auch das mit Erfolg: Inzwischen ist er zweimal im Amt bestätigt worden. "Weil er von Anfang an vorbildlich zum Wohle unserer Patienten gearbeitet hat", sagt der Kaufmännische Direktor von St. Josef, Walter Minkenberg. "Weil er das Sachliche vom Emotionalen trennen kann", ergänzt Pflegedienst-Leiter Leo Leyens. "Weil er ein ruhiger, seriöser Mann ist. Und zuverlässig wie eine Schweizer Uhr." Wie tickt der Mann? "Der Tenor ist, zu vermitteln zwischen Patient und Verwaltung", sagt Büsch. Dabei erledige er "die kleinen Sachen" immer selbst, etwa wenn es um die Verpflegung gehe oder um die Unterbringung. "Im Gespräch geht das meistens, da wird oft schon der Wind aus den Segeln genommen", sagt der 66-Jährige. Wenn ein Patient das wünscht, wird seine Beschwerde selbstverständlich anonym behandelt. Das Krankenhaus gehe zudem ohnehin mit allen kleinen und großen Problemen sehr gründlich um - "und wir haben auch immer alles in den Griff gekriegt". Büsch dokumentiert alle Vorgänge in seinem jährlichen Bericht ans Sozialministerium. Auch seltsame Beschwerden gehören dazu: Er berichtet von einer Eifel-unerfahrenen Städterin, die zusammen mit einer Oma auf dem Zimmer lag. "Und die bekam, wie das hier eben so ist, viel Besuch von Familie und Bekannten." Darüber habe sich die jüngere Dame dann beschwert: "Erstens, weil so viel Besuch kam. Und zweitens, weil sie das Eifeler Platt nicht verstand."Das Schwätzchen gehört einfach mit dazu

Eine andere Patientin, erzählt er, "hat gemeint, sie käme hier ins Hotel. Da musste das Haus den roten Teppich ausrollen. Ich habe mich darum gekümmert und ihr gesagt, dass sie zum Beispiel durch eine Zuzahlung ein Einzelzimmer bekommen könne. Und das war's dann auch: Die ist am nächsten Tag wieder abgezogen." Kurz: ein unheilbarer Fall. "Was soll man machen", sagt Büsch. "Da rege ich mich nicht drüber auf." Denn er hat auf der anderen Seite viel zu viel Freude an seiner Arbeit: "Ich gehe gern da rauf, ich hab's ja auch nicht weit von zu Hause. Ich laufe zu Fuß durch den Wald, in fünf Minuten bin ich da." Ein Schwätzchen kommt dann fast immer zustande, auch wenn es dabei nicht unbedingt um Krankenhausfragen oder Beschwerden gehen muss: "Ich kenne halt viele Leute. Die setzen sich dann einfach zu mir." Hat er schon einmal daran gedacht, das Amt dranzugeben? "Von mir aus nicht. Wenn der Verwaltungsrat mir aber sagt, ,wir haben einen Neuen', dann muss ich mich natürlich damit abfinden." Von wegen, sagt Leo Leyens: "Dafür macht er das viel zu gut." Helmut Büsch hat jeden Mittwoch von 17 Uhr bis 18.30 Uhr Sprechstunde. Meistens findet man ihn in der Empfangshalle. Ansonsten: "Die Pforte weiß immer, wo ich bin."