Der verlorene Brunnen in der Eifel

Umwelt : Der verlorene Brunnen in der Eifel

Eine Quelle in Beilingen wird Mitte des Jahres vom Netz genommen. Schon jetzt läuft sie kaum – auch, weil es krebserregende Chemikalien im Wasser gibt. 

Mit bloßem Auge sind sie nicht zu erkennen. Auch riechen können Menschen sie nicht. Das Wasser im Beilinger Brunnen ist klar, wie das in allen anderen Eifeler Brunnen auch. Und doch schwimmt etwas mit: krebserregende Chemikalien, sogenannte Perfluorierte Tenside (PFT) werden seit Jahren in der Quelle nachgewiesen.

Die Stoffe kamen wohl auf der nahen Air Base Spangdahlem zum Einsatz – etwa in Löschschäumen der Feuerwehr auf dem Stützpunkt. Durch Kanäle und Drainagen haben sie sich ins Umland gewaschen, und offensichtlich auch ins Grundwasser. Ausgerechnet der Brunnen liegt nur 2,8 Kilometer von einem kontaminierten Gelände entfernt.

Seit 2015 wird er deshalb regelmäßig untersucht. Zu Anfang haben die Verbandsgemeindewerke Speicher das Trinkwasser jeden Monat testen lassen. Inzwischen gibt es einen zweimonatigen Rhythmus. Stark verändert haben sich die Schadstoffwerte seitdem aber nicht.

Die jüngsten Zahlen vom 4. Dezember weisen eine Verunreinigung von 23 Nanogramm pro Liter auf. Gemessen wurde die Summe von sieben gefundenen PFT-Verbindungen. Vom nachweislich schädlichen und verbotenen PFOA wurden sechs Nanogramm je Liter nachgewiesen. Solche Konzentrationen gelten der Trinkwasserkommission als gesundheitlich unbedenklich. Nach Meinung von Experten könnte ein Mensch jeden Tag Wasser, das mit 100 Nanogramm PFC pro Liter belastet ist, trinken, ohne ein Risiko einzugehen. Fachleute wie Manfred Weber von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord warnten allerdings schon 2014 davor, die Gefahr zu unterschätzen. Denn jederzeit könne sich die Belastung in den kritischen Bereich erhöhen.

Bald wird die Quelle aber offiziell vom Netz gehen. Mitte 2019 soll das Speicherer Land nämlich über die kilometerlange Trasse des Regionalen Verbundsystems Westeifel mit Wasser versorgt werden. 2015 hatte die Verwaltung die Anlage bereits auf Minimalbetrieb heruntergefahren: eine Stunde täglich läuft der Brunnen seitdem. Ganz abklemmen möchte die Verbandsgemeinde ihn aber nicht – als „Beobachtungsbrunnen“ und zur Notversorgung soll er erstmal erhalten bleiben.

„Ich stelle mit Erleichterung fest, dass er nicht vollständig geschlossen wird“, sagt Agnes Tillmann-Steinbuß. Die Speichererin, die sich im  Verbandsgemeinderat und für den Bund für Umwelt und Naturschutz im Eifelkreis engagiert, fordert aber mehr: „Die VG Speicher sollte die Festlegung der Wasserschutzgebiete für das Gebiet neu beantragen.“ Andernfalls laufe die Frist für den Schutz der Wasserversorgung in der Trier-Bitburger-Luxemburger-Mulde aus. Nach wie vor hält Tillmann-Steinbuß es für eine „Katastrophe, dass einer der  besten Brunnen verunreinigt wurde.“ Ihrer Meinung nach müsste die VG von der Air Base Spangdahlem beziehungsweise von der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) Schadenersatz einfordern. Und gegebenenfalls Klage erheben. Zu diesen Anliegen hat Tillmann-Steinbuß auch eine schriftliche Anfrage in den VG-Rat eingebracht, die die Verwaltung beantworten muss.

Der Brunnen in Beilingen ist übrigens nicht der einzige in der Region, der mit PFT belastet ist. Auch eine Quelle in Sülm ist verunreingt, sowie einige Anlagen im Kylltal.