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Der Wirtschaftsplan des Forstamtes Hillesheim weist für das laufende Jahr einen Fehlbetrag auf

Wirtschaft : In Generationen denken, funktioniert nicht mehr

Der Wirtschaftsplan des Forstamtes Hillesheim weist einen Fehlbetrag auf. Der Abwärtstrend könnte weitergehen.

Unterm Strich rechnet das Forstamt Hillesheim mit einem Minus von rund 25 000 Euro im Jahr 2020. Dazu trage wesentlich der Holzpreis bei, der nach zwei äußerst trockenen Sommern und großflächigem Borkenkäferbefall in Deutschlands Wäldern im freien Fall ist, sagt Forstamtsleiter Johannes Pinn. „Die befallenen Bäume werden gefällt, in der Folge überschwemmt das aus ihnen produzierte Holz den Markt.“ Das eherne Gesetz von Angebot und Nachfrage bestimmt den Preis: In diesem Jahr erbringt der Verkauf eines Festmeters 38,9 Euro – doch die Produktion dieses einen Festmeters verschlingt 27,8 Euro. Dem Waldbesitzer bleibt ein Erlös von rund 11 Euro.

Zum Vergleich: 2019 ließ sich ein Festmeter (FM) noch für 58,2 Euro verkaufen, 2018 knickte der Preis auf 43 Euro ein, doch noch 2017 zahlten die Einkäufer 76,8 Euro je Festmeter. Die kargen Erlöse treiben nicht nur Privatwaldbesitzern die Sorgenfalten auf die Stirn: Die Betriebsflächen des Forstamtes Hillesheim bestehen zu 75 Prozent (8843 Hektar) aus Kommunalwald, die fallenden Preise machen sich damit unmittelbar in den Gemeindekassen bemerkbar. Zudem sorgen die laufenden Kosten des Forstbetriebs für ein Minus im Haushaltsplan der Stadt Hillesheim.

Zwar erbringt der geplante Jahreseinschlag rund 21 500 Euro, erklärt Forstamtsleiter Pinn, doch dem errechneten Gewinn stehen unter anderem Ausgaben für Waldpflege, Wildschutz und Wegeunterhalt gegenüber – und Personalkosten. „In der Summe ein Saldo von genau 24 779 Euro“, sagt Pinn. Es sei aber nicht das erste Mal, dass Umwelteinflüsse Auswirkungen auf die Betriebsergebnisse hätten, erzählt Johannes Pinn, übrigens ein Studienkollege von Deutschlands derzeitigem „Lieblingsförster“ Peter Wohlleben.

„Die verheerenden Stürme Ende der 80-er Jahre und zu Beginn der Nuller Jahre haben große Löcher in die Kasse gerissen.“ Damals hätten die Verluste wesentlich höher gelegen –  und doch habe sich der Holzpreis immer wieder erholt. „Die Kurve kann schon im kommenden Jahr wieder nach oben zeigen, Voraussetzung dafür ist aber, dass wir 2020 genug Regen abbekommen.“ Die Hitze und der fehlende Niederschlag der vergangenen zwei Jahre haben verheerende Folgen für den Wald. „Und zwar nicht nur auf die Fichte, den sogenannten Brotbaum der Eifel, sondern auch auf Laubbäume.“ Die Trockenheit schwäche die Bäume, „Borkenkäfer und andere Parasiten haben leichtes Spiel.“ Die Forstexperten hätten bereits nach den katastrophalen, durch Stürme wie Wiebke (1990), Kyrill (2007) oder Lothar (1999) verursachten Waldschäden, die vor allem die Fichte betrafen, Maßnahmen ergriffen, um Monokulturen durch Mischwälder zu ersetzen. „Damit haben wir nicht erst gestern begonnen“, sagt Pinn. Doch es zeige sich, dass der Klimawandel inzwischen immer einen Schritt voraus sei.

„Wir Förster haben früher in Generationen gedacht, wenn es um die Pflege und die Nachhaltigkeit im Wald ging. Doch die derzeitigen Veränderungen schreiten für langfristige Planungen zu schnell voran.“ Man wisse nicht, wie es um den Wald in wenigen Jahren stehe, resümiert Pinn. Bereits zwei dürre Jahre haben wirtschaftliche Folgen und sorgen in manchen Belangen für ein Umdenken – auch in Sachen Waldpflege: „Einigen Privatwaldbesitzern können wir nur dazu raten, die Bäume stehen zu lassen, wenn der Borkenkäfer durch ist und keine Verkehrssicherungspflicht besteht“, sagt der Förster. „Im Augenblick sind die Kosten für die Verarbeitung höher, als der Erlös.“

Auch das Forstamt Hillesheim wartet auf steigende Preise und richtet den geplanten Einschlag danach aus. „Es bringt nichts, wenn wir den Markt mit zusätzlichem Holz überschwemmen“, sagt Johannes Pinn.

(now)