Der Verein Experiment vermittelt ausländische Studenten an deutsche Familien in der Eifel

Engagement : Ein Verein vermittelt ausländische Studenten an Familien in der Eifel

Lydia Leinen ist eine Gastmutter beim Verein Experiment und hat positive Erfahrungen gemacht. Studenten aus dem Ausland werden für meist zwei Wochen an Familien vermittelt – zum Beispiel über Weihnachten.

Das Team der Freizeitmannschaft von Philippsheim macht sich gerade warm für das Freizeitturnier auf dem Sportplatz in Preist. Die Mannschaft ist an diesem Tag nicht vollständig, hat weniger Spieler als die anderen Gruppen. Aber sie haben Verstärkung. Hermann ist extra aus Köln angereist, um bei diesem Turnier mitspielen zu können. Der dunkelhäutige Mann ist Student aus Kamerun, der zwei Wochen lang bei Lydia Leinen und ihrer Familie gelebt hat. Er ist ein guter Fußballer, der in seiner Heimat schon in einer höheren Liga gespielt hat und deshalb bei der Freizeitmannschaft sehr willkommen.

Organisiert hat diesen Besuch bei Familie Leinen der Verein Experiment. Hier werden Studenten aus dem Ausland für meist zwei Wochen an Familien vermittelt, häufig an Weihnachten, Ostern oder wie bei Hermann über Fastnacht. Für Familie Leinen ist der Mann aus Kamerun nicht der erste ausländische Gast und wird sicher auch nicht der letzte sein. Zur Zeit wohnt auch Juan aus Kolumbien bei den Leinens in Philippsheim. Er ist zwar noch kein Student, und deshalb auch nicht von Experiment vermittelt. Aber seine Gasteltern, bei denen er für ein Jahr lebt, sind verreist und so kam er in Philippsheim unter für ein paar Tage. Für die Familie kein Problem, ihr Haus steht offen für viele.

Auch Studenten, die aus muslimischen Ländern kommen, sind für die Leinens willkommen. Sie hatten einen jungen Mann zu Besuch. „Nett, sensibel, ein wunderbarer Mensch“, umschreibt die Gastmutter die Begegnung mit dem jungen Mann.

Karin Jung vertritt im Eifelkreis den Verein Experiment und sucht Familien für die Studenten. Sie ist froh, dass es Familien wie die Leinens gibt, die keine Vorbehalte haben oder bereit sind, solche abzubauen. Auch sie selber beherbergt regelmäßig ausländische Studenten.

Es waren Gäste aus China, aus Indonesien und vielen anderen Ländern dabei.  Karin Jung hat bisher keine schlechte Erfahrung gemacht, egal, ob die Gäste christlich oder muslimisch, stark gläubig waren oder nicht.

Derzeit macht sie sich etwas Sorgen, weil sie Gasteltern für eine Gruppe ägyptischer Studenten sucht. Sie hofft, dass die eine oder andere Familie daran interessiert ist, einen dieser Menschen mit muslimischem Glauben kennen zu lernen.

„Oft sind es Familien, die schon Erfahrung im Ausland oder mit Ausländern haben“, sagt Karin Jung.   Erstaunlich sei es, dass es häufig die Rentnerin mit der kleinen Wohnung sei, die Platz schaffen muss für einen Gast, und weniger wohlhabende Familien, die ausreichend Gästezimmer hätten. Die Fahrten zu den Gastfamilien werden zunächst vom Auswärtigen Amt bezahlt, dann aber vom Verein übernommen. Die Familien bekommen sieben Euro pro Tag, während der Gast da ist.

Für Lydia Leinen sind die Besuche der Ausländer immer eine Bereicherung. Sie erfährt viel über die Menschen und die Länder, aus denen sie kommen.

Auch die Gäste erfahren viel über die deutsche Lebensweise. Häufig würden die jungen Gäste in Restaurants geführt. Hermann zum Beispiel habe nur afrikanisches Essen gekannt. Während seiner Zeit in der Eifel lernte er auch italienisches, chinesisches und natürlich deutsches Essen kennen.

Und bisher sind Freundschaften entstanden, die über den Besuch hinauswirken. Einen ihrer Gaststudenten hat Lydia Leinen mit ihrem Mann in Berlin besucht. Die Freude auf beiden Seiten sei riesengroß gewesen.

Oder die Studenten kommen nochmal zurück in die Eifel. So wie bei Hermann, der auch den Kontakt per Whatsapp hält. Er wohnt derzeit in Köln und arbeitet, um etwas Geld für sein Studium anzusparen. Für das Fußballturnier ist er gerne noch einmal angereist zu seiner deutschen Mama.

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