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Der Zettel-Zank von Gönnersdorf

Der Zettel-Zank von Gönnersdorf

Eine lebhafte Diskussion - und am Ende noch einmal richtig Krach: Das ist das Ergebnis des Bürgergesprächs zur Kommunalreform und den Fusionsabsichten zwischen der Oberen Kyll und Prüm am Dienstagabend in Gönnersdorf.

Gönnersdorf. Geladene Stimmung in Gönnersdorf - der Grund: die unterschiedlichen Meinungen darüber, ob die Gemeinde, wie vom Rat beschlossen, die Fusion der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll mit Prüm unterstützen oder sich der VG Gerolstein anschließen soll (siehe Extra).
Anlass zum Disput liefert auch die Befragung, die vier Bürger, darunter die Ratsmitglieder Werner Stabel und Josef Vietoris, im Ort vornehmen. Stabel und Vietoris sprechen sich für Gerolstein aus (TV von Mittwoch).
Die rund 50 Bürger im Gemeindehaus hören zunächst einen Abriss von VG-Chefin und Gönnersdorfer Mitbürgerin Diane Schmitz zu den gescheiterten Verhandlungen mit Gerolstein und Hillesheim. Sie rechnet noch einmal vor, warum sie Prüm für die einzige Option hält: nur so werde man die Schulden los und spare dabei sogar. In Gönnersdorf blieben dann jedes Jahr 70 000 Euro in der Kasse.
Und nein, schöngerechnet, wie ihr vorgeworfen werde, seien die Zahlen nicht. Sie bündelt die Argumente: Keiner außer Prüm sei bereit, mit der Oberen Kyll zu fusionieren. Bei einem Ausscheren von Dörfern nach Gerolstein drohe der Verlust von Verwaltungsstellen, der Realschule plus in Jünkerath und die Aussicht, nie von den Schulden wegzukommen. Am Ende: Applaus.
Ortsbürgermeister Walter Schmidt eröffnet die Fragerunde. Werner Stabel, Co-Initiator der Befragung, plädiert noch einmal dafür, die Bürgermeinung einzuholen: "Es ist noch nicht zu spät, sich neu zu orientieren." Josef Vietoris verweist darauf, dass es "kein Problem" sei, sich Gerolstein anzuschließen, er verstehe nicht, warum Schmidt so gereizt auf die Befragung reagiere, die anstehenden Entscheidungen seien zu wichtig, um dabei die Bürger außen vor zu lassen.
Schmidt bleibt kategorisch: Der Ortsgemeinderat sei demokratisch gewählt. "Und dieser demokratisch gewählte Gemeinderat hat mehrheitlich entschieden." Es sei bedauerlich, dass das nun von Ratsmitgliedern torpediert werde. Auch er sei zwar mit dem Herzen vielleicht näher an Gerolstein - aber eben auch dem Wohl der Gemeinde verpflichtet. Und das sei vor allem das finanzielle Wohl, das erreiche man nur mit Prüm.
Dann spricht Heinz Reifferscheid - Bürger von Gönnersdorf und Ex-Chef der VG-Werke: Er habe immer zur Großfusion mit Hillesheim und Gerolstein tendiert, sagt er. Aber die Verhandlungen seien gescheitert. "Und da muss man eben versuchen, das Beste für die Bürger herauszuholen." Das sehe er nun im Zusammenschluss mit Prüm. An die Initiatoren der Bürgerbefragung gewandt, sagt er: "Was wollen Sie damit?" Er zitiert aus dem Begleitschreiben, in dem diese eine Teilung der VG als vorteilhaft ansehen. Reifferscheid sieht es ganz anders: "Das wäre das Schlimmste, was uns passieren kann."
Diane Schmitz verweist darauf, dass sie keine Abspaltung unterstützen werde: Sie habe einen Auftrag vom Rat, dass man nur in Gänze zu fusionieren habe. Werner Stabel wirft sich noch einmal für eine kreisinterne Fusion ins Zeug, Diane Schmitz will davon nichts mehr wissen -man habe das lange genug versucht.
Dann kriegen sich Vietoris und Schmidt noch einmal richtig in die Wolle - ein Scharmützel, das die Bürger nicht goutieren. Diane Schmitz verkürzt die Angelegenheit: Sie nimmt sich den gelben Zettel aus der Befragung von Stabel, Vietoris & Co, macht ihr Kreuz demonstrativ bei Prüm. "Das ist die einzige Wahl für uns", sagt sie - und erntet wieder Applaus. fpl
Extra

Die Verbandsgemeinderäte von Prüm und der Oberen Kyll haben einstimmig beschlossen, eine kreisübergreifende Fusion ihrer beiden Kommunen anzugehen, nachdem die Landesregierung dazu die Genehmigung erteilte. In elf der 14 Gemeinden an der Oberen Kyll liegen dazu unterstützende Beschlüsse vor, sechs von ihnen sind dabei an Bürgerentscheide gebunden, in denen sich die Wahlberechtigten klar für Prüm aussprachen. In Birgel und Lissendorf ergab sich bei einer Befragung im Mai eine Mehrheit für einen Wechsel zu den Gerolsteiner Nachbarn. In Steffeln liegt dazu ebenfalls ein Bürgerentscheid vor. fpl