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Der Prümer Künstler Manfred Michels und sein neues Buch

Kunst : Prümer Künstler verzaubert Landschaften

Land Art, Eifeler Variante: Der Künstler Manfred Michels zeigt in einem neuen Buch beeindruckende Arbeiten aus Fundstücken.

Blickt man auf das Titelfoto von Manfred Michels‘ neuem Buch, denkt man sofort: Spiral Jetty. Das ist die spiralenförmige Mole, die der amerikanische Künstler Robert Smithson vor 51 Jahren im  Großen Salzsee von Utah aufschütten ließ, aus Salzkristallen, Erde und Basalt.

Smithson, der leider nur drei Jahre später starb, war einer der Pioniere der Land Art, jener Kunstform, die in, mit und aus der Natur Bilder und Skulpturen schafft.

Weitere Beispiele sind der Roden Crater in Arizona, ein erloschener Vulkan, in dem James Turrell eine Lichtskulptur schuf. Oder die riesige, aber unbelebte Stadt (bezeichnender Titel: „City“), an der Michael Heizer seit Jahrzehnten irgendwo im Nirgendwo von Nevada baut.

Und, ganz aktuell: Die Monolithen, die vor wenigen Wochen weltweit aufkreuzten – und inzwischen fast alle wieder verschwunden sind. Urheber: unbekannt. Und einige der später aufgestellten Objekte dürften von nachahmenden Spaßvögeln und -vögelinnen in der Landschaft platziert worden sein.

Humor zeigt auch Manfred Michels in seiner Arbeit, die man allerdings durchaus ernst nehmen sollte. Und er bezieht sich ausdrücklich auf die eingangs genannten Pioniere der Land Art, allerdings arbeitet er wesentlich filigraner – und benötigt keinerlei schweres Gerät.

Michels nimmt einfach das, was er unterwegs findet: Steine, Farn, Gräser, Holz. So hat er eine Kerbe in einem Felsen mit einer Reihe kurzer Zweige versehen. Der Effekt ist groß, das Werk, das wie alle nur in Michels‘ Fotografien überlebt, heißt „Und der Haifisch, der hat …“ Eben: Ein Hai. Mit Zähnen.

So einfach ist das, wenn man drauf kommt. Oder er „schnitzt“ mit den Fingern kurzerhand, aber ebenso effektvoll, ein Gesicht in einem bemoosten Baumstamm.

Der Hai, das Moosgesicht, diverse Spiralen, Sterne, seltsam anmutende Gebilde und Gestalten aus Ästen und Zweigen und viele andere seiner vergänglich-schönen Arbeiten sind jetzt versammelt in einem Buch, das im Conte-Verlag in St. Ingbert erschienen ist: „Saarlandart“ heißt es, und der Titel verweist auf die Region, in der die Bilder entstanden.

 Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Moosgesicht. Ganz einfach, wenn man drauf kommt.
Punkt, Punkt, Komma, Strich – fertig ist das Moosgesicht. Ganz einfach, wenn man drauf kommt. Foto: Manfred Michels

Denn dort wohnt Michels seit einigen Jahren. Geboren wurde er aber 1957 in Prüm, in der Abteistadt hat er die meiste Zeit seines Lebens verbracht und war auch dort schon, wie er sagt, „politisch und künstlerisch aktiv“. Unter anderem in der „PAU“, der Prümer Aktion Umweltschutz, die 1979 gegründet wurde, sich unter anderem schon früh fürs Recycling stark machte und der auch Roland Münz, Gärtnermeister in der Hillstraße, angehörte (der TV berichtete).

Zuletzt übrigens hinterließ Michels eine kreative Spur im Rommersheimer Wald: Vor vier Jahren berichteten wir im TV über seine „Ameisenbrücke“, ein Graffito, das er an einer der dort stehenden Brückenruinen, gebaut einst für die längst verworfene und vergessene Fortsetzung der Bundesstraße 51, mit Sprühfarbe aufgetragen hat.

Wer seine Arbeiten – und die Fotos davon – sieht, will kaum glauben, dass Manfred Michels seit mehr als 30 Jahren infolge einer Netzhauterkrankung stark sehbehindert ist. Die Krankheit zwang ihn damals auch dazu, seine Tätigkeit als Techniker und Fernmeldehandwerker zu beenden: Michels sattelte um auf Klavierstimmer und übte den Beruf bis 2013  vorwiegend in Saarbrücken aus, seiner Wahlheimatstadt.

Inzwischen ist der 63-Jährige pensioniert und macht nur noch Kunst. Wenn sie weiterhin Resultate ergibt wie jetzt in „Saarlandart“ beeindruckend dokumentiert, möchte man noch viel mehr davon sehen.

„Saarlandart“ von Manfred Michels ist erhältlich im Buchhandel. Das Buch hat 80 großformatige, durchgehend bebilderte Seiten und kostet 15 Euro.