Die A60 bei Prüm ist das Einfallstor für Drogen in die Region

Kostenpflichtiger Inhalt: Drogenhandel an der Grenze zu Belgien boomt : Die A60 bei Prüm ist das Einfallstor für Drogen in die Region

Bundespolizei und Zoll ziehen auf der Autobahn 60 immer wieder Drogenkuriere aus dem Verkehr. Allein 311 Funde gab es 2018. Es ist ein neuer Rekordwert auf der Schnellstraße an der belgischen Grenze. Laut den Behörden steigen die Fallzahlen seit Jahren.

Gegen 20.30 Uhr hält der Zoll am vergangenen Samstag ein Auto an. Als sie das Auto nahe Prüm anhalten, ahnen die Beamten noch nicht, was sie finden werden. Sie hätten nur einen Freund in Aachen besucht, sagen Fahrer und Beifahrer. Doch den Beamten kommen Zweifel. Also schauen sie im Kofferraum des PKW nach. Und werden fündig: Unter einer Abdeckung finden die Fahnder eine Plastiktasche. Der Inhalt: mehr als drei Kilogramm Amphetamine und ein Kilogramm Haschisch, also „Rauschgift mit einem Straßenverkaufswert von mehr als 40.000 Euro“, wie Thomas Molitor, Pressesprecher des Hauptzollamtes Koblenz, erklärt.

Es ist kein Einzelfall. Seit Jahren ist die Strecke zwischen Belgien und Wittlich bei Drogenschmugglern beliebt. Über Bitburg und Prüm steuern sie meist die Niederlande an, wo der Umgang mit Rauschgift  liberaler ist als hierzulande.

Marihuana gehört zu den häufig geschmuggelten Substanzen. Foto: dpa/Daniel Karmann

Dass die Grenzautobahn ein Einfalltor für verbotene Substanzen ist, bestätigt auch die Statistik der Bundespolizei Trier. Demnach gab es allein im vergangenen Jahr 311 Drogenfunde auf der Schnellstraße. Das sind 30 mehr als 2017 und 50 mehr als 2016. „Die Fallzahlen steigen seit Jahren“, erklärt Pressesprecher Stefan Döhn. Für 2019 lägen zwar noch keine Daten vor. Doch der Trend weise seit Jahren nach oben.

Geschmuggelt würden meist „Haschisch und Marihuana, aber auch Amphetamine und Ecstasytabletten“, sagt eine Sprecherin des Zollfahndungsamtes Frankfurt am Main. Und wir sprechen hier nicht vom versteckten Joint im Handschuhfach. Längst ist es keine Seltenheit mehr, dass gefasste Boten kiloweise Rauschgift im Gepäck haben. Laut Zollfahndung gab es 2018 und 2019 „mehrere Aufgriffe im hohen einstelligen Kilogrammbereich, sowohl bei Kokain, Heroin als auch Haschisch und Marihuana. “Diese Mengen lassen nach Ansicht der Ermittler den Schluss zu, dass es sich in erster Linie um Dealer oder Kuriere handelt, nicht um Konsumenten.

Die Fälle beschäftigen auch die Gerichte. Fast wöchentlich verhandeln Richter Drogendelikte. Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz gehören vor allem an den Amtsgerichten zu den Verfahren, die am häufigsten auf der Tagesordnung stehen. Das zeigt ein Blick in die Fallstatistik der Jahre 2016 und 2017.

Eine Probe mit Amphetamin. Foto: Fredrik Von Erichsen

Und doch landet wohl nur ein Bruchteil der Kriminellen, die auf der A 60 unterwegs sind, auf der Anklagebank. Denn den Beamten gehen längst nicht alle Schmuggler ins Netz. Das beweist etwa der Fall einer saarländischen Verbecherbande aus dem vergangenen Jahr. Im Oktober 2018 kamen diese fünf Männer vor Gericht, weil sie mehrfach kiloweise Amphetamine über die Grenze gebracht hatten. Ihre erste Fahrt unternahmen sie im Sommer 2015. Es dauerte also drei Jahre bis die Schmuggler aufflogen.

„Es handelt sich“ nach wie vor „um Dunkelfelder“, bestätigt Polizeisprecher Döhn. An einem Mangel an Kontrollen liege das nicht, sagt der Beamte: „Wir überprüfen den Verkehr auf der Strecke häufig.“ Auch die Landstraßen im Umland habe man im Blick. Döhn weiß schließlich: „Durch eine Häufung der Kontrollen entsteht zwangsläufig ein Verdrängungseffekt. Selbst kleinere Dealer haben Netzwerke – und da spricht sich rum, wo die Polizei steht.“ Man halte sich daher nie zu lange an einer Stelle auf, wechsle die Positionen.

Sichergestelltes Ecstasy. Foto: dpa/Boris Roessler

Was nach einem Fang passiert, kann am Fall der erwähnten Saarländer illustriert werden. Nachdem die Bundespolizei die Drogenkuriere geschnappt hat, übergab sie den Fall ans Zollfahndungsamt Frankfurt. Die werden  tätig, wenn die gefundene Menge an Rauschgift eine bestimmte Schwelle überschreitet. Die Fahnder beginnen dann mit umfangreichen, und oft langwierigen Ermittlungen. Im Fall der Saarländer konnten sie auch die beiden Hintermänner der Kuriere festnageln. Die haben inzwischen ihre sechs-einhalb-jährigen Haftstrafen angetreten. Die Boten kamen mit Bewährungsstrafen davon.

Ein Verfahren wird auch die beiden Männer erwarten, die der Zoll vergangenen Samstag in Prüm geschnappt hat. Derzeit sitzen der 52-Jährige und der 28-Jährige in Untersuchungshaft. Ob sie zum ersten Mal Drogen geschmuggelt haben, auf eigene Faust oder im Auftrag von Hintermännern unterwegs waren – das alles muss laut Zollsprecher Thomas Molitor erst ermittelt werden.

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