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"Der regionale Markt ist abgegrast"

"Der regionale Markt ist abgegrast"

BADEM. Neues Jahr, neues Glück: Der Zweckverband Industrie- und Gewerbezentrum (IGZ) Badem verstärkt seine Bemühungen, Betriebe anzusiedeln. Doch noch fehlt die zündende Idee.

Die Verbandsgemeinde (VG) Kyllburg und die Ortsgemeinde Badem tragen jeweils zur Hälfte den Zweckverband IGZ Badem. In der jüngsten Verbandsversammlung zog Vorsteher und Bürgermeister Bernd Spindler (SPD) mit Blick auf die Freigabe des Wirtschaftsparks Fließem (der TV berichtete) den Vergleich mit anderen Gewerbegebieten entlang der A 60. "Die Fließemer haben zuerst Betriebe gesucht, die sich zum Bau verpflichtet haben. Vom Land gibt es dann unter bestimmten Voraussetzungen eine Förderung für den Erschließungsträger", erklärte Spindler. In Badem lief es anders herum: Nach der Erschließung des ersten Bauabschnitts 2000 (6,5 Hektar) siedelten sich acht Betriebe an, weitere zwei Grundstücke sind verkauft. Nur einer dieser Betriebe erfüllt die Voraussetzungen einer Förderung für den Erschließungsträger.Namensänderung verworfen

Das Interkommunale Gewerbegebiet Plütscheid/Feuerscheid existiert trotz langer Planung bisher nur auf dem Papier. "Landscheid II" ist erschlossen, aber wenig nachgefragt. "Der Zuspruch ist auch nach der Öffnung der A 60 nach Wittlich bei weitem nicht so groß wie erhofft", stellte Spindler fest. Das sei zum Teil auf die Wirtschaftslage zurückzuführen. Die Kosten belasten derweil Verbands- und Ortsgemeinde. "Wir sind in eine unglückliche konjunkturelle Entwicklung geschlittert", stimmte Badems Ortsbürgermeister Rudolf Meyer (SPD) zu. "Die Lage kann sich in den nächsten Jahren bessern." Um unabhängig davon weiter zu kommen, will der Verband sich nochmals von der Firma Fuchs beraten lassen. Eine Namensänderung des Gebiets hatte das Gremium verworfen. Vermarktungskonzepte scheiterten an hohen Kosten. Auch die Präsentation auf Fachmessen wäre nicht billig. Bernhard Klein, Vorsitzender des Gewerbevereins "Waldeifel Aktiv" und Ratsmitglied in Badem, plädierte für offensive Werbung: "Stillstand ist Rückgang. Wenn wir uns nichts mehr leisten, können wir nicht erwarten, dass ein Betrieb sich ansiedelt. Es ist fünf vor zwölf, dass wir etwas machen." Der Blick geht dabei über die Region hinaus. Spindler: "Der regionale Markt ist abgegrast." Pionier in Badem war die Tankstelle der Raiffeisen Service Waren GmbH. Ein Patentrezept hat auch deren Pächter Reinhard Molitor im Gespräch mit dem TV nicht parat: "Es gibt wohl zu viele Gewerbegebiete an der A 60. Die konjunkturelle Lage lässt die Unternehmen abwarten." Ärgerlich speziell für die Tankstelle sei, dass Hinweise an der Autobahn an hohe Voraussetzungen gebunden seien: "Wir dürfen dort nicht werben, sondern müssen uns praktisch verstecken." Die Finanzangelegenheiten regelte die Verbandsversammlung jeweils einstimmig. Die Jahresrechnung 2004 schließt mit einem ausgeglichenen Verwaltungshaushalt von 158 000 Euro. Im Vermögenshaushalt gibt es ein Defizit von rund 737 000 Euro. Für die Abwicklung dieses Fehlbetrags steht die Kreditgenehmigung von der Kommunalaufsicht immer noch aus. Der Verwaltungshaushalt 2006 ist mit 179 000 Euro ausgeglichen. Der Vermögenshaushalt umfasst 1,31 Millionen Euro. Neben der Fehlbetrags-Abwicklung fließen 71 000 Euro als letzte Rate für die Kläranlage Badem (Gesamtkostenanteil Verband: 371 000 Euro).