Der Streit in Stahl geht weiter: Denkmalgeschütztes Nebengebäude wird nicht abgerissen

Der Streit in Stahl geht weiter: Denkmalgeschütztes Nebengebäude wird nicht abgerissen

Über Geschmack lässt sich streiten. Im Fall des Stahler Dorgemeinschaftshaus sind sich aber die meisten einig: Der Neubau steht zu dicht am Nebengebäude. Doch einem Abriss, den der Ortsbeirat gegen die Denkmalpflegebehörden durchsetzen wollte, hat der Bauausschuss einen Riegel vorgeschoben. Worüber in der ganzen Sitzung keiner auch nur ein Wort verloren hat: Das ganze Projekt wird mindestens 200.000 Euro, wahrscheinlich 300.000 Euro teurer als geplant. Ist das nicht mal mehr der Rede wert?

Die kritische Stelle: Das alte Nebengebäude (links) steht sehr dicht an dem neuen Eingangsbereich (Mitte), um den der Altbau (rechts) erweitert wurde. Foto: Dagmar Schommer
Die Gestaltung des Außengeländes würde nach grober Kalkulation der Verwaltung noch mal rund 85.000 Euro kosten. Foto: Dagmar Schommer

Wenn das mal nicht abgesprochen war... Während in der Haushaltssitzung Ende Dezember fast alle Fraktionssprecher in ihren Reden kritisierten, dass die Kosten beim Stahler Dorfgemeinschaftshaus nach Jahren des Planen, Umplanens und Neuplanens am Ende dann doch bei fast einer Million Euro liegen, hat darüber im Bauausschuss gestern keiner ein Wort verloren.
Dass ausgerechnet dieses Thema jetzt totgeschwiegen wird, ist schon bemerkenswert, weil bei der ganzen Debatte um das Projekt ging es in all den Jahren immer um Kosten. Die waren mal nach einem Beschluss des Bauausschusses von 2012 auf 700.000 Euro gedeckelt. Doch dieser Rahmen kann nicht gehalten werden: Um rund 200.000 Euro liegt man schon jetzt drüber - weil die Ausschreibung Angebote bescherte, die rund 100.000 Euro über den kalkulierten Preisen für die Gewerke lagen, weil die Denkmalpflege zusätzliche Auflagen gemacht hat, der Ortsbeirat noch Wünsche hatte, der Estrich doch erneuert werden musste und dergleichen mehr, was beim Bauen so passieren kann. Darin enthalten sind noch nicht die Kosten für die Außenanlagen, bei denen die Stadt mit 85.000 Euro rechnet. Und das war das Einzige, was im Bauausschuss zum Thema Kosten gesagt wurde.
Dass der ursprüngliche Kostenrahmen im Ergebnis um mehr als ein Drittel überzogen wird, war kein Thema - weder beim Bürgermeister und der Verwaltung noch bei den Ausschussmitgliedern der einzelnen Fraktionen. Ob CDU und FBL, Liste Streit und SPD oder Grüne und FDP: kein Wort zur Kostenexplosion.
Diskutiert wurde einzig und allein die Frage, ob ein Nebengebäude abgerissen werden soll oder nicht. Denn auf der Zielgeraden, kurz vor Fertigstellung des Umbaus der denkmalgeschützten Alten Schule, zeigt sich nun, dass das Nebengebäude, in dem früher als Haus noch als Schule genutzt wurde, mal die Toiletten drin waren, so dicht an dem neuen Anbau, in dem nun die Toiletten drin sind, steht, das zwischen diesen beiden Gebäudeteilen nur ein sehr schmaler dunkler Gang ist. Der ist so schmal, das ein etwas korpulenterer Mensch, da schon nicht mehr durchpasst.
Die Idee: Das Nebengebäude soll als Lager für Tischtennisplatten, Stühle und Tische genutzt werden. Vom Anbau führt eine Tür dorthin. Der Schluff soll noch mit Glas überdacht werden, so dass man trockenen Fußes vom Saal in der Alten Schule über den neuen Anbau ins Nebengebäude kommt.
