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Der verregnete Sommer lässt den Pilzexperten Peter Winandy im Eifelwald früh in die Saison starten

Der verregnete Sommer lässt den Pilzexperten Peter Winandy im Eifelwald früh in die Saison starten

Wenn sich andere ärgern, weil der Sommer verregnet ist, kommt bei dem leidenschaftlichen Pilzsammler Peter Winandy große Freude auf. Denn dank der feuchten Witterung ist das Pilzjahr 2016 sehr früh gestartet. Der TV geht mit dem Wald- und Wiesenkenner auf die Suche.

Pfifferling, Steinpilz und Maronen-Röhrling: Die meisten Pilzsammler beschränken sich auf die populären Sorten, wenn sie im Eifelwald auf die Pilzpirsch gehen. Denn Pfifferling und Co. sind leicht zu erkennen und nur schwer mit giftigen Exemplaren zu verwechseln.

Doch wer mit dem Wald- und Wiesenkenner Peter Winandy aus Utscheid loszieht, der kann seinen Horizont in punkto Speisepilzen enorm erweitern. Denn der 62-Jährige ist seit 50 Jahren im Eifelwald unterwegs. Er kann 40 heimische Speisepilze unterscheiden, bestimmen und in der Küche zu schmackhaften Gerichten zubereiten. "Meinen Lieblingspilz, den Grüngefelderten Täubling, lassen die meisten Pilzsammler links liegen", sagt Winandy, "denn der sieht ihnen zu gefährlich aus."Täubling ist sein Lieblingspilz


Dabei sei dieser Täubling mit seinem festem Fleisch und nussartigen Aroma eine echte Delikatesse, sagt der Meisterkoch, der in den 70ern als Koch im Bundeskanzleramt in Bonn Helmut Schmidt, ausländische Staatsoberhäupter und Minister beköstigt hat. Doch wie schmecken dem Koch seine Waldpilze am besten? "Natura, nicht zu heiß in Butter geschwenkt, nur mit Salz, Pfeffer und einem Esslöffel Sahne abgeschmeckt. Sonst übertüncht man das Aroma."
Da Winandy nun seit zwei Jahren Rentner ist, hat er Zeit, sich ganz seinem Hobby zu widmen: Pilze, Kräuter und weitere Früchte, die wild im Wald und auf Wiesen wachsen, zu sammeln und in der Küche zu verarbeiten.
Wenn sich andere über den verregneten Sommer ärgern, sagt sich Winandy: "Ich bin kein Sonnenanbeter. Mich freut das feuchte Wetter. Wenn es nach längerer Trockenzeit endlich kräftig regnet, explodiert es im Wald." Deshalb blickt er jeden Morgen in seinen Niederschlagsmesser. Nach längerer Trockenzeit brauche es mindestens 30 bis 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter an einem Tag, damit die Saison losgehen könne, meint Winandy. Erst 14 Tage nach solchen Regengüssen zieht er los. "Die meisten Pilzsammler gehen mit sieben bis zehn Tage nach dem Regen zu früh los und sind dann enttäuscht, dass sie nichts finden." Wenn es wöchentlich mindestens 10 Liter pro Quadratmeter weiter regne, erklärt Winandy, könne man frohen Mutes weiter Pilze suchen gehen. "Die Pfifferlinge gingen dieses Jahr sehr früh los", meint er. Bereits am 14 Juni habe er Exemplare entdeckt. Nun wartet er auf die große Steinpilzwelle - einige Exemplare hat er schon entdeckt, die er in Kürze nach dem nächsten Regen erwartet.
"Ich freue mich besonders schon auf den violetten Ritterling und den Zigeuner", sagt Winandy. Auch diese beiden Sorten, die in den Eifelwäldern heimisch sind, zählen zu seinen Favoriten.Pilzsaison endet Silvester


Doch Laien rät der Experte, pro Jahr nur einen neuen Speisepilz ins Repertoire aufzunehmen, und sich nicht zu überfordern. "Zur Sicherheit bei neuen Sorten immer einen Pilz zur Seite legen, damit Mediziner im Notfall den Pilz bestimmen können, wenn es doch der Falsche war." Für seine Streifzüge bricht Winandy morgens stets sehr früh, so gegen 6 Uhr, auf. "Damit mir niemand folgt und meine Stellen kaputtmacht. Dazu parke ich mein Auto immer weit von meinen Sammelplätzen entfernt." Und wer seinen Wagen noch gegen Silvester am Waldrand parken sieht, der muss sich nicht wundern: Denn für ihn endet die Saison erst zum Jahreswechsel, wenn es den letzten Trompetenpfifferlingen zu kalt wird.

Das Landeswaldgesetz schreibt keine konkrete Menge vor, die man aus dem Wald entnehmen darf. Fest steht aber, dass man nur für den Eigenbedarf und nicht für Freunde und Bekannte sammeln darf: "Pilze, Beeren sowie Zweige, Blumen und Kräuter bis zur Menge eines Handstraußes dürfen nur für den persönlichen Bedarf entnommen werden. Ordnungswidrig handelt, wer sich Walderzeugnisse über den persönlichen Bedarf hinaus aneignet."Extra

Foto: (e_bit )
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Der falsche Pfifferling (links) sei wegen seiner eher orangen Farbe vom echten Pfifferling (rechts) mit seiner gelblichen Färbung leicht zu unterscheiden, sagt Pilzexperte Peter Winandy. TV-Fotos (4): Christian Moeris Foto: (e_bit )

Koch Peter Winandy hat für die TV-Leser ein passendes Rezept für die Sommerzeit aufgeschrieben: Einen Salat aus frischen Steinpilzen mit selbst gebackenem Brot. Salat: Für das Dressing einen Esslöffel (EL) Apfelessig, einen EL Leindotteröl und einen EL Sahne verrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und etwas gehackte Petersilie untermischen. Für den Steinpilzsalat frische junge Exemplare in dünne Scheiben schneiden, in eine Schüssel geben und das Dressing unterheben. Brot: 420 Gramm Weizenmehl vom Typ 1050 mit 30 Gramm Roggenmehl, 20 Gramm frischer Hefe, einem Teelöffel Salz sowie 350 Milliliter Wasser vermengen und über Nacht im Kühlschrank gehen lassen. Den Teig in einer gefetteten Backform bei 180 Grad Celsius etwa 50 Minuten im Ofen (Umluft oder Ober- Unterhitze) backen. Das Brot nach dem Backen eine Stunde ruhen lassen, anschneiden und zum Steinpilzsalat servieren. cmo