Der Quereinsteiger

BITBURG. Seit 25 Jahren ist Matthias Tix Vertragshändler von Toyota. Die außergewöhnliche Karriere begann in einer eifeltypischen Branche und war anfangs geleitet von einer Kette von Zufällen. Mit persönlich geprägter Philosophie führt der gelernte Landhandelskaufmann inzwischen 270 Mitarbeiter und leitet eine Holding.

Als der Sohn eines Viehkaufmanns aus Peffingen nach dem Besuch der Handelsschule 1970 in Irrel seine Lehre als Landhandelskaufmann begann, ahnte er selbst nichts davon, dass er einmal japanische Familien- und Luxuskarossen verkaufen würde statt Futtermittel und Baustoffe. "Mein Vater hatte mir die händlerische Laufbahn nahe gelegt. Ich selbst war eher universell interessiert und hätte alles gleich gut und gern gemacht. In dem Alter ist man eben so offen wie unbedarft", schildert Matthias Tix seinen Start ins Berufsleben, den er schon mit 15 Jahren machte. "Ich habe das Verkaufen damals nicht als Profession gesehen." Zum Autohandel kam der dann 18-Jährige eher "tastend": Er kaufte sein eigenes Auto von Privatleuten und kam durch ein technisches Problem erstmals zu einem kleinen Autohändler. Dort tauschte er das erste Auto gegen ein anderes. Auch beim zweiten Fahrzeug blieben ein Defekt und ein weiterer Tausch nicht aus. Nach erfolgreichem Handeln kaufte Tix auch einmal ein interessantes Auto auf Reserve. Es war damals spannend, ein Fahrzeug anzubieten, da sich auf eine einzige Anzeige im TV fünf bis zehn Interessenten meldeten. "Ein wenig ist auch der TV mitverantwortlich für meinen weiteren Berufsweg. Irgendwann sagte man mir, ich müsse wegen der Anzeigenmenge nicht mehr privat, sondern gewerblich annoncieren." Also meldete Tix das Gewerbe für den KFZ-Handel an. Eine kurze Zeit noch lief seine Arbeit als Landhändler parallel mit dem neuen Geschäftsfeld. "Es fiel mir schwer, mich von meinem Arbeitgeber zu trennen. Der wiederum ließ mich nur ungern gehen." Bald kam zu dem bis dahin reinen Gebrauchtwagenhandel, der von Irrel nach Bitburg expandierte, das Segment Neuwagen. Auch hier wirkte ein Zufall: "Ein Vetter hatte sich einen Toyota gekauft. Da diese Marke in der Eifel noch nicht vertreten war, entschied ich mich dafür." Die Profis in der Deutschland-Zentrale waren sofort überzeugt von dem Markt, den Tix öffnen konnte, und von der Person des neuen Vertragspartners. "Da ich selbst nie in anderen Autohäusern gearbeitet hatte, habe ich die Kundenwünsche nie aus dem Blick verloren, sondern immer von dem aus gedacht, was die Käufer wollen." Ohne autohändlerische "Betriebsblindheit" setzte er aus eigener Erfahrung voll auf eine so intensive Service-Orientierung, wie sie bis dahin in der Region eher ungewöhnlich war. Das Konzept ging auf: Seit 25 Jahren ist Tix einer der verkaufsstärksten Toyota-Händler Deutschlands. Und das in einer ländlichen Umgebung, mit der er eng verwurzelt ist. Was in den 80er- und 90er-Jahren für Gesprächstoff sorgte, lässt ihn heute lächeln: "Es ging etliche Jahre das Gerücht, ich hätte in Wittlich im Knast gesessen und sei Freigänger gewesen." Dabei hatte er nur seinen Wagen mit dem unverwechselbaren Tix-Kennzeichen an einen Rechtsanwalt verkauft, der viel in der Justizvollzugsanstalt zu tun hatte. Zugleich hatte er seine Ehefrau kennen gelernt und war privat von Bitburg nach Kruchten gezogen, so dass er in der Kreisstadt vor allem abends seltener gesehen wurde. "Einen Strafprozess oder eine entsprechende Anklage gegen mich gab es nie", sagt Tix.Ehefrau arbeitet im Betrieb mit

Der intensive persönliche Umgang mit Menschen war und ist das Lebenselixier von Matthias Tix, der bis vor kurzem Tag für Tag als quirliger Chef im Showroom seiner Niederlassung "Auf Merlick" präsent war. "Das geht jetzt leider nicht mehr in dem Maß. In einer Holding habe ich andere Führungsaufgaben als das Verkaufen. Ein so großes Unternehmen braucht zudem eine zweite Managementebene, die nun direkter mit den Mitarbeitern und Kunden zu tun hat." Der Ortswechsel in sein berufliches Domizil auf der Airbase habe ihm einen weniger hektischen Alltag beschert. "Ich habe hier die notwendige Konzentration auf strategische Dinge", beschreibt er die Änderung, die ihn wesentlich bestimmt, denn eine strikte Trennung von Privatem und Beruflichem hat er nicht. Ehefrau Marlene arbeitet in leitender Funktion ebenfalls im Unternehmen. Ob der fast 17-jährige Sohn ins Automobilgeschäft einsteigen wird, ist heute noch unklar. "Aber da man sich rechtzeitig auf die Nachfolgefrage vorbereiten sollte, sind entsprechende Überlegungen schon formuliert." Was für den Geschäftsmann mit Leib und Seele allerdings kein Rückzug ist: "Ich bin so lange mit voller Kraft dabei, wie es irgend geht."