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Der Prinz, dem alle Herzen zufliegen

Der Prinz, dem alle Herzen zufliegen

Ein Regent kommt heim: 500 Jecken aus nahezu der ganzen Eifel haben am Donnerstag dem Kölner Dreigestirn mit Prinz Ralf III. an der Spitze einen herzlichen Empfang bereitet. Die Tennishalle im Stadtkyller Wirfttal stand kopf.

Stadtkyll. "Das ist ein einmaliges Erlebnis. Ein Karnevalist in der Eifel hat heute hier zu sein", sagt Martin Dederichs, Chef der Kylltalnarren in Jünkerath. Und Mit-Narr Dieter Klaus macht es noch ein bisschen deutlicher: "Wer heute nicht da ist, muss blöd sein."Die Jünkerather, nicht blöd, sind stark vertreten. Und mit ihnen, so könnte man glauben, auch alle anderen: Fast die ganze Eifel zeigt Flagge für "ihren" Prinzen Ralf, den Stadtkyller Jungen, der längst in Köln zu Hause ist. Fest im Stadtkyller "Gürzenich"

Und dann - nach einer mild beklatschten, sagen wir: teilwitzigen Nummer von "Labbes und Drickes" - sind sie auch schon da, fast pünktlich, wie Stadtkylls Karnevalsvorsitzende Verena Bernardy strahlend mitteilt: Das Kölner Dreigestirn zieht in die Halle ein, mit kompletter Equipe, angeführt von der Stadtkyller Garde und den Tänzern der Kammerkätzchen und Kammerdiener, die sogar ihre Kindergruppe mitgebracht haben. Und im Saal sind plötzlich nicht 500, sondern 600 Leute. Und die machen richtig Krach - herzlicher dürften Prinz Ralf (Görres), Bauer Dirk Königs und Jungfrau Axel "Katharina" Busse kaum irgendwo empfangen werden. Und viel persönlicher begrüßt wohl auch nicht - das macht, auf Wunsch des Prinzen, dessen Onkel und früherer Stadtkyller Sitzungspräsident Peter Linden, der seinen Heimatort für diesen einen Abend zum "Mittelpunkt der Eifel" erklärt: "Wir haben den Prinzen - das gibt\'s in 1000 Jahren nicht mehr." Der Prinzenonkel erinnert auch an die karnevalistischen Gene seines Neffen und holt die Hauptverantwortliche dafür auf die Bühne: Mutter Anneliese, Ex-Möhne, aber immer noch funkenmariechentauglich. Noch mehr Jubel. Ortsbürgermeister Harald Schmitz übernimmt den sozusagen amtlichen Teil, verteilt Geschenke - und freut sich über die Aufwertung, die sein Dorf durch diesen Prinzen und diesen Besuch erfahre. Dann spricht Ralf III.: "Wir befinden uns hier im ausverkauften Gürzenich von Stadtkyll", ruft er in die Menge, die Menge johlt zurück. Er redet von Respekt und Miteinander, denn "das ist das, wofür wir auch stehen". Dann bringen die drei ihr Lied "Karneval em Bloot", inklusiver flotter Tanzeinlage, die Menge johlt noch mehr, Kammerkätzchen und Kammerdiener verdienen sich weitere Jubelstürme. Nach weit mehr als der eingeplanten Stunde kämpfen sich Dreigestirn und Gefolge wieder nach draußen - die nächsten Termine in Köln warten. Ein toller Auftritt, gewiss einer der längsten während dieser Session. Und ein Dreigestirn, das offensichtlich seine Rolle(n) gefunden hat. In Stadtkyll geht die Party weiter, mit Tänzen, Reden und der Blue Man Group."War dat schön", heißt es in der Halle. Der Prinz, findet dessen alter Freund Georg Hütter, sei trotz Kölner Karriere "immer der Mensch geblieben, den wir so mögen und schätzen". Und auch wenn die Domstädter im nächsten Jahr einen neuen Regenten feiern: Ralf sei nun für immer mit dieser Rolle verbunden. "Und wenn er in zig Jahren irgendwo in der Heimat auftaucht, wird es heißen: ,Dä Prinz kütt!\'"Und der Prinz? Auch wenn er längst ein Kölner geworden sei, sagt er, "es war toll in der Heimat. Hier, wo meine Wurzeln sind und wo ich aufgewachsen bin.""Fantastisch. Ganz fantastisch", schwärmt Jünkeraths Prinzenkollege Johannes Pitzen. Einmalig, "das Kölner Dreigestirn mit einem Stadtkyller Jungen hier zu erleben". So erging es auch Theo Hafner, Prümer Gardist und deutscher Vizepräsident der Europäischen Karnevalsvereinigung: "Ich hab ja nicht nah am Wasser gebaut. Aber das war richtig ergreifend." Ach, schön.Weitere Fotos und Informationen finden Sie unter www.volksfreund.de/fotostrecke und www. volksfreund.de/karnevalMeinung

Mein Prinz? Unser Prinz!Das war vielleicht das Schönste an diesem Abend: Dass es keine Stadtkyller Veranstaltung war, wie man zunächst dachte. Die Jecken kamen aus Winterspelt und Gerolstein, aus Hillesheim und Prüm, aus Niederprüm, Sellerich, Jünkerath, Gönnersdorf, Hallschlag und vielen anderen Orten der Eifel. Sie zeigten Flagge für "ihren" Prinzen. Und Herz. Das hat man nicht oft, gerade im Karneval. Und es ist auch ein Verdienst dieses Dreigestirns: Prinz, Bauer und Jungfrau haben sich auf ihre Fahnen geschrieben, alle zusammenzubringen und niemanden auszuschließen. Da ist dann auch mal eine Reise in die Eifel drin. Dajöhh und - ausnahmsweise: Alaaf. fp.linden@volksfreund.de