Der Waldbauverein Prüm und die aktuellen Probleme

Waldbauern : Wo geht’s lang im Wald?

Es gab bessere Jahre: Bei der Versammlung des Waldbauvereins Prüm drücken die Nöte infolge von Trockenheit und Käferattacken auf die Stimmung.

Bisher war die Jahresversammlung des Waldbauvereins Prüm ein Termin, bei dem viel gelächelt wurde. Trotz Problemen schauten die Mitglieder – mehr als 3500 hat der Verein, ein Zehntel davon sind in der Halle – meist auf beruhigende Zahlen und Entwicklungen: gute Verkäufe, vernünftige Preise, stabile Bestände.

Diesmal ist vieles anders. Stürme, zwei heiße und trockene Sommer, der massive Käferbefall (der TV berichtete), das lässt den Mitgliedern die Bilanzen und die Aussichten verdorren. Aloysius Söhngen, der Vorsitzende des Vereins und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Prüm, setzt auf die Hoffnung, dass zumindest das bisher viele Nass des Winters helfe, den Borkenkäfer zu bekämpfen.

Großes Interesse: 300 Waldbauern kamen zur Versammlung in der Karolingerhalle. Foto: Fritz-Peter Linden

Und er bricht eine Lanze für die Besitzer, die den Wald, jawohl, auch wirtschaftlich nutzen, ihn zugleich aber pflegen, sich kümmern, einen Beitrag zum Klimaschutz leisten: Auch wenn mancher „emotionale Waldversteher“ sich überall nur noch Urwälder wünsche.

Ganz neue Einblicke zum Thema Holzbau: Winfried Schaal. Foto: Fritz-Peter Linden

Zuerst aber musste das „Käferholz“ raus aus den Beständen – und es will verkauft sein. Die Preise aber fallen, vernünftige, sorgsam geplante Bewirtschaftung ist unter diesen Umständen kaum möglich. Also, sagt Vereinsgeschäftsführer Peter Wind, zugleich Chef des Forstamts Prüm, herrsche eine große Unruhe – Motto: „Ich weiß nicht, was auf mich zukommt, muss aber auf alles vorbereitet sein.“

Was tun im Wald? Olaf Böhmer Chef des Forstamts Neuerburg. Foto: Fritz-Peter Linden

Dieses „Getriebensein anstatt eines geplanten, gesteuerten Vorgehens im Wald“, mache allen zu schaffen. 72 500 Kubikmeter Holz hat der Vermarkter des Vereins, die Prümer Wald und Holz GmbH (PWH), verkauft. Es war „fast ausnahmslos Schadholz durch Stürme und Käfer“, pro Kubikmeter erlöste man rund 46 Euro, 30 Prozent weniger als in Normaljahren, in denen man etwa 65 Euro für den Kubikmeter bekommt. Wind: „Zwangsweise anfallendes Schadholz zu schlechten Preisen vermarkten zu müssen, ist für alle Beteiligten eine Belastung.“

Bei der Fichte, das sagt Maria Pilzecker, Prokuristin der PWH, sei das besonders deutlich: Der Verkaufspreis sank dort um die Hälfte. So haben alle schon genug zu tun mit der Handhabung der Probleme. Aber dennoch – und da kann auch der Geschäftsführer einmal nicht ganz so abgeklärt-freundlich bleiben wie sonst – gebe es immer wieder ärgerliche Anrufe. Motto: Warum sei das Holz immer noch nicht bezahlt, warum die Preise so schlecht, warum sei der Förster noch nicht da gewesen. Allerdings, das sagt Peter Wind auch, seien diese Anrufer in der Minderheit.

Was aber ist zu tun, damit die Wälder sich erholen? Immerhin gibt es Hilfe: In seinem Grußwort verweist Michael Billen, CDU-Landtagsmitglied und Beigeordneter des Eifelkreises, auf die Mittel, die man in Mainz parteiübergreifend für die Waldbauern bereitgestellt habe: „Wir werden Ihnen den Schaden nicht ersetzen können. Aber wir werden Ihnen helfen, mit dem Schaden zurechtzukommen.“

Jens Jacob, Chef der Landesforsten, nennt die Zahlen: Etwa 15 bis 16 Millionen Euro pro Jahr seien es im Land – und die Waldbauern jetzt dazu aufgerufen, das Geld auch zu beantragen. Darüber hinaus habe Umweltministerin Ulrike Höfken (Bündnis 90/Die Grünen) einen Vorschlag nach Berlin geschickt: Wer klimabewusst aufforste, soll ebenfalls Geld dafür erhalten. Ob das bei der Bundesregierung durchgeht – unklar. Da sei noch „ein dickes Brett“ zu bohren.

Bis dahin sind die Waldbesitzer damit beschäftigt, die Kalamitäten zu verringern. Wie? Dazu spricht Olaf Böhmer, Leiter des Forstamts Neuerburg. Er erinnert an einen Vortrag, den er bereits 2007 in Prüm hielt. Thema: Klimawandel. Was er damals alles in Aussicht stellte, habe sich „nicht nur bewahrheitet, sondern rapide verschlechtert. Und das in gerade mal 13 Jahren“. Allein der Temperaturanstieg weltweit mache klar, „dass der Klimawandel mit rasanten Schritten auf uns zukommt“.

Frage: Welcher Baum ist denn nun der richtige? Antwort: gar nicht so einfach. Alle Arten hätten in den vergangenen Jahren gelitten. Und noch könne niemand verlässlich sagen, wie sie auf den Wandel reagieren.

Klar sei: Die Fichte, bisher „Brotbaum“ der Eifeler Waldbauern, werde künftig nicht mehr diese Leistung erbringen können. Das heiße nicht, dass man sie jetzt überall ausreißen müsse. Aber sie sei „ein Baum mit hohem Risiko“.

Die Douglasie sei nur an sehr guten Standorten als Ersatz geeignet, bringe dann aber deutlich mehr Ertrag. Auch die Buche leide, komme aber besser mit Trockenheit zurecht.

Andere Bäume könne man „durchaus probieren“, sagt Böhmer, aber die Komplettlösung gebe es nicht. Eichen und Tannen böten eine Chance, fielen aber immer wieder dem Wild zum Opfer. Also müsse man in diesem Fall auf die Jäger zugehen.

Am Ende stehe der Waldbesitzer vor einem Spagat: einerseits klima­stabil aufzuforsten, auf der anderen Seite aber eben auch wirtschaftlich effektiv zu handeln. Kurz: kompliziert alles. Fazit von Aloysius Söhngen: „So was ganz Genaues weiß man nicht.“

Und deshalb appellieren beide an die Waldbesitzer, sich Rat zu holen bei den Forstämtern. Einen Hinweis gibt Peter Wind im Anschluss: „Risikostreuung. Beispiel Buche oder Weißtanne, aber auch weiter mit der Fichte arbeiten und nicht nur auf eine einzige Baumart setzen.“

Winfried Schaal lässt die sorgengeplagten Waldbauern dann kurz davon träumen, was mit gutem Holz alles möglich ist: Der gebürtige Prümer, heute Chef der Projektabteilung beim norwegischen Holzkonzern Moelven (TV von Donnerstag), präsentiert eine Reihe von Bauten, die sein Unternehmen dort in die hinreißende Landschaft gestellt hat. Schulen, Bäder, Brücken, Wohnanlagen und vieles mehr. Da möchte man am liebsten gleich zum Norweger werden.