Der neue Chef der Polizeiinspektion Prüm

Polizei : Von der Tiefebene auf die Eifelhöhen

Georg Bührmann ist der neue Chef der Polizeiinspektion Prüm. Der TV hat sich mit dem 54-Jährigen zur Vernehmung getroffen.

„Danichfür“, sagt Georg Bührmann am Ende eines Telefonats, der Reporter hat ihm gerade für einen Hinweis gedankt. „Danichfür“ – keine Ursache, gern geschehen, da schimmert die norddeutsche Herkunft des 54-Jährigen durch. Und es deutet darauf hin, dass er nicht gern viel Gedöns macht.

„Ich bin geboren und aufgewachsen in der norddeutschen Tiefebene“, sagt er. In einem Dörfchen mit 600 Einwohnern, Landkreis Cloppenburg, fast ganz oben links auf der Deutschlandkarte. Die Eifel ist insofern nichts völlig Neues für den Familienvater mit drei Söhnen. Oder, wie er es ausdrückt: „Die ländlichen Strukturen sind mir durchaus bekannt.“

Und die offenbar ähnlichen Charakterzüge zwischen den Tiefebenenbewohnern und den Mittelgebirglern: „Wenn man sich miteinander unterhält, kommt man gleich zu Potte. Was mir übrigens sehr entgegen kommt: Das offene Wort, ohne Taktieren“, sagt Bührmann. „Wenn man aus seinem Herzen keine Mördergrube macht.“

Den Mörder-Gag, der sich hier aufdrängt, lassen wir schön sausen und fragen lieber, wie der Norddeutsche zur rheinland-pfälzischen Polizei kam. Nämlich so: Der junge Georg Bührmann besuchte das Gymnasium in Cloppenburg, ging zur Bundeswehr, verpflichtete sich und wurde Fallschirmjäger. Dann hörte er, dass das Land im Südwesten Polizisten suche. „Im zarten Alter von 26 Jahren hab ich mich dann bei der Polizei Rheinland-Pfalz beworben“, sagt er. „Und bin seitdem dabei.“

Seine Stationen: Schifferstadt, Wittlich-Wengerohr, Mainz, Koblenz, Flughafen Hahn. „Und nach der WM 2006 wurde ich versetzt in den Bezirk des Präsidiums Trier.“ Genauer: Wittlich, dort war er seit 2015 stellvertretender Dienststellenleiter. Und jetzt Prüm, mitten in der Eifel, „eine wunderschöne Region“, sagt Bührmann.

Seit gut zwei Wochen leitet der lange, schmale Mann – er treibe „ein bisschen Sport“, sagt er – die Polizeiinspektion Prüm. Und hat bereits herausgefunden, dass es sich dabei „um eine gut organisierte Dienststelle handelt, die sich durch motivierte Mitarbeiter auszeichnet“, alles Kollegen, „die sich über das zu Erwartende in den Dienst einbringen“. Die werden das gern lesen, zumal ihr neuer Chef gleich hinzufügt, „dass ich mich auf die nächsten Jahre freue“.

Was hat ihn dazu gebracht, sich um die Nachfolge von Christoph Cremer zu bewerben? „Die Aufgabe, eine Dienststelle eigenständig leiten zu dürfen.“ Und zwar die zweitgrößte im Land, was die Fläche betrifft, nach der Inspektion Bitburg (siehe Info).

Aber auch wenn der große Mann lange Schritte macht: Durchmessen hat er seinen neuen Bezirk noch nicht. Das seien ja, wie er gehört habe, „von einem Ende zum anderen rund 85 Kilometer. Insofern ist mir das tatsächlich noch nicht gelungen. Aber das steht auf meinem Plan.“

Vielleicht nicht alles zu Fuß, auch wenn das zu seinen liebsten Beschäftigungen zählt: „Ich mache auch Trekking“, sagt er, die letzten beiden Male in Kanada und Norwegen mit Familie: „Rucksack, Zelt, Trockennahrung – und sich dann durch die Büsche schlagen“.

In der Stadt hat er sich vorige Woche erst einmal zum Prümer Sommer gepirscht und das letzte Konzert für dieses Jahr miterlebt: „Eine schöne Veranstaltung.“ Überhaupt: „Wir haben eine schöne Stadt“, sagt Bührmann, und man registriert erfreut, dass er schon das „Wir“ verwendet. Prüm habe zudem so viel Geschichte und historische Gebäude, alles Dinge, mit denen die Stadt wuchern könne.

Eine der anstehenden Herausforderungen hat weniger mit der Region als mit der allgemein hohen und häufig beklagten Belastung der Beamten zu tun: GAP – das Kürzel steht für „gesünderes Arbeiten der Polizei“, die Gewerkschaft ringt derzeit mit der Landesregierung um ein besseres Arbeitszeitmodell, das die Beamten von allzu viel Stress befreien soll.

Aber ist das überhaupt zu schaffen, ohne zusätzliche Beamte? Bührmann zögert zwei Sekunden und sagt dann entschlossen: „Ja.“ Und weil er natürlich registriert hat, dass sein Zögern bemerkt wurde, sagt er es noch einmal mit Nachdruck: „Ja, das kann man schaffen.“ Aber eben nur im Miteinander: „Der Leiter einer PI ist nichts ohne seine Mitarbeiter.“ Das ist seine Überzeugung.

Als Norddeutscher, der es beruflich einmal quer vom Südosten bis zum Nordwesten durch Rheinland-Pfalz geschafft hat, sind ihm übrigens die Dialekte des Landes vertraut.

Auch der, den er zwischen Dasburg und Jünkerath, Lasel und Bleialf, Winterspelt und Prüm zu hören bekommt. Die Eifeler verstehe er, sagt Georg Bührmann, der selbst Platt schnacken kann. Aber hier verkneift er sich das. Und den Eifeler Dialekt nachzumachen, kommt nicht in Frage: „Das wäre nicht so gut. Und nicht authentisch.“

Gute Einstellung, klare Worte, angenehmes Gespräch, danke – und, klar: danichfür.