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Der Rat der Stadt Prüm beschließt Ausgaben in Millionenhöhe

Kommunen : Advent, Advent, die Sache drängt

Stadtrat in Spendierlaune: Die Fraktionen legen den Prümern ein paar Millionen-Päckchen unter den Christbaum.

Stadtrat Prüm, letzte Sitzung des ablaufenden Jahres: Die Stimmung ist weihnachtlich, aber mit den Millionen-Ausgaben, die an diesem Dienstagabend beschlossen werden, hat sie nichts zu tun. Sie sind der Notwendigkeit geschuldet.

Das jedenfalls ist die Überzeugung aller Fraktionen, quer durch die Bank. Deutlich wird das gleich beim ersten großen Vorhaben: der Sanierung des zweigeschossigen Parkdecks an der Bahnhofstraße, zwischen Basilika und Friedhof. Die Prümer haben dafür das Fachbüro von Christian Lorenz in Bad Münstereifel eingespannt. Der hat sich mit seinen Experten alles angeschaut und, sagt Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU), „zu meinem Leidwesen festgestellt“, dass der Bau nicht mehr in Ordnung sei.

Es hätte allerdings noch schlimmer sein können, sagt Lorenz, denn, immerhin, „das Parkdeck ist an sich solide konstruiert“. Schwere Macken hat es dennoch: Wasserschäden, Schimmelpilze, Rost und so allerhand mehr, alles hat den Bau doch stark lädiert. Darunter auch Überraschendes: So hat sich der Raum unter der Rampe, über die man auf das obere, offene Geschoss rollt, in eine veritable Tropfsteinhöhle verwandelt.

Es sickert auch durch die Fugen der Steine, mit denen das unbedachte Obergeschoss gepflastert ist: „Das Wasser geht da durch und nimmt Salze mit“, sagt Lorenz. Weshalb er dort eine dichter konstruierte Decke anmahnt. Auch die Toilette, obwohl offiziell behindertengerecht, entspricht nicht mehr den aktuellen Anforderungen: „Die Tür kriegt ein Rollstuhlfahrer im Alleingang nicht auf“, sagt der Fachmann. Zudem öffne sie nach innen – ereigne sich dann dort bei einem Menschen im Rollstuhl ein Notfall, werde es eng: „Dann kriegt man die Tür nicht mehr auf.“

Schäden fand er auch an der Brüstung, das Wort von der Absturzgefahr fällt, und Lorenz zählt noch etliche weitere Schäden auf, die aber nicht unbedingt heute und morgen behoben werden müssten. Zum Finale präsentiert er noch „meine Lieblingsfolie“. Thema Brandschutz. Ergebnis: keine Mängel, uff, wenigstens das.

Und doch: Was alles gemacht werden muss, summiert sich auf mehr als 720 000 Euro, wovon die wichtigsten und drängendsten Arbeiten 466 000 Euro ausmachen. Abriss und Neubau, sagt Lorenz,  würden das Doppelte verschlingen. „Starker Tobak zum Ende des Jahres“, resümiert die Bürgermeisterin. Aber das sei eben die Realität.

Diskussion: keine. Mathilde Weinandy wird beauftragt, sich um För-
dergeld zu bemühen, bevor die Sanierung in Angriff genommen wird. Und dem Experten verspricht sie: „Das mit den Führungen durch die Tropfsteinhöhle werden wir uns überlegen. Wenn wir das machen, sind Sie der erste Gast.“

Nächster Brocken. Das Jugendlager im Stadtteil Dausfeld. Darum kümmert sich besonders Franz-Josef Keilen von der CDU, und auch er mahnt dringende Arbeiten an. Vor allem an der Heizungsanlage, wie Michael Holz von der Verbandsgemeinde (VG) Prüm erläutert: Denn dort trete Gas aus, in die Hütten könne Kohlenmonoxid strömen. Sanierung oder eine neue Anlage, eventuell elektrisch, würden gut 30 000 Euro kosten. Und weil das alles so in die Jahre gekommen ist, beraten die Fraktionen über die Frage, ob man nicht gleich alles neu machen solle. Bei zehn Hütten wären das, samt neuer Heizung, rund 280 000 Euro. Beschlossen wird: Heizung sofort, Neubau nach der kommenden Saison, auch hier soll die Bürgermeisterin Fördermöglichkeiten prüfen.

Und weiter geht’s mit den dicken Projekten: Den Stand der Planung für das neue Heim des städtischen Bauhofs in der Prümtalstraße (der TV berichtete) erläutert Günter Wilwers von der VG. Kosten: 430 000 Euro. Beschluss: weitermachen, einstimmig.

Die Planungen für den Ruhewald am Kalvarienberg laufen ebenfalls weiter, man beschließt eine neue Bepflanzung im Gewerbegebiet Niederprüm für mehr als 10 000 Euro und segnet den Jahresabschluss der Verwaltung ab.

 Im Detail zeigen sich die Schäden am Prümer Parkdeck.
Im Detail zeigen sich die Schäden am Prümer Parkdeck. Foto: TV/Fritz-Peter Linden

Kurz: viel Geld für große Projekte. Und eine Bürgermeisterin, die allen dankt, die dabei geholfen haben, die vergangenen fast zwölf Monate, Stichwort Hahnplatzumbau, durchzustehen: „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass wir durch solch schwierige Situationen gehen“, sagt Mathilde Weinandy. Ihr Appell an alle zum Schluss: „Dass wir alle nicht den Mut verlieren.“