Der Wind ist für alle da

Bürger aus neun Gemeinden in der VG Neuerburg haben eine Genossenschaft gegründet, um einen Windpark zu realisieren. Wenn der Wind bläst, sollen alle am Gewinn aus dem erzeugten Strom teilhaben. Bis zum Abschluss der Planungsphase im Herbst 2013 muss die Genossenschaft aber noch kräftig wachsen, um die Windräder zu finanzieren.

Bauler. Rund 1000 Menschen leben in den Ortsgemeinden Bauler, Waldhof-Falkenstein, Rodershausen, Dauwelshausen, Sevenig, Scheitenkorb, Karlshausen, Herbstmühle und Berscheid. Fast ein Viertel, genauer gesagt, 232 Einwohner der neun Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde (VG) Neuerburg, sind seit der Gründungsversammlung der Westeifler Enerneuerbare Energie Genossenschaft eG (WEEG) im November 2011 beigetreten - zuvor wurde den Bürgern an einigen Informationsabenden das Modell vorgestellt. "Wir sind aber noch nicht weiter in die Offensive gegangen - Werbung ist noch gar keine gelaufen", sagt Robert Geisen, einer der sieben Aufsichtsräte der WEEG. Erst seit Juli sei diese im Genossenschaftsverband aufgenommen: "Und das wollten wir abwarten, bevor wir an eine breitere Öffentlichkeit gehen", sagt Geisen.
Seit eineinhalb Jahren wird die Idee eines Windparks, der für alle Bürger bares Geld abwerfen kann, diskutiert - mit 500 Euro Mindesteinlage kann Genosse werden, wer einen Wohnsitz im Eifelkreis Bitburg-Prüm hat, aber auch Kommunen der Verbandsgemeinde Neuerburg haben die Möglichkeit, Anteile zu erwerben. Die neun eingangs erwähnten Gemeinden sind der Genossenschaft bereits beigetreten, mit den Gemeinden Koxhausen, Nasingen und Muxerath wird zurzeit gesprochen. "Wenn jemand gerne teilnehmen möchte, das Geld aber nicht sofort zur Verfügung hat, kann die Summe auch gestundet werden, denn schließlich erwarten wir für die unmittelbar von den Windkraftanlagen betroffenen Bürger, die auch Genossen sind, eine Rendite von rund 300 Euro im Jahr", sagt Georg Högner, der im Vorstand der WEEG sitzt.
Weiterhin wird die WEEG für ihre Genossen zum Stromanbieter: Mitglieder sollen lediglich vier bis fünf Cent pro Kilowattstunde zahlen. Die Durchleitungsgebühr der RWE und die Mehrwertsteuer werden hierbei noch aufgeschlagen. Bis zu 25 Windkraftanlagen könnten auf den Höhenzügen rund um das Gaytal entstehen und den reichlich vorhandenen Wind im Islek in bare Münze umwandeln.
Idee kommt bei den Bürgern an


21 Vorrangsflächen sind ausgewiesen - für zehn mögliche Standorte liegen bereits Pachtverträge mit den jeweiligen Grundstückseigentümern vor. "Wie viele Windräder die WEEG letztendlich aufstellen kann, erfahren wir im Dezember, wenn im Verbandsgemeinderat eine Entscheidung über den Mindestabstand zu Wohnsiedlungen fällt", sagt Georg Högner. Je dichter die Windräder an den Häusern stehen dürften, desto mehr könnten gebaut werden. "Denn der Platz ist begrenzt. Die Gegend ist relativ dicht besiedelt." Laut einer Wahrscheinlichkeitsrechnung, die die WEEG erstellen ließ, können zehn Prozent der Einnahmen aus dem Stromverkauf für Pachtzahlungen und Entschädigungen ausbezahlt werden (siehe Extra).
Protest aus der Bevölkerung gebe es nur in Einzelfällen, sagt Robert Geisen, Ortsbürgermeister von Sevenig und Aufsichtsratsmitglied der WEEG: "Wir haben seit der Gründung der Genossenschaft sehr viel Wert auf Transparenz gelegt und die Bürger ehrlich informiert." Es sei klar, dass Windkraftanlagen der geplanten Größe eine Geräuschbelästigung und optische Beeinträchtigung zur Folge hätten. "Aber da wir hier nicht vom Tourismus leben, die Gemeindekassen chronisch klamm sind und Energie immer teurer wird, nimmt die überwiegende Mehrheit unserer Bürger die Idee sehr gut an."Extra

Die Einnahmen, die aus dem geplanten Windpark fließen, sollen auf vier gleiche Teile entfallen: 1. Der Pachtpreis für dauerhaft überbaute Flächen (etwa für Fundamente für Windräder, Zuwegung, Stationsgebäude) beträgt mindestens fünf Euro pro Quadratmeter und Jahr. 2. Für die zur Baugenehmigung erforderlichen landespflegerischen Ausgleichflächen, Baulasten im Umkreis der Windkraftanlagen und Flächeninanspruchnahme von anderen Grundstückseignern entfällt ein weiteres Viertel der Einnahmen. 3. 25 Prozent der Gesamtpacht sollen an die Bürger ausgezahlt werden, soweit sie Genossen sind - als Ausgleich für die Belästigung durch Schall, Schatten und der Veränderung der Landschaft. 4. Die letzten 25 Prozent gehen an die Gemeinden, die Genosse sind - entsprechend der Zahl der Windräder auf ihrer Gemarkung. Die Gelder sollen in den Ausbau einer gemeinsamen Infrastruktur fließen. nowExtra

Der Eigenanteil der Gesamtkosten einer Windkraftanlage (20 Prozent) liegt bei rund einer Million Euro, den Großteil verschlingen Planungskosten und Genehmigungsgebühren. Bis zum Abschluss der Planungsphase im Herbst 2013 will die WEEG genug Genossen mobilisieren, um den Eigenanteil für mindestens ein Windrad zu erreichen. Die restlichen rund vier Millionen Euro für den Bau einer Anlage kommen aus Bankkrediten und Förderungen zusammen. Ein Windrad der E115-Klasse (Nabenhöhe 149 Meter, Rotordurchmesser 115 Meter) erzeugt laut WEEG acht Millionen Kilowattstunden im Jahr. Eine Kilowattstunde wird laut Erneuerbare Energiengesetz (EEG) mit 8,9 Cent vergütet. Somit liegt der Ertrag bei rund 712 000 Euro im Jahr. Nach Abzug der Anschaffungs-, Abschreibungs-, und Betriebskosten der Anlage, Kosten für Versicherungen und Verwaltung, sollen zehn Prozent der Erträge als Pachtzahlungen an Genossenschaftsmitglieder ausgezahlt werden. Infos: www.die-weeg.de now