Der neue Schulmeister von Schüller - Alte Schule soll Kulturhaus werden

Der neue Schulmeister von Schüller - Alte Schule soll Kulturhaus werden

Schüller: Wenn man eine Zeit lang mit Florin Negreanu gesprochen hat, will man sich schon beinah in einen Geigenkurs einschreiben - er hat einfach diese ansteckende Art. Und viel Zuversicht.

Die braucht er derzeit auch in der alten Schule von Schüller. Die will der 37-jährige, in Rumänien geborene und meist in den Niederlanden lebende Geiger und Bratschist nämlich umbauen - in ein Kulturhaus, wie er es nennt. Nicht Kulturzentrum - "wir sind nicht so groß", sagt er. Höchstens "ein bisschen kuu-kuu". Denn es sei für ihn immer noch "ein gigantisches Projekt."
Kuu-kuu? Heißt so viel wie bekloppt. Ist er natürlich nicht. Leidenschaftlich? Bestimmt. Und von großer Ausdauer, denn sonst wäre er längst verzweifelt über den Umbau der alten Schule. Wie viel Arbeit das ist, zeigt sich beim Besuch im Gebäude. Außen ist er bereits fertig - Putz und Farbe, Fenster, das Dach mit Schiefer eingedeckt.
"Ich hab die Schule noch nie so schön gesehen", sagt Ortsbürgermeister Guido Heinzen. Von außen, wie gesagt. Drinnen sieht es noch nicht so schön aus, es ist noch irre viel zu machen, vom Keller über die beiden Geschosse bis hinauf in die Mansarde - die sich Negreanu für seine Familie einrichten will. Alles werde neu gemacht, sagt er. Alles? "Alles." Und was noch zu restaurieren sei, werde behalten und aufgemöbelt.
Derzeit ist er wieder im Dorf und steht meistens im Baustaub, gemeinsam mit Freunden und Familie, auch die Eltern helfen mit. Wenn er nicht zwischendurch noch übt - denn das muss auch sein, weil er zur Finanzierung seines Vorhabens jedes Engagement annimmt, das noch irgendwie geht. Und zusätzlich Konzerte in der Gemeinde spielt. Drei hat er bereits gegeben, das nächste steht diese Woche an: am Sonntag, 13. August, lädt er um 17 Uhr in der Schüllerer Kirche zur "Sommerbrise" ein, mit Musik von Bach und Veracini - und gemeinsam mit Sängerin Regina Bullermann-Lentz (Alt), Rob Petri (Bass) und Hendrik Timmerman, dem niederländischen Organisten, der ebenfalls in Schüller lebt.
Auch dabei gilt: Eintritt frei, Spenden wären schön - wobei er die Einnahmen auch schon mal der Gemeinde gibt, zur Erhaltung der Kirche.
Im Dorf stehen viele hinter ihm: Nachbarin Katharina Schippers hilft Negreanu, wo sie kann, stellt Kontakte her und wirbt für die Konzerte.
Oder Gemeindechef Guido Heinzen: "Ich unterstütze ihn hinten und vorne", sagt er. Viele hätten anfangs geschmunzelt, als sie von Negreanus Plänen hörten. Dabei sei das für Schüller doch ein Gewinn.
Wie kam Negreanu überhaupt in die Eifel? Ganz einfach: Wie nahezu jeder gestandene Niederländer, selbst wenn er gebürtiger Rumäne ist: "Ich habe vor sieben Jahren mit meiner Frau und meiner Tochter im Landal-Park in Stadtkyll eine Woche Ferien gemacht." Das gefiel ihnen so gut, dass sie sich in der Umgebung von Stadtkyll nach Häusern umzuschauen begannen, die zum Verkauf standen.
Vor fünfeinhalb Jahren dann erwarben sie die Schule in Schüller. Billig - aber dafür wird jetzt kräftig investiert. Negreanu schätzt, dass es am Ende an die 400 000 Euro sein dürften. Am Ende - wann wird das sein? Er hofft darauf, im nächsten Jahr die ersten Kurse und Seminare anbieten zu können. Lehrer und Interessenten gebe es schon. Ja, das sei ein großes Risiko. "Aber ich hoffe, dass auch in der Eifel Leute Interesse daran haben werden."
Später soll es dann im großen Hof hinter der Schule auch Konzerte geben. Er könne sich da noch vieles mehr vorstellen, sagt Florin Negreanu - Lesungen mit Musik, neben der Klassik auch Popkonzerte, "Picknick-Opern" und auch Seminare zum Geigenbau - den Beruf lernt er derzeit nebenbei auch noch.
Auch wenn er noch ein bisschen länger brauchen wird, bis wirklich alles fertig ist: "Für mich ist das ein Traum. Ich wollte schon immer meine eigene Schule haben", sagt er. Allerdings stellt er auch klar: "Das ist nicht nur für mich. Ich will wirklich etwas für alle machen." Und so wie es derzeit laufe, mache ihn das richtig glücklich.
"Es ist viel Arbeit", sagt Florin Negreanu. "Aber ich bin ja noch nicht so alt." Da hat er recht, der Glückliche.