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Des einen Freud` ist des anderen Leid - Geplante Änderung des Kylltalradwegs stößt auf Widerstand

FOTO: Uwe Hentschel (uhe) ("TV-Upload Hentschel"
Erdorf/Wilsecker. Im Rahmen eines Bodenordnungsverfahrens, das im Gebiet der Kyllschleife westlich von Kyllburg geplant ist, soll auch der dortige Verlauf des Kylltalradwegs verändert werden. Zukünftig würde der Weg dann über Malberg und Fließem nach Bitburg führen. So werde der Weg familienfreundlicher, heißt es. In den Gemeinden Erdorf und Wilsecker, die dadurch zukünftig nicht mehr an der Trasse lägen, will man sich damit jedoch nur ungern bis gar nicht anfreunden. Uwe Hentschel

Erdorf/Wilsecker. Schaut man sich den Verlauf des Kylltalradwegs auf der Karte an, so fällt auf, dass es zwischen Kyllburg und Erdorf einen Abschnitt gibt, in dem die Kyll ganz anders verläuft als der Radweg. Und wirft man zudem noch einen Blick auf das Höhenprofil des Radwegs, so sieht man, dass genau dort die mit Abstand heftigste Steigung der Strecke ist. Der Grund dafür ist recht einfach: Der 122 Kilometer lange Kylltalradweg, der vom Losheimer Graben bis nach Trier führt, verläuft nämlich weitgehend entlang der Bahnlinie Trier-Köln.

Und das tut er im Grunde auch zwischen Kyllburg und Erdorf. Dort nämlich führt der Weg über Wilsecker. Genau wie die Bahnstrecke. Der feine Unterschied zwischen Bahn und Rad ist allerdings, dass die Bahntrasse in Höhe Wilsecker durch einen Tunnel führt, wohingegen sich die Radfahrer der Topografie anpassen müssen.

Geht es nach den Vorstellungen des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Gerolstein, so könnte damit in ein paar Jahren Schluss sein. Der LBM plant nämlich in Absprache mit der VG Bitburger Land und der Stadt Bitburg eine Veränderung des Radwegverlaufs. Demnach soll die Route zukünftig nicht mehr von Kyllburg aus über Wilsecker und Erdorf nach Bitburg führen, sondern über Malberg und Fließem. Hintergrund für diese Überlegung ist das derzeit geplante Bodenordnungsverfahren "Kyllschleife", von dem die gesamte Gemarkung Etteldorf sowie Teile der Gemarkungen Kyllburg, Malberg, Malbergweich und Wilsecker betroffen sind.

Wie Harald Enders, Leiter des LBM, erklärt, hätte das zwei Vorteile. Zum einen würde der Weg dadurch familienfreundlicher, da die Steigung zwischen Kyllburg und Erdorf wegfiele, zum anderen würden dadurch die Sehenswürdigkeiten Schloss Malberg sowie die römische Villa Otrang bei Fließem mit angeschlossen. "Und man bekäme in diesem Abschnitt auch mehr vom Kylltal zu sehen", fügt Enders hinzu. Ein weiterer Vorteil sei der, dass es bei der Villa Otrang im Gegensatz zu Wilsecker auch ein gastronomisches Angebot gebe.Zwei Dörfer abgeschnitten


Dass Letzteres ein Argument sei, räumt auch Edeltrud Hilden, Ortsbürgermeisterin in Wilsecker, ein. Die Gemeinde hätte natürlich gerne Gastronomie im Ort, doch sei es in einem Dorf mit 210 Einwohnern recht schwierig, ein solches Angebot aufzubauen, geschweige denn aufrechtzuerhalten. "Ich unterstütze alles, was den Tourismus in der Region voranbringt", sagt sie. Dass Wilsecker nun vom Kylltalradweg abgeschnitten werden soll, darüber sei die Gemeinde alles andere als froh. Zumal es ja durchaus auch Radfahrer gebe, die über diesen eher anspruchsvollen Abschnitt froh seien, sagt Hilden.
In Erdorf gibt es eine Gaststätte. Und sogar einen Bahnhof. Entsprechend wenig Verständnis hat deshalb auch Ortsvorsteher Werner Becker. "Wir sind damit absolut gar nicht einverstanden", sagt Becker, der sich dazu kürzlich auch mit Bitte um eine Gesprächsrunde an die Stadt gewandt hat. "Ich kann nachvollziehen, dass man touristische Schwerpunkte in die Route mit einbeziehen möchte", erklärt Becker. "Aber dann muss die Hauptroute auf jeden Fall auch wieder zurück nach Erdorf führen."