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"Der Wähler will keine Absprachen"

"Der Wähler will keine Absprachen"

Es kam, wie es kommen sollte: Wie im Vorfeld zwischen CDU und SPD besprochen, sind Günter Colling (SPD) und Lothar Wiemer (CDU) bei der konstituierenden Sitzung des Neuerburger Verbandsgemeinderats zum ersten beziehungsweise zweiten Beigeordneten gewählt worden. Ihnen zur Seite steht als dritter Beigeordneter Josef Wolter von der FDP.

Neuerburg. Manfred Schreiber aus Emmelbaum, eines von neun CDU-Ratsmitgliedern im neuen Neuerburger Verbandsgemeinderat, ist kein Mann, der ständig das Wort ergreift oder lautstark herumpoltert. Aber er ist auch keiner, der sich per se an das Abstimmungsverhalten seiner Fraktion hält, wenn er anderer Ansicht ist. Und so sorgte Schreiber am Donnerstagabend bei der konstituierenden Sitzung des Neuerburger Verbandsgemeinderats für das einzige "Störfeuer" bei der ansonsten fast vorhersehbaren Wahl der drei ehrenamtlichen Beigeordneten. Nachdem die drei Wahldurchgänge beendet waren, meldete sich der Ortsbürgermeister von Emmelbaum zur Überraschung aller zu Wort. "Ich habe bei der Fraktionssitzung meiner Partei gesagt, dass ich für die Position des ersten Beigeordneten kandidieren würde", sagte Schreiber, "aber ich habe gemerkt, dass ich nicht genügend Unterstützung aus meiner Fraktion bekomme, und ich wollte es nicht auf eine Kampfabstimmung ankommen lassen."

Kurios daran: Seine Fraktion, die CDU, unterstützte statt seiner nicht etwa einen anderen Kandidaten aus den eigenen Reihen. Nein, der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Berthold Majerus schlug dafür - wie mit der SPD abgesprochen - SPD-Mann Günter Colling vor. Dieser habe "außerordentliche kommunalpolitische Erfahrung", erklärte Majerus. Colling setzte sich als einziger Kandidat mit 15 Ja- gegen sieben Nein-Stimmen durch. Erst auf der Beigeordneten-Position zwei kandidierte ein Mann der CDU-Mehrheitsfraktion - vorgeschlagen von der SPD, mit fünf Sitzen zweitstärkste Fraktion: Lothar Wiemer erhielt als Einzel-Bewerber 16 mal "Ja" und fünfmal "Nein".

"Soll man nicht in der VG dazu übergehen, die Beigeordneten nach der Stärke der Fraktionen zu besetzen?", fragte Schreiber - auch angesichts der Tatsache, dass sich bei der Wahl zum dritten Beigeordneten Josef Wolter von der FDP gegen Peter Fisch von der Liste Lentes durchsetzte. Während die FDP nur mit zwei Vertretern in den Rat gewählt wurde, ist die Liste Lentes mit vier Mandaten drittstärkste Gruppierung im Rat.

"Der Wähler will keine Absprachen, sondern er will, dass man sein Votum achtet", betonte Schreiber. Seine Mahnung an den Rat aber kam für die Beigeordneten-Wahl zu spät.

Meinung

Chance vertan!

Die Wahl der Beigeordneten ist immer auch ein bisschen ein Fingerzeig, wer künftig im Rat wen unterstützen wird. Das ist in Neuerburg nicht anders als in anderen Verbandsgemeinden. Doch gerade dem Neuerburger Rat hätte es nach dem überharten, auf die persönliche Ebene abgerutschten Wahlkampf ganz besonders gut zu Gesicht gestanden, schon bei dieser ersten Wahl Einigkeit zu demonstrieren und einen Schluss-Strich unter die Querelen zu ziehen. Stattdessen setzen CDU, SPD und FDP gegen den Willen der anderen Fraktionen einen Mann als ersten Beigeordneten durch, der zweifelsfrei über viel politische Erfahrung verfügt, aber in den vergangenen Monaten auf Konfrontationskurs zum Bürgermeister und zu einigen Fraktionen gegangen ist. Zur Beilegung der Zwistigkeiten ist dieser Schachzug jedenfalls nicht geeignet. n.ebner@volksfreund.de