Die Agenda einer alternden Region

Die Agenda einer alternden Region

Am 21. Dezember kam im Wittlicher Krankenhaus das 600. Baby des Jahres zur Welt, einen Tag später meldete die Bitburger Klinik die 500. Entbindung. 1100 wunderbare Ereignisse! Dies sollte aber niemanden darüber hinwegtäuschen, dass all diese Kinder, wenn sie 20 Jahre alt sind, in einer Welt leben werden, die deutlich menschenleerer ist als heute und deutlich älter.

Denn insgesamt wurden 2009 nach den Zahlen des statistischen Landesamtes in Rheinland-Pfalz so wenige Kinder geboren wie nie zuvor. Insgesamt waren es etwa 30 500. Diese Zahl ist seit 1997 kontinuierlich gesunken - mit einer kurzen Unterbrechung im Jahr 2007, als das Elterngeld eingeführt wurde. Vor zwölf Jahren waren noch 41 677 kleine Rheinland-Pfälzer geboren worden. Der Tiefpunkt ist damit noch längst nicht erreicht. Die Statistiker rechnen mit einem weiteren Rückgang der Geburtenzahl, da es immer weniger Frauen im gebärfähigen Alter geben wird.

Zugleich werden die Menschen immer älter. Dies wird das Schrumpfen der Bevölkerung aber nur etwas bremsen. Bis 2020 haben die Landesstatistiker die wahrscheinliche Entwicklung für die Verbandsgemeinden schon vorausberechnet: Richtig gebeutelt werden demnach Kyllburg, Arzfeld, Neumagen-Dhron und die Obere Kyll - mit einem Rückgang der Bevölkerung von acht Prozent und mehr. Im gesamten Landkreis Vulkaneifel und in den Verbandsgemeinden Prüm, Arzfeld, Bernkastel-Kues, Kröv-Bausendorf, Thalfang und Traben-Trarbach sieht es nicht viel besser aus. Zuwachs vermeldet die Projektion überhaupt nur in der Stadt Wittlich und in der VG Irrel, wobei dies stark davon abhängen dürfte, ob sich das Luxemburger Wachstumsmodell, das vor allem auf der trügerischen Selbstvermehrungsfähigkeit von Geld aufbaut, noch so lange funktioniert.

Die Schrumpfung ist nicht aufzuhalten. Bemerkt hat das aber offenbar noch niemand, vor allem keine Kommunalpolitiker. Ein paar Studien wurden in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse werden jedoch weitgehend ignoriert. Wie sonst wäre zu erklären, dass Kommunen, die ohnehin pleite sind, noch teure Bebauungsplanverfahren in Gang setzen wollen, in der abwegigen Hoffnung, dass ausgerechnet bei ihnen die Nachfrage nach Bauland wächst? Wie sonst wäre zu erklären, dass manche VG-Räte und Bürgermeister glauben, dass eine Verwaltungs- und Gebietsreform Teufelszeug ist, und nicht einsehen wollen, dass es unbezahlbar ist, wenn immer weniger Menschen mit dem immer gleichen Aufwand verwaltet werden?

Ehrlichkeit ist das Gebot der Stunde: Es muss an der Infrastruktur gearbeitet werden, die immer ältere Menschen benötigen und die es nicht in jedem Dorf, ja, nicht einmal in den größeren Dörfern geben wird, sondern nur zentral, in wenigen größeren Städten.

Es muss offensiv an Zusammenschlüssen von Feuerwehren und anderen Organisationen gearbeitet werden. Es muss Schluss sein mit Neubaugebieten, in denen niemand mehr bauen wird. Und: Es muss eine konsequente Kommunalreform geben, die weder vor lokalpatriotischem Lamento noch vor Kreisgrenzen halt macht.

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