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Dorfentwicklung: Der Saft muss in die Mitte: vom Donut zum Berliner

Dorfentwicklung : Der Saft muss in die Mitte: vom Donut zum Berliner

Zum dritten Mal hat der Eifelkreis den Baukulturpreis ausgelobt. Nach der Premiere 2013 und der Fortsetzung 2015 werden diesmal nicht allgemein liebevoll sanierte Altbauten oder regionaltypisch gestaltete Neubauten ausgezeichnet, sondern es gibt einen Schwerpunkt: Es geht um vorbildliche Bauten in Ortskernen. Der geschmackvoll konzipierte Neubau am Dorfrand ist damit ebenso raus wie die alte Mühle in Alleinlage.

Der Schwerpunkt: Baukultur-Beauftragter Herbert Mayer erklärt, warum man sich für den Schwerpunkt entschieden hat. „Es ist doch im Grunde so“, sagt Mayer, „dass die Identität einer Gemeinde mit dem Ortskern steht und fällt.“ Wegen des Rückgangs der Landwirtschaft, aber auch wegen so genannter Funktionsverluste – also etwa der Schließung von Schulen, Kneipen oder Geschäfte – gäbe es in den Ortskernen zunehmend mehr Leerstände, während die Neubaugebiete an den Ortsrändern wachsen und wachsen.

Der Hintergrund: Aus Sicht der Initiative Baukultur Eifel ist das alles andere als wünschenswert. „Die Ortskerne sind die Visitenkarte eines Dorfes, einer Region. Nicht die Neubaugebiete. Die sind austauschbar“, sagt Mayer. Aber er weiß, dass viele Bauherren davor zurückschrecken, ein altes Gemäuer in der Dorfmitte zu erwerben und zu sanieren – oder einen Neubau in eine Baulücke zu planen. Das kennt auch Dorferneuerungsbeauftragter Edgar Kiewel: „Viele sorgen sich, dass die Räume zu eng und zu dunkel wären.“ Da will die Initiative Baukultur den Gegenbeweis antreten.

Die Möglichkeiten: „Bei der Preisverleihung werden wir Beispiele sehen, die zeigen, dass auch mitten im Ort, ob im sanierten Altbau oder einem Neubau, großzügiges und offenes Wohnen möglich ist“, sagt Kiewel. Und es muss nicht immer der Traum vom Familienheim sein: Auch drei bis vier Wohnungen lassen sich in einem alten Hof einrichten. Schließlich steigt die Nachfrage nach Wohnungen auf dem Land.

Das Ziel: „Wir wollen Menschen begeistern für die Idee, in Ortskernen zu leben – ob sie nun ein Haus neu bauen oder ein altes sanieren“, sagt Mayer. Es gehe darum, an besonders gelungenen Beispielen zu zeigen, dass das lohnend sein kann. Vor allem, wenn viele mitmachen. So entstehen Ortskerne mit einem besonderen Charme. „Da kann die Lebensqualität sehr hoch sein. Höher vielleicht als auf einem 600-Quadratmeter-Grundstück in irgendeinem Neubaugebiet“, sagt Kiewel. Wie das Ganze konkret aussehen kann, wird am Donnerstag, 18. Januar, bei der Verleihung des Baukulturpreises „Vorbildliche Bauten in Ortskernen“ deutlich. 20 Bauherren und Architekten haben sich beworben.

 Berliner: Der ganze Saft steckt in der Mitte.
Berliner: Der ganze Saft steckt in der Mitte. Foto: TV/Fritz-Peter Linden

Mehr Dorf: Und was hat das Ganze nun mit Donuts und Berlinern zu tun? Innenentwicklung vor Außenentwicklung heißt das im Fachjargon. In der Dorfentwicklung gilt es zu vermeiden, dass die Ortskerne immer weiter ausbluten, während auf der grünen Wiese ein Neubaugebiet nach dem nächsten ausgewiesen wird. Oder wie es Anne Schmedding von der Bundesstiftung Baukultur mal bei einer Fachtagung in Bitburg ausgedrückt hat: „Wir müssen weg vom Donut, dem Gebäck mit dem Loch in der Mitte, hin zum Berliner, dem Gebäck, bei dem der ganze Saft in der Mitte steckt.“