Der Zweckverband Flugplatz will die Stadt an der Stadt vermarkten

Bitburg · Die Idee: Der Zweckverband Flugplatz Bitburg, in dem sich Stadt, Kreis, die Verbandsgemeinde Bitburger Land und die beiden Anrainergemeinden Scharfbillig und Röhl engagieren, soll um das Gelände der alten Kasernen erweitert werden. Heute berät darüber der Verbandsgemeinderat.

Bitburg. Es geht um ein großes Stück Bitburg. Rund zehn Hektar umfasst das Areal der alten Kaserne an der Mötscher Straße und ist damit in etwa so groß wie die gesamte Innenstadt. 2,8 Millionen Euro sind der Boden sowie die 21 Gebäude nach einem Gutachten der Bundesimmobilienanstalt (Bima) wert. Allein 14 der riesigen Blocks stehen unter Denkmalschutz. Einfach abreißen ist also keine Lösung.15 Fußminuten bis in die Stadt


Für die Stadt Bitburg und den gesamten Eifelkreis ist die Umnutzung der alten Kaserne die größte Konversionsaufgabe, seit die Amerikaner 1994 den Flugplatz an die Bundesrepublik zurück gegeben haben. Der Reiz der Aufgabe: Das weitläufige Areal ist in nur knapp 15 Minuten zu Fuß vom Südende der Fußgängerzone zu erreichen. Es könnte ein neues Stadtviertel werden. So jedenfalls sieht das der Plan vor, den der Stadtrat vor etwa einem Jahr beschlossen hat. Darin ist vorgesehen, das Gelände als Mischgebiet zu entwickeln: ein Mix aus Wohnen, Dienstleistung, Bildung und Gewerbe. Offen war damals noch, wer das Gelände, das seit 2012 offiziell zurück an die Bundesrepublik ging, vermarktet.
Eine Idee, die bereits vor Jahren diskutiert, dann aber wegen des damals noch ausstehenden Wertgutachtens nicht abschließend beraten wurde, macht nun erneut die Runde. Es geht um die Erweiterung des Zweckverbands Flugplatz Bitburg (siehe Extra), der seit 20 Jahren Verhandlungspartner der Bima bei der Vermarktung des gewerblichen Teils des ehemaligen Militärgeländes rund um den Tower ist. Hintergrund der Idee ist, das Gebiet des Zweckverbands Flugplatz zu erweitern: "Die Konversion der alten Kasernen und später auch der benachbarten US-Housing ist nicht nur für die Stadt Bitburg, sondern für die Gesamtregion von Bedeutung. Für den Eifelkreis und die Verbandsgemeinde (VG) Bitburger Land ist es von Interesse, dass die Entwicklung der Konversionsliegenschaften in der Stadt im Einklang mit den regionalen Erfordernissen und Entwicklungszielen erfolgt." Heißt: Kreis und VG hätten bei der Zweckverbands-Variante ein Mitspracherecht, wie viel Gewerbe oder aber auch Schulen und Verwaltungen weiter in Bitburg konzentriert werden können und sollen.
Die Kreisverwaltung könnte sich vorstellen, Archivräume in eines der Kasernengebäude zu verlagern. Dieses Gebäude könnte zudem auch als Ausweichquartier während der anstehenden Sanierungsarbeiten im Kreishaus genutzt werden (der TV berichtete). Auch ein Umzug der Kreismusikschule ist nicht ausgeschlossen. Parallel gibt es bei der Stadt Überlegungen, den Standort der Volkshochschule eventuell in die Kaserne zu verlagern.
Stadtrat und Kreistag haben bereits Ende September einer Erweiterung des Zweckverbands Flugplatz zugestimmt. Heute entscheidet darüber der Verbandsgemeinderat. scho
Der Rat der Verbandsgemeinde Bitburger Land tagt heute, um 15 Uhr, in Malberg.Meinung

Starke Partner mit Erfahrung
Wäre die Kaserne vor 20 Jahren mit dem Flugplatz frei geworden, wäre es wohl selbstverständlich gewesen, dass der gleiche Zweckverband beide Liegenschaften entwickelt. Beim Flugplatz hat der Zweckverband gezeigt, dass es Sinn macht, auch ein mit 500 Hektar riesiges Areal kleinteilig zu vermarkten, anstatt auf einen Großinvestor zu hoffen, der die ganze Fläche übernimmt. Mal abgesehen davon, dass solche Großinvestoren nicht gerade Schlange stehen, hat diese Herangehensweise einen weiteren Vorteil: Kreis, Stadt und Verbandsgemeinde behalten die Zügel bei der Entwicklung des Areals in der Hand. Es ist der richtige Schritt, die erfolgreiche Kooperation der Kommunen bei der Entwicklung des Kasernengeländes fortzusetzen. Offen bleibt, warum ausgerechnet die Stadt Bitburg so lange gebraucht hat, dieser naheliegenden Idee zuzustimmen. d.schommer@volksfreund.deExtra

Der Verband: Im Zweckverband sollen die Stadt Bitburg (37 Prozent), der Eifelkreis (37 Prozent), die VG Bitburger Land (24 Prozent) sowie Scharfbillig und Röhl (je ein Prozent) zusammenarbeiten. Der Flugplatz: Das rund 500 Hektar große Flugplatz-Gelände ging 1994 zurück an den Bund. Die Vermarktung hat der ZV Flugplatz übernommen. Heute siedeln dort 178 Unternehmen. Die Kaserne: Von 1936 bis 1938 für die Wehrmacht gebaut, wurde die Kaserne nach dem Krieg erst vom luxemburgischen, dann vom französischen und ab 1985 vom amerikanischen Militär genutzt. Die Housing: 1953 waren die meisten Blocks auf dem 65 Hektar großen Areal, das direkt an den Kasernen-Bereich grenzt, bezogen. Voraussichtlich 2018 soll auch die Housing frei werden. scho