Der Schuppen bleibt

Der Stadtrat hat mit deutlicher Mehrheit gegen einen Abriss des Nebengebäudes am Dorfgemeinschaftshaus in Stahl gestimmt. Der Schuppen, wie das Gebäude auch genannt wird, bleibt - aber nicht etwa, weil er der Mehrheit gefällt. Und damit sind wir auch schon mitten drin in der verfahrenen Geschichte.

Bitburg. Es geht gar nicht darum, dass der Schuppen so hässlich wäre. Das ist er nicht. Das Nebengebäude der Alten Schule in Stahl ist schlicht und einfach. Dieses Nebengebäude, an dem sich die Geister scheiden, soll nach den Plänen, die im Herbst 2014 von Ortsbeirat, Bauausschuss und Stadtrat beschlossen wurden, als Lager für Stühle, Tische und Tischtennisplatten dienen - denn dafür wäre sonst ebenerdig nirgends Platz.
Eigentlich ein guter Plan, aber jetzt, wo die Bauarbeiten fast abgeschlossen sind, sticht ein Detail so übel ins Auge, dass vom Ortsbeirat der Abriss des "Dings", wie es Ortsvorsteher Willi Heyen nennt, gefordert wurde. Der Anbau, den Architekt Ingo Renn von der Stadtverwaltung geplant hat, ist so dicht an das Nebengebäude geklatscht, dass dazwischen nur ein schmaler Spalt bleibt.
Während den Anbau aus viel Glas, Stahl und Beton alle - auch die Denkmalpflege - für gelungen halten, sind sich bei dem nun recht eng stehenden Nebengebäude ebenfalls weitestgehend alle einig: Das, was für Architekt Renn Teil der Konzeption ist (siehe Extra), wirkt auf die meisten recht gequetscht und irgendwie als Gesamtensemble nicht besonders harmonisch.
Aber das wird nun so bleiben, auch wenn Ortsvorsteher Heyen bis zum Schluss dafür gekämpft hat, dass der Stadtrat einem Abriss des Schuppens zustimmt und mindestens mal riskiert, einen Widerspruch von der Denkmalpflege zu kassieren, die ja auf einen Erhalt des Nebengebäudes besteht.
"Wie weit wollen wir im Zweifelsfall gehen, bis vor das Verwaltungsgericht?", fragte Bürgermeister Joachim Kandels, der argumentiert, dass das, was jetzt da steht, eben genau das ist, was geplant und quer durch alle Gremien beschlossen wurde - und letztendlich auch Grundlage für die Förderung des Projekts ist, das mit 930 000 Euro einschließlich der Gestaltung der Außenanlage im Ergebnis rund 240 000 Euro teurer ist als geplant.
Auch jede Menge Presse-Schelte


"Bei dieser Preisentwicklung können wir uns nicht leisten, Zuschüsse zur Außengestaltung zu riskieren, wenn wir das Nebengebäude abreißen", sagte Kandels. Mehr sagte der Bürgermeister zur Kostensteigerung, die Verwaltungsfachmann Alexander Zimmer im Detail erklärte, nicht.
Für Jürgen Weiler (CDU) waren die Erklärungen aber nicht zufriedenstellend. "Als wir damals nach Kosten für Außenanlagen gefragt haben, hieß es, die sind überwiegend drin. Jetzt taucht das alles auf", kritisierte er und sagte mit Blick auf das Ergebnis der Planung: "Das ist eine Frechheit, wenn hier noch versucht wird, das schön zu reden."
Kritik gab es auch von den anderen Fraktionen - auch gegenüber der Presse, die das ganze Thema "dramatisiert" und "instrumentalisiert" habe (Michael Ludwig, CDU), einzelne Stimmen rausgreife "und ein ganzes Projekt in den Dreck" ziehe (Jürgen Weiler), aus "ein paar anonymen Stimmen, die Stahler Bürger" machen würde (Franz-Josef Hankes, FBL) und insgesamt sowieso zu viel über dieses "doch gar nicht so wichtige Thema" (Marie-Luise Niewodniczanska, FDP) berichten würde.
Bei alledem kam auch Verwaltungsmann Renn nicht gut weg. Von ihm hätte sich der Rat eine bessere Beratung gewünscht und dass er die Entscheider im Vorfeld auf Probleme, wie den schmalen Spalt explizit hinweist. Volle Unterstützung für den Abriss-Wunsch gab es für den Ortsbeirat von der SPD. Stephan Garçon fand es schon "überheblich", dass sich der Bauausschuss über den Beschluss des Ortsbeirats hinweggesetzt hat: "Die denken sich doch was dabei."
Am Ende stimmten aber dann doch nur acht Räte für einen Abriss (SPD und Teile der CDU), und bei drei Enthaltungen (CDU, FBL) gab es 14 Gegenstimmen (Liste Streit, FBL, Grüne, FDP).
Nun bleibt die Hoffnung, dass sich das Ensemble in einigen Monaten ganz anders darstellt, wenn auch das Nebengebäude einen neuen Anstrich hat und Pflanzen den schmalen Spalt verdecken.Meinung

So läuft's nicht
Beim Umbau des Stahler Dorfgemeinschaftshauses war von Anfang an der Wurm drin. Nicht, weil die Presse das aufgebauscht hat, sondern, weil dieses Projekt von Anfang an Bürger und Politik gespalten hat - vor allem wegen der als zu hoch empfundenen Kosten. Da muss man den Finger in die Wunde legen, wenn der Spaß den Steuerzahler 240 000 Euro teurer kommt. Wenn das Ergebnis dann noch nicht mal gefällt, sollten sich alle Beteiligten fragen, wie das passieren konnte. d.schommer@volksfreund.deExtra

 Der schmale Spalt: Hier soll in das Nebengebäude (rechts) noch eine Tür, so dass man vom Anbau ins Lager kommt.
Der schmale Spalt: Hier soll in das Nebengebäude (rechts) noch eine Tür, so dass man vom Anbau ins Lager kommt. Foto: klaus kimmling (e_bit )

Als Fuge (von lateinisch fuga: Flucht) wird in der Musik ein Kompositionsprinzip bezeichnet, bei dem ein Thema zeitversetzt und in anderen Tonlagen wiederholt wird. Mit Fugen hat bei der Umgestaltung des Dorfgemeinschaftshauses in Stahl auch Architekt Ingo Renn von der Stadtverwaltung gearbeitet. So wurde der neue Anbau mit einer vertikalen gebäudehohen "Fuge aus Glas" vom Altbau optisch abgesetzt. Das Motiv wiederholt sich zwischen Anbau und Schuppen: Auch dort trennt eine Fuge - der schmale Spalt - Alt von Neu. Dieser Spalt soll noch mit Glas überdacht werden, so dass man trockenen Fußes vom Anbau ins Lager kommt. Die Flucht dort ist so schmal, dass die Tür vom Anbau, die nach außen öffnet, nur ganz aufgeht, wenn auch die gegenüberliegende Tür des Nebengebäudes auf ist. Das wiederum, so hat es die Denkmalpflege im Vorfeld von Renn gefordert, müsse erhalten bleiben. Ein Abriss des Schuppens war für den Architekten deshalb von Beginn an keine Option. Den Anbau aber hätte man auch schmaler gestalten können. scho