Dicke Freunde haben dickes Glück

Dicke Freunde haben dickes Glück

BOLLENDORF. Zwei dicke Freunde mit einer dicken Portion Glück: Die behinderten Kinder Aljoscha und Andrej haben einen Schutzengel. Es ist Josefa Sander, bei der sie die Ferien in Bollendorf verbracht haben.

"Aljoscha..., Aljoscha!", Josefa Sanders Ermahnung nützt nichts. Der Junge am Tisch, der mit Buntstiften und merkwürdig nach innen gebogenen Handgelenken ein Bild malt - einen Meter von ihr entfernt - reagiert nicht. Sander wird lauter. "Aljoscha", ruft sie dem Jungen zu. Der scheint in seine Arbeit vertieft. Plötzlich dreht er sich um, grinst und streckt Sander die Faust entgegen. Die 72-Jährige stößt leicht mit ihrer Faust gegen die von Aljoscha. Beide lachen. "Er tut immer so, als ob er nichts hört. Er will mich foppen", sagt Sander. Doch der Neunjährige weiß genau, was gemeint ist. Sofort wendet er sich wieder dem Malen zu. Diesmal dreht er seine Hände in eine normale Haltung. Aljoscha ist Josefa Sanders "Ferienkind". Vier Wochen lang besucht er die Bollendorferin zusammen mit seinem achtjährigen Freund Andrej und Lehrerin Tatjana (der TV berichtete). Sie unterrichtet beide in einem Kinderheim im russischen Smolensk und nun auch in Bollendorf. Beide sind Waisenkinder. Beide sind schwer behindert. Beide haben kein Zuhause. Beide haben niemanden auf der Welt außer einander - und Josefa Sander. Die Vorsitzende des Malteser-Ortsvereins Bollendorf, die seit vielen Jahren Hilfsgüter-Transporte nach Russland organisiert, kümmert sich schon seit dessen ersten Lebensjahr um Aljoscha, der an Arthrogryphose leidet, einer angeborenen Versteifung der Gelenke in gestrecktem und gebeugtem Zustand. Sie führt unter anderem dazu, dass er die Handgelenke nach innen dreht. Durch Operationen, finanziert aus Spendenmitteln der Malteser, hat Sander dem Jungen ein Leben auf eigenen Beinen ermöglicht. Nach einer Odyssee durch verschiedene Kinderheime hat er nun zum ersten Mal im Leben einen Freund, der zum ersten Mal seine Ferien beim Sander in Deutschland verbringt: Andrej. Er leidet unter der Krankheit Spina bifida, einer Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks ("offener Rücken") und einem Klumpfuß. "Beide erholen sich gut hier", sagt Sander. Doch nicht nur darum geht es beim Besuch der Kinder. Josefa Sander hat bereits neue orthopädische Schuhe für sie machen lassen, beide sind ärztlich untersucht worden. Das alles, sagt Sander, wäre ohne die vielen Spender nicht möglich gewesen. "Die Reaktion auf den Spendenaufruf im TV war wie ein Erdbeben", erzählt sie. "Viele Menschen haben gespendet oder auch angerufen, um ihre Hilfe anzubieten." So sind fast 4000 Euro zusammengekommen - Geld für die Flüge, die neuen Schuhe, den Aufenthalt der Jungs und von Lehrerin Tatjana und viele Kleinigkeiten - von Vitaminen bis Kleidung. Viele Menschen haben auch materiell geholfen - mit neuen Krücken für Andrej oder einfach einer netten Geste. "Eine Frau hat mir Wurst und Fleisch für die Jungen vorbeigebracht", erzählt Sander.Jede Nacht weint er sich in den Schlaf

Doch die 72-Jährige will sich nicht ausruhen. Auch wenn beide nun wieder zurück in Russland sind, gibt es noch viel zu tun. "Andrej ist mit sechs Jahren von seiner Familie ins Heim gebracht worden. Sie haben ihn seitdem nie mehr besucht. Er kann das nicht verstehen. Nun weint er jede Nacht und hat enorme Schwierigkeiten in der Schule", sagt Sander. Daher brauche er dringend psychologische Betreuung. Zudem will sie sich dafür einsetzen, dass auch Andrej operiert wird, damit er sich ohne Krücken bewegen kann. Und bei Aljoscha muss ein verstopfter Tränenkanal operiert werden. Ob sie dafür sorgen kann, dass sich sein Berufswunsch "Kranführer" erfüllt - da ist Sander skeptisch. "Intelligent ist er, aber ob der Körper da mitspielt?" Immerhin: Das Kind hat schon genug Hoffnung, um Träume zu haben. SPENDENKONTO: Über Spenden für beide Kinder freuen sich die Malteser, Spendenkonto 1111251, Stichwort "Aljoscha", Kreissparkasse Bitburg-Prüm, BLZ 58650030.