Der Roboter melkt, der Landwirt kontrolliert

Der Roboter melkt, der Landwirt kontrolliert

Seit zwei Jahren werden die Kühe von Bernd Bürger in Holsthum rund um die Uhr vom Roboter gemolken. Trotz modernster Technik ist eine ständige Rufbereitschaft des Landwirts unumgänglich. Einen Hof alleine zu führen, sei heute fast unmöglich, sagt der Jungbauer.

Holsthum. Ein elektrisches Brummen aus dem hinteren Teil des Stalls lässt erahnen, dass dort eine große Maschine läuft. Die 130 Kühe im Stall von Bernd Bürger in Holsthum sind davon völlig unberührt. Ist ihr Euter voller Milch und drückt unangenehm, gehen sie selbstständig in eine rot-silberne Apparatur - einen Melkroboter. Auf den ersten Blick erscheint es fast unglaublich, dass die Tiere davor keine Angst haben. Gelockt werden sie mit einer Portion Kraftfutter. Währenddessen putzen kleine, gelbe Bürsten ihre Zitzen, bevor per Laser deren Position bestimmt wird und die Saugglocken der Melkanlage sich millimetergenau darüberstülpen. Nach sechs Minuten ist der Euter leer, die Milch im Tank, und die Kuh macht Platz für die nächste.
Bernd Bürger hat in den vergangenen Jahren kräftig investiert: in zwei Melkroboter und in die Erweiterung des Stalls mit neuer Gülle- und Futterlagerung, insgesamt eine Million Euro. "Das Wichtigste für mich ist, die Milch gut und professionell herzustellen. Mit unseren anderen Betriebszweigen erwirtschaften wir nur rund 20 Prozent des Gewinns", sagt Bürger.
Standbein Milchproduktion


Weitere Standbeine der sogenannten Vater-Sohn-GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) sind die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach sowie die Schnapsbrennerei. Schon seit 1845 stellt die Familie Bürger Eifeler Premiumbrand her.
"Jeder Landwirt muss seine eigene Philosophie finden. Ich konzentriere mich auf die Milchproduktion", sagt der 33-Jährige, der 170 Hektar Land bewirtschaftet. "Es besteht die Gefahr, dass, wenn man sich auf zu viele Sachen einlässt, nicht so professionell sein kann."
Um wirtschaftlich arbeiten zu können, müssen seiner Meinung nach mindestens 35 Cent pro Liter Milch gezahlt werden". Das Problem seien die stark gestiegenen Energie- und Futtermittelkosten. Früher habe es nicht diese starken Schwankungen beim Milchpreis gegeben. "Da hat die Europäische Union die Preisschwankungen ausgeglichen, nun bestimmt der Markt den Preis", sagt er.
Bei großen Investitionen brauchen Landwirte aber Planungssicherheit. Prinzipiell hält Bürger die Preisorientierung am Markt für richtig: "Es ist unrealistisch, dass die Politik die Milchmenge im Sinne der Bauern steuern kann. Wir können die Märkte nicht abschotten, weil Deutschland ein Exportland ist."
Erfolgsrezept Familienbetrieb


Bei Familie Bürger arbeiten zwei Generationen auf dem Hof. Auch Bernds Frau Katy ist vom Fach. Ein eher seltener Glücksfall. "Für einen alleine ist die Leitung eines Betriebes zu viel Arbeit", sagt Bernd Bürger. Aber auch er weiß, dass die Arbeitskräfte in Zukunft begrenzt sein werden. Immer weniger junge Menschen wollen Landwirt werden.
"Ich war als Jugendlicher auch nicht sicher, ob ich so viel Verantwortung tragen möchte", sagt er. Im Nachhinein sei er aber froh, sein eigener Chef zu sein. "Man muss auch durch harte Zeiten durch, aber was bringen mir kurze Arbeitszeiten, wenn ich nicht motiviert bin." Seinen Entschluss habe er nicht bereut.

Extra

Im Durchschnitt sechs Minuten dauert es, eine Kuh mit dem Roboter zu melken. Per Sender am Halsband wird das Tier registriert. Der Roboter prüft, ob sie mit dem Melken schon an der Reihe ist. Die Kühe von Bernd Bürger geben durchschnittlich 33 Liter Milch am Tag. Die Anlage läuft rund um die Uhr, 180 Melkgänge sind möglich. "Jedes Tier findet seinen eigenen Rhythmus", beobachtet Bernd Bürger. Auf einem Bildschirm am Gerät und am Computer kann er relevante Daten wie Milchmenge, -temperatur oder Leitfähigkeit ablesen. Eine Waage ermittelt das Gewicht des Tiers. Abweichungen werden dem Landwirt am Computer angezeigt. "Der direkte Kontakt zum Tier ist nicht mehr so wie vorher, doch dank der Daten weiß ich über alle meine Tiere Bescheid", sagt Bürger. Zudem spart er Zeit. Zwei Mal am Tag kontrolliert er am Computer 20 Minuten lang die aufgezeichneten Daten. Um 130 Kühe zu melken, brauchte er früher zweieinhalb Stunden. snExtra

In der Region Trier gibt es 5218 landwirtschaftliche Betriebe. Davon werden 1200 von Milchviehhaltern bewirtschaftet. Sie machen 51,9 Prozent der Milchwirtschaft in Rheinland-Pfalz aus. Im Eifelkreis Bitburg-Prüm werden etwa 40 500 Milchkühe gehalten. Quelle: Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum Eifel Weitere Informationen zur Landwirtschaft in der Eifel im Internet unter www.dlr-eifel.rlp.de