Ob das einem gefällt oder nicht, ist Geschmackssache. Jedenfalls ist es genau so, wie es geplant ist. Und die Pläne wurden vom Ortsbeirat über den Bauausschuss und schließlich vom Stadtrat beschlossen. Bürgermeister Joachim Kandels räumte ein: "Ich habe auf den Plänen nicht erkennen können, dass die beiden Gebäude so nah aneinander stehen würden und da nur noch ein schmaler Spalt dazwischen ist." Da ist er nicht der Einzige. Die meisten haben sich das so nicht vorstellen können. So richtig gefallen tut es den meisten nicht. Und hinzu kommt: Bei der Erschließung des Außengeländes steht das Nebengebäude richtig im Weg. Schließlich ist das Gelände stark abschüssig, wenn nun noch das Nebengebäude "umschifft" werden muss, wird es komplizierter, sich durch den Hang einen Weg zu der Stelle zu bahnen, wo der Festplatz geplant ist, auf dem auch mal ein Zelt, ein Getränkewagen oder ein Bier-Pavillon aufgebaut werden sollen.
Alles Argumente, die der Ortsbeirat vorgebracht hat, und die der Bürgermeister, so sagte er, auch versteht, aber er komme in der Gesamtabwägung zu einem anderen Ergebnis. Ausschlaggebend für Kandels ist, dass alle drei Denkmalbehörden - die untere, die beim Kreis angesiedelt ist, die obere beim Land und die Mittelstelle bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion in Trier - gegen einen Abriss des Nebengebäudes sind, weil das mit zur Denkmalzone gehöre. "Wenn wir da jetzt auf Abriss drängen, halte ich es für unwahrscheinlich, dass wir die Kosten für die Gestaltung der Außenanlagen noch gefördert bekommen - und darauf können wir mit Blick auf die Kostenentwicklung nicht verzichten." Außerdem warf er die Frage auf: "Wie weit würden wir denn gehen, wenn wir heute einen Abriss beschließen, für den wir von der Denkmalpflege keine Genehmigung bekommen, wollen wir dann Widerspruch einlegen und bis vors Verwaltungsgericht ziehen?"
Das ist für Stahls Ortsvorsteher Willi Heyen gar nicht die Frage. Ihm geht es darum, dass dieses Nebengebäude die nächsten Jahrzehnte bei jedem Fest stören wird und es, zumal es optisch eben nicht besonders gelungen aussieht, unverantwortlich ist, jetzt "aus Angst vor einer Behörde" es noch nicht mal zu versuchen. "Wir wollen uns den Schuh jedenfalls nicht anziehen, wenn das Ding in den nächsten Jahren ständig nur im Weg steht, Unterhalt kostet und die Zufahrt zum Festplatz deshalb komplizierter und teurer wird." Der Ortsbeirat hätte zumindest mal riskiert, einen Widerspruchsbescheid zu kassieren: "Dann geht das mit der Denkmalpflege heim, aber nicht mit uns."
Nun, jetzt geht es mit dem Bauausschuss heim. Denn der hat mehrheitlich mit zehn Stimmen (vor allem FBL, Grüne und Liste Streit) bei vier Enthaltungen (vor allem CDU, Liste Streit und FDP) sich gegen den Abriss gestellt. Nur zwei Vertreter der SPD haben, wie es der Ortsbeirat erhofft hat, für einen Abriss votiert.
Noch eine Besonderheit in der Diskussion: Das Modell, das der Volksfreund in seiner Mittwochsausgabe gezeigt hat, hat offenbar zuvor, als es um die Entscheidung für oder gegen die Pläne ging, noch keiner gesehen. Stahls Orts-Chef Heyen sagte: "Ich habe das in der Zeitung zum ersten Mal gesehen." Und im Bauausschuss stand das Modell dann wohl am Mittwochabend erstmals im Raum. "Das hat hier zu keiner Zeit auf dem Tisch gestanden", sagte Jürgen Weiler (CDU). Das bestätigten auch Vertreter anderer Fraktionen. Dazu Kandels: "Aber wir haben das doch jetzt nicht aus dem Hut gezaubert."
Schade, denn das Modell hätte vielleicht im Vorfeld für manche deutlich gemacht, wie schmal der Spalt sein wird, der bei diesem Plan von Verwaltungsmitarbeiter Ingo Renn zwischen Anbau und Nebengebäude entsteht. Ob's gefällt oder nicht, nun wird es wohl voraussichtlich so bleiben. Es sei denn.... Hinter der Sitzung war aus Kreisen von Stahler Bürgern zu hören, dass man nun zu dem Thema eine Bürgerbefragung plane - und damit dann noch mal Druck machen wolle, das Ganze doch noch mal zu überdenken.

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