Der stille Wassermann
Prüm · Jakob Weinand, erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Prüm und lange Zeit Werkleiter, geht nach 50 Dienstjahren in den Ruhestand. Der Rat, die Mitarbeiter und viele Gäste aus dem gesamten Eifelkreis bereiteten dem 65-Jährigen am Dienstag einen berührenden Abschied, geprägt von Dankbarkeit und Respekt.
Prüm. Jakob Weinand steht für Dinge, die den meisten als selbstverständlich gelten - zumal man sie gar nicht sieht: Wer heute den Wasserhahn aufdreht oder auf die Spülung drückt, macht sich meist keine Gedanken darüber, dass ein solches System ja irgendwann einmal entworfen, geplant, gebaut werden musste. Und dass es funktionieren muss.
Das sind schon ein paar der Dinge, die auch auf Weinand passen, der in den 1990er Jahren das Wasser- und Abwassersystem der Verbandsgemeinde (VG) Prüm mit seinen Mitarbeitern plante und in den vergangenen 13 Jahren hauptamtlicher erster Beigeordneter der VG war: Nahm er sich einer Aufgabe an, wurde sie erledigt, reibungslos, still, fast unbemerkt - und niemand musste sich Gedanken machen.
Vor allem nicht sein direkter und einziger Vorgesetzter, Bürgermeister Aloysius Söhngen: An Tagen wie diesem, sagt Söhngen am Dienstag bei Weinands Verabschiedung, da wünsche man sich nicht, wie in dem Lied der Toten Hosen, Unendlichkeit: "Tage wie diesen wünscht man sich unendlich weit weg." Denn er muss nun auf Weinand verzichten: "Was du gemacht hast, war immer durchdacht, gut vorbereitet und planvoll durchgearbeitet. Du warst dir für nichts zu schade und hast da angepackt, wo du gebraucht wurdest." Deshalb gelte Weinand ein "ganz herzliches Dankeschön für dein vielfältiges Engagement, das weit über das hinausging, was man erwarten kann". Die VG habe in den vergangenen 20 Jahren mehr als 100 Millionen Euro ausgegeben für ihr Abwassersystem, fast alle Bürger seien angeschlossen, und die damals von Weinand prognostizierten Gebührenzahlen stimmten auch. Kurz: Saubere Arbeit.
Landrat Joachim Streit - stolz, sich Weinands Freund nennen zu dürfen - bescheinigt ihm noch etwas Entscheidendes: "Er ist ein feiner Kerl. Und ein feiner Kerl zu sein in der Politik, das bedeutet etwas." Und wenn ihm Weinand auch einmal erzählt habe, wie die Prümer bei der Kreisfusion die Trauerflagge gehisst hätten - die Zusammenarbeit sei von solchen Dingen nie beeinträchtigt gewesen. Weinand, dem der Respekt aller bleibe, sei ein wahrer Botschafter der Eifel - "ein Mann mit Würde, ein Mann mit Gelassenheit, ein Mann mit Wissen". Und falls er wolle, fügt Streit als Bezirksvorsitzender des Eifelvereins hinzu, dann sei im Vorstand "noch ein Plätzchen frei".
Auch die Fraktionssprecher Mathilde Weinandy (CDU), Barbara Hiltawski (SPD), Erich Reichertz (FWG), Christine Kohl (Bündnis 90/Die Grünen) und Jürgen Krämer (FDP) danken Weinand: für seine ruhige Art, für seine Hilfsbereitschaft, seine Geduld über alle politischen Grenzen hinweg. Weinand, sagt der Personalratsvorsitzende Michael Holz, sei immer auch auf die Belange der Mitarbeiter eingegangen "und hat immer eine Lösung gefunden".
Hubert Tautges, Gemeindechef in Winterspelt, dankt im Namen aller Ortsbürgermeister mit einem Gedicht, mit Schmuggelkaffee aus Belgien "und aus dem schönen Eifelland noch einer Flasche Eifelbrand".
Viele, schöne Worte für einen Mann, der sich genau so schlicht und still verabschiedet, wie er seine Arbeit verrichtet hat: Mit einem Dank an alle, die ihn in den 50 Dienstjahren begleitet haben, von den Eltern, die ihm die freie Berufswahl gelassen hätten bis natürlich zu seiner Frau Maria und den Söhnen Marco und Marcel. Er sei immer gern zum Dienst gegangen: "Nicht nur, um Geld zu verdienen, sondern weil die Aufgaben mir viel Freude bereitet haben." Und einen Satz gibt er allen noch mit auf den Weg in die kommenden Jahre: "Ohne das gute Miteinander und Vertrauen sind die Aufgaben nicht zu schaffen." Das war's - und wie sehr Jakob Weinand von allen geschätzt wird, zeigt sich am Schluss: Alle stehen auf und spenden lang anhaltenden Applaus.