Stadtentwicklung: Deshalb stockt es am Bitburger Beda-Platz

Stadtentwicklung : Deshalb stockt es am Bitburger Beda-Platz

Der Baubeginn von Bit-Galerie und dem Wohnhaus am Beda-Platz verzögert sich. Der Grund: Es fehlt ein Verkehrskonzept. Hätte das nicht längst stehen können? Bürgermeister Kandels erklärt: „Die Sache ist sehr komplex.“

Der Beda-Platz könnte mehr sein. Mehr als nur eine große Fläche, auf der Auto an Auto an Auto parkt. Mitten in der Stadt gelegen, von Banken, Beda-Haus sowie Wohn- und Geschäftshäusern gesäumt, wäre hier auch mehr Stadtleben vorstellbar.

Ein Biergarten, Bänke, Bäume – an Ideen mangelt es nicht wie ein Rundgang des TV mit einem Stadtplaner schon vor Jahren gezeigt hat. Nun, nachdem die Pläne für die Bit-Galerie sich über eine lange Reifungsphase konkretisiert haben und mit der Arend GmbH sogar ein weiterer Investor in den Startlöchern steht, könnte richtig was passieren. Eine Chance, die auch die Stadt erkennt. Aber anders, als noch im Herbst 2017 geplant, passiert am Beda-Platz erst mal nichts. Der Grund: Noch gibt es kein Baurecht. Woran hängt’s?

Es fehlt ein Verkehrskonzept. Schließlich sorgen sowohl die Bit-Galerie wie auch das Beda Carree, das die Arend GmbH mit 34 Wohnungen plant, für mehr Betrieb. Das ist keine neue Erkenntnis. Die Pläne für beide Großprojekte sind seit Jahren bekannt. Aber der Teufel steckt im Detail.

„Das Ganze ist sehr komplex“, sagt Bürgermeister Joachim Kandels. Schließlich ginge es nicht nur um diese zwei Großprojekte. Auch sonst gäbe es rund um den Beda-Platz Bewegung.

Verhandelt wird nur hinter verschlossenen Türen. Aber mit am Tisch für die große Verkehrslösung sitzen eben nicht nur Vertreter von Stadt, Straßenbaubehörde, Verkehrsplanungsbüro sowie der Bit-Galerie & Co KG GmbH und der Arend GmbH. Mit dabei sind auch die beiden Banken. Der Kreissparkasse gehören weite Teile des Platzes und die Volksbank hat einige Grundstücke rund um ihr Haupthaus gekauft – aller Voraussicht nach mit dem Ziel, ihre Geschäftsstelle bei Bedarf zu erweitern. „Da ist inzwischen eine Entwicklung abzusehen“, sagt Kandels. Und dann gibt es ringsum noch einige Grundstücke mit Entwicklungspotenzial.

Wie so oft steckt der Teufel im Detail – und viele Köche verderben nicht unbedingt den Brei, machen es aber auch nicht einfacher. Viele Fragen müssen geklärt werden: Von wo wird die Galerie angeliefert? Wo parken die Kunden des Einkaufszentrums sowie Kunden und Mitarbeiter von Volksbank und Kreissparkasse? Erschwerend hinzu kommt: Die Parkfläche wird kleiner. Wohnhaus, Galerie samt Außengastronomie sowie ein möglicher Anbau der Volksbank brauchen Grundstücke, die jetzt noch zum Parken genutzt werden.

Mit einer Lösung für das Problem hat die Stadt das Verkehrsplanungsbüro Vertrec beauftragt. In nichtöffentlicher Sitzung wurden kürzlich verschiedene Varianten vorgestellt und diskutiert. Aber einige denkbare Verkehrsführungen kommen nach Auskunft des Bürgermeisters nicht in Frage: „Sie würden an irgendeiner anderen Stelle in der Stadt den Verkehr so erhöhen, das dort ein Kollaps droht.“ Schließlich gibt es bereits jetzt Knotenpunkte, an denen es im Berufsverkehr eng wird.

Der Kreisel an der Neuerburger Straße ist nach Einschätzung des Landesbetriebs Mobilität bereits heute an seiner Kapazitätsgrenze, in der Brodenheckstraße staut und drängt es sich zu Stoßzeiten und der Verkehr fließt ähnlich schleppend wie in der Trierer Straße. Mit dem Wissen um diese Probleme und mit Blick auf die Bit-Galerie hat die Stadt bereits vor Jahren das Bürohaus Krein an der Ecke Gartenstraße/Trierer Straße gekauft. Die Idee: Die Gartenstraße soll verbreitert werden, womit es eine neue leistungsstarke Zufahrt zum Beda-Platz gäbe.

Auch eine Spange – von der Neuerburger Straße über das Gelände des alten Edekas zum Beda-Platz – ist im Gespräch. Im Ergebnis würde also eine neue Straße entstehen, die mitten über den Beda-Platz führt. Und wie es so ist mit neuen Straßen: Wer will die schon ausgerechnet direkt vor seiner eigenen Haustür? Das ist am Beda-Platz nicht anders. Zumal die Kreissparkasse nach TV-Informationen auch plant, den Platz neu zu gestalten – da passt eine Straße, die den Platz durchschneiden würde, schlecht ins Konzept.

„Hier geht es um die Entwicklung eines ganzen Quartiers“, sagt Kandels, „und das, was wir jetzt machen, wird die Stadt auf Jahrzehnte prägen.“ Niemandem sei damit geholfen, wenn nachher der Verkehr stockt und staut. Aber, und damit ist er bei der Runde der Verhandlungspartner: „Es gibt kollidierende Interessen.“ Mehr möchte er dazu vorerst öffentlich nicht sagen. Nur so viel: „Es ist allen klar, dass wir in der Sache nur mit einer Gesamtlösung für den Verkehr weiterkommen.“

Derzeit prüft Vertec eine Variante, bei der der Verkehr nicht über den Beda-Platz geleitet werden müsste. Alles ist offen: Auch eine Unterführung samt Tiefgaragen könnte eine Variante sein, die für den Bürgermeister denkbar ist: „Aber am Ende muss das auch wirtschaftlich sein.“ Ziel sei es, bis Herbst diesen Jahres eine Lösung zu finden. Dabei soll nun ein Projektsteuerer helfen, der zwischen den verschiedenen Interessen ausgleicht.

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