Der Mann mit der Schelle

KYLLBURGWEILER. Seit vier Jahrzehnten im Dienste der Bürger: Nikolaus Schwinnen wurde für seine langjährige Tätigkeit als Gemeindediener geehrt.

"Be-kannt-mach-ung", erschallte der laute Ruf von Nikolaus Schwinnen, wenn er sonntäglich "Auf dem Boor" stand und mit der großen Schelle die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich lenkte. Dort hatte der Gemeindediener jeden Sonntag die neuesten Bekanntmachungen zu verkünden. Elektronische Nachrichtenmedien gab es vor 40 Jahren noch nicht, und das "Amtsblättchen" heutiger Tage war auch noch nicht erfunden. "Gleichwohl mussten die Bürger über alles Wichtige informiert werden", erinnert sich Nikolaus Schwinnen an die Anfangsjahre seiner Arbeit als Gemeindediener. Hand in Hand arbeitete der Kyllburgerweiler mit dem damaligen Ortsbürgermeister Heinrich Schon. Und so stand er jeden Sonntag bereit, um nach der Messe die amtlichen Bekanntmachungen unters Volk zu bringen. Damals war noch jeden Sonntag Gottesdienst, und aus allen Häusern waren die Menschen dort vertreten. Deshalb waren Ort und Zeitpunkt der Bekanntmachungen bewusst so gewählt. "Aber es kamen auch häufiger Eilmeldungen, die dann sofort verkündet werden mussten", erzählt Schwinnen aus 40 bewegten Jahren. Dann nahm er seine Schelle in die Hand und marschierte los. Durch die Straßen des Ortes, von Ecke zu Ecke - alle Dorfbewohner mussten es mitbekommen.Per Pedes zur Amtsstube nach Kyllburg

Zu Fuß sei er damals zur Amtsmeisterei nach Kyllburg marschiert, um die Papiere für die Bekanntmachungen in Empfang zu nehmen. "Jeden Freitag habe ich dann auch die Männer aus den anderen Dörfern dort getroffen. Oft mussten wir noch warten, weil Bürgermeister Schuster noch nicht alles unterschrieben hatte. Dann wurde erzählt und spekuliert, was so alles passierte. So erfuhren wir auch, was auf den anderen Dörfern los war. Es war eine ganz andere, ruhigere Zeit als heute, an die ich mich gerne zurück erinnere", schwelgt Nikolaus Schwinnen in Erinnerungen. "Zu meinen Aufgaben gehörten auch die Viehzählungen. Damals gab es noch Vieh in jedem Stall, und wir alle haben fast ausschließlich von der Landwirtschaft gelebt", erzählt der 74-jährige Junggeselle. Wenn Viehimpfungen anstanden, war es immer Schwinnen Klaus, der mit dem Tierarzt von Stall zu Stall marschierte und den Überblick über das Dorfgeschehen hatte. "Heute warten jeden Mittwochabend die Menschen in Kyllburgweiler, dass du ihnen das Amtsblättchen nach Hause bringst. So kennen wir dich seit nunmehr 40 Jahren als einen treuen und pflichtbewussten, zudem frohen Menschen, dem heute unser aller Dank gebührt", würdigte nun Ortsbürgermeister Peter Simon in einer Feierstunde die Arbeit von Schwinnen. Auch in Zukunft will Nikolaus Schwinnen weiterhin das ehrenvolle Amt als Gemeindediener wahrnehmen. Auch wenn sich die Zeiten gewandelt haben. Die Schelle braucht er in Zeiten von Tageszeitung, Internet und Fernsehen nicht mehr, dafür kümmert er sich aber auch um anderes wie Sauberkeit und Ordnung auf dem Spielplatz und an der Buswartehalle.

Mehr von Volksfreund