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Deutschlehrer verzweifelt gesucht

Deutschlehrer verzweifelt gesucht

Der Caritasverband Westeifel hat Flüchtlinge und Willkommenspaten zu einem Gesprächsabend ins Prümer Konvikt eingeladen. Die Neueifler berichteten von großen und kleinen Schwierigkeiten, doch eins zeigte sich bei allen: Sie wollen in einen Integrationskurs, kommen aber einfach nicht hinein.

Prüm/Bitburg. Fremdes Land, unbekannte Sprache, viele neue Gepflogenheiten: Die ersten Schritte für Flüchtlinge in der Eifel sind nicht leicht. Viele Ehrenamtler unterstützen sie, auch beim Caritasverband Westeifel. Aber klappt das? Oder drückt irgendwo der Schuh? Das Team der Caritas-Willkommenspaten im Eifelkreis Bitburg-Prüm will es genau wissen und hat Flüchtlinge sowie ehrenamtliche Mitarbeiter ins Prümer Konvikt eingeladen.Klar, man stehe im ständigen Kontakt mit den Paten und Flüchtlingen, sagt Gerhild Baumeister, hauptamtliche Flüchtlingsberaterin der Caritas, doch untereinander gebe es eben nur unregelmäßig Begegnungen. "Wir wollten mal hören, wie Sie hier angekommen sind, wie es nach einem Jahr geht", sagt Pastor und Willkommenspate Siegfried Weisenfeld.Knapp 20 Flüchtlinge sitzen zwischen elf Ehrenamtlern. Langsam, sehr langsam, kommt man ins Gespräch miteinander, sofern das möglich ist, zeigt sich doch hier eines der größten Probleme: die Sprache. Ein eingeplanter Übersetzer für Arabisch steckt im Verkehr fest, spontan erklärt sich ein Mann aus Somalia bereit, so gut es geht, zu helfen. Kein Platz im Kurs

Reihum berichten Flüchtlinge von ihren Nöten. Eine Frau hat Sorgen, weil ihre zwei Adoptivkinder zwar nach Deutschland gefunden haben, die Familie aber wegen bürokratischer Hürden nicht zusammenfinden kann. Ein Mann will seine Frau, die in Kenia feststeckt, nachholen, doch die Botschaft zweifelt ihre Papiere an. "Das sind sehr individuelle Fälle, um die wir uns tatsächlich schon kümmern", sagt Gerhild Baumeister. Eines kristallisiert sich immer mehr heraus: Alle wollen an einem Integrationskurs teilnehmen, doch kaum einer findet einen Platz. "Ich bin hier sehr gern. Vor einem Jahr kam ich, aber einen Integrationskurs konnte ich bisher nicht machen. Deutsch lernte ich privat", erklärt ein junger Mann aus Syrien stockend. Leicht sei das nicht, aber: "Ohne Deutsch geht es nicht.""Auf den Ämtern gibt es immer wieder Schwierigkeiten, weil die Leute die Mitarbeiter nicht verstehen", sagt Pate Udo Weis. In offiziellen Schreiben werde in der Regel dazu aufgefordert, einen Dolmetscher mitzubringen: "Aber wie soll man das machen?" Zu häufig sei er selbst auf den Fall gestoßen, dass Formulare unterschrieben worden seien, ohne zu wissen, was eigentlich drin stehe. "Als deutscher Muttersprachler ist dieses Amtsdeutsch kaum zu verstehen, wie soll jemand zurechtkommen, der kein Deutsch spricht oder es gerade erst lernt?" Beim Ausländeramt der Verbandsgemeinde Prüm ist das Problem bekannt. "Wir würden auch gerne jeden Flüchtling so schnell es geht an einem Integrationskurs teilnehmen lassen, das scheitert aber allein daran, dass wir zu wenig Lehrer haben, die Kurse leiten dürfen", sagt Peter Hillen, Leiter des Amts für Bürgerdienste. In der Abteistadt werden sie von der Volkshochschule Prüm (VHS) angeboten. "Ein Kurs mit 15 Absolventen ist gerade vorbei, einer mit 24 Teilnehmern läuft noch", sagt Hillen. Mitte Januar beginne ein weiterer für 16 Personen, doch die Warteliste sei ellenlang. "Allein im Augenblick könnten wir noch locker zwei Kurse füllen." Man finde aber schlicht keine Lehrer für Deutsch als Fremdsprache oder welche mit passender Zusatzqualifikation (siehe Extra). "Bewerbungen nehmen wir gerne jederzeit an", betont Hillen.Auch das Patenprogramm der Caritas könne noch Verstärkung gebrauchen, sagt Gerhild Baumann. "In der Vulkaneifel ist das Programm 2014 angelaufen, da haben wir etwas Vorsprung und knapp 80 Helfer, hier im Eifelkreis ging es ein Jahr später los. Knapp 37 Ehrenamtler sind im Einsatz." Wer Interesse habe, solle sich beim Fachdienst für Migration und Integration melden.Weitere Informationen unter: <%LINK auto="true" href="http://www.caritas-westeifel.de" text="www.caritas-westeifel.de" class="more"%> oder unter Telefon 06551/971090.Meinung

Lasst sie lehren!Lehrer für "Deutsch als Fremdsprache" sind die Richtigen für Integrationskurse. Doch was tun, wenn sie nicht greifbar sind? Jeder Tag, an dem Flüchtlinge nicht unsere Sprache lernen können, ist verschenkt. Das Ministerium sollte deshalb auch erwägen, Hürden für eine Lehrtätigkeit niedriger zu legen, wenn sie den Willen zur Integration ausbremsen. Lasst sie so schnell es geht lehren! eifel@volksfreund.deExtra

Um als Lehrkraft für einen Integrationskurs zugelassen zu werden, muss ein Antrag beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge gestellt werden. Bedingung für eine direkte Zulassung ist ein erfolgreich abgeschlossenes Studium für "Deutsch als Fremdsprache" oder "Deutsch als Zweitsprache". Sofern diese Abschlüsse nicht vorliegen, schreibt das Amt eine Zusatzqualifizierung vor. Auch um einen Alphabetisierungskurs zu halten, wird der Nachweis einer fachlichen Weiterbildung verlangt. aff Weitere Informationen im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.bamf.de" text="www.bamf.de" class="more"%>