Der Schatz-Meister und sein Glanzstück

Trier · Der Trierer Gold- und Silberschmied Hans Alof hat die Kostbarkeiten des Doms und des Bistums restauriert. Der mehr als 1000 Jahre alte Egbert-Schrein war dabei das Glanzstück. Zusammen mit dem TV hat er ihn noch einmal besucht.

 Alles Gold, was glänzt: Hans Alof (rechts) und Weihbischof Jörg Peters am Egbert-Schrein. TV-Foto: Roland Morgen

Alles Gold, was glänzt: Hans Alof (rechts) und Weihbischof Jörg Peters am Egbert-Schrein. TV-Foto: Roland Morgen

Foto: roland morgen (rm.) ("TV-Upload morgen"

Trier Täter, so heißt es, zieht es immer wieder zum Tatort hin. In diesem Fall musste der "Täter" hingezogen werden. Die Begriffe Täter und Tatort sind auch nicht im kriminologischen Sinne zu verstehen. Hans Alofs Werk war eine ausgesprochen gute Tat, verübt in der Schatzkammer des Trierer Doms. Nun ist der 90-Jährige, nach vielen Jahren, wieder da. Um den Domschatz zu bestaunen. Dass die sakralen Kostbarkeiten aus anderthalb Jahrtausenden wieder bestaunt werden können, ist mit sein großes Verdienst.
Hans Alof macht ganz große Augen, als Weihbischof Jörg Peters, der Hüter des Domschatzes, die Vitrine des Prunkstücks öffnet - eine absolute Ausnahme. Nun trennt keine alarmgesicherte Glasscheibe mehr Alof und den Andreas-Tragalter. Dem nahezukommen, ist für ihn immer noch ein erhebendes Gefühl.
Obwohl er dem aus Gold, Elfenbein und Edelsteinen bestehenden Kunstwerk, das auch als Egbert-Schrein bekannt ist, über viele Monate so nahe gekommen ist wie seit dessen Entstehung ein Jahrtausend zuvor keiner mehr.
Denn bei der großen Dom-Restaurierung in den 1960er und frühen 1970er Jahren war auch Alof gefragt. Wie die Kathedrale bedurften auch ihr Inventar und ihre Kunstschätze einer Reparatur und Erneuerung. Für den Gold- und Silberschmied Herausforderung und Ehre zugleich. Viele Objekte wie eben der Andreas-Tragaltar musste er zuerst einmal in ihre Einzelteile zerlegen - "Ein unglaubliches Gefühl. Es war für mich spannend und ergreifend zu sehen, wie die großen Meister vor 1000 Jahren gearbeitet haben."
Alof, dessen Arbeit allein am Andreas-Tragalter sich über zwei Jahre erstreckte, machte offenbar einen guten Job. "Er ist selbst ein großer Meister. Er war ein Glücksfall für die Schätze des Doms und des Bistums", lobte Franz Ronig (89), langjähriger Bistumskonservator und Weihbischof Peters' Vorgänger als Domschatz-Kustos.
Dabei hatte Hans Alof, die Bescheidenheit in Person, in jungen Jahren nie vor, mit Edelmetallen zu arbeiten, geschweige denn, "großer Meister" zu werden. Der gebürtige Siegerländer, ältestes von zehn Kindern einer Bergmannsfamilie, landete auch eher zufällig in Trier. Alois Funk (1896-1978), von den Nazis in den letzten Winkel des Bistums verbannter Pastor und Paulinus-Chefredakteur, lotste ihn nach dem Krieg in die Domstadt.
Alof wollte Kunstschmied werden. Aber die Klasse an der Werkkunstschule am Paulusplatz war voll belegt. Ihm wurde geraten, sich doch mal bei den Goldschmieden umzusehen. Das tat er trotz anfänglicher Skepsis ("Es war surreal - Gold war damals doch absolute Mangelware") , was sich als goldrichtige Entscheidung erwies.
Neben dem beruflichen Glück fand er sein privates. Er lernte Mathilde Lortz kennen. Ab Herbst 1948 arbeitete Alof für das 1834 gegründete Trierer Juwelierhaus Lortz und heiratete Elisabeth, heute 75-jährige Tochter von Mathilde und des im Krieg gefallenen Karl Lortz.
Hans Alof, ab 1960 selbstständig, hatte sich bald einen guten Ruf als Spezialist für sakrale Kunstwerke erworben. Von ihm gefertige Kelche, Tabernakel, Leuchter, Monstranzen, Ölgefäße oder Hostienschalen finden sich in ganz Deutschland und in Frankreich.
In die Kategorie "Spätwerk" fällt die Ausstattung von Weihbischof Jörg Peters: "Ring, Messkelch, Brustkreuz und Bischofsstab - alles ist in der Werkstatt Alof entstanden, und ich erfreue mich jeden Tag daran", sagt der 56-Jährige, der für die 384 Pfarreien im Visitationsbezirk Koblenz zuständig ist.
Mit dem Altmeister verbindet ihn seit 30 Jahren ein freundschaftliches Verhältnis. Der habe "den richtigen Beruf gehabt. Er war immer mit dem Herzen bei der Sache." Alofs vernimmt's mit Freude. Das Sprechen fällt ihm schwer, das Alter fordert seinen Tribut.
Aber in den Augen ist das für ihn typische Funkeln zu sehen, das so viel bedeutet wie "Lasst mich mit Lobreden und Ehrungen zufrieden - ich bin trotzdem froh und stolz."
Seit Hans Alof nicht mehr in der Werkstatt arbeitet, gehört er mehr denn je zum Stadtbild.
Täglich dreht er seine Runden in der Fußgängerzone, oft mehrere Stunden lang. Ganz sicher trifft man ihn sonntags beim Hochamt im Dom. Da bleiben er und seine Frau - beide Musikfreunde - so lange, bis der letzte Orgelton verklungen ist.
Öffnungszeiten der Trierer Dom-Schatzkammer: Dienstag bis Samstag von 11 bis 16 Uhr, an Sonntagen und Feiertagen von 12.30 bis 16 sUhr. Montags geschlossen.BEDEUTENDE SCHäTZE IN DER SCHATZKAMMER


Extra

Die Schatzkammer im Trierer Dom präsentiert eine der deutschlandweit bedeutendsten Sammlungen kirchlicher Schatzkunst, zu der einzigartige Stücke aus Spätantike (Relief einer Reliquienprozession), Romanik (Andreas-Tragaltar, Reliquiar des Heiligen Nagels, Gozbert-Rauchfass), Gotik, Barock und des 19./20. Jahrhunderts (Historismus-Werke aus dem Trierer Atelier Brems-Varain) gehören. Hinzu kommen Mittelalter-Handschriften (Simeonskodex, Helmarshausener Evangeliar, Perikopenbuch Kunos von Falkenstein) und liturgische Gewänder. Öffnungszeiten Dienstag bis Samstag von 11 bis 16 Uhr, an Sonntagen und Feiertagen von 12.30 bis 16 Uhr. Montags geschlossen.