Die Amerikaner ziehen schon nächstes Jahr aus

Die Amerikaner ziehen schon nächstes Jahr aus

Die Stadt Bitburg wird schon bald um 15 Hektar wachsen. Denn die US-Luftwaffe hat nun angekündigt, die "französischen Kasernen" in der Mötscher Straße so schnell wie möglich zu räumen. Schon im Herbst 2012 soll das Gelände frei werden. Zwar gibt es schon Ideen, was daraus werden könnte. Doch vorher sind noch viele Fragen zu klären.

Bitburg. Herbstwind weht die fallenden Blätter auf die andere Seite, wo sie sich braun, gelb und rot unterhalb des mächtigen Stacheldrahtzauns sammeln. Mit Leichtigkeit überwinden sie eine Grenze, die die wenigsten Bitburger je überschritten haben. Und das, obwohl sie mitten in ihrer Stadt liegt.
"Warnung Sperrgebiet" und "Vorsicht Schusswaffengebrauch gestattet" steht auf den Schildern, die am Zaun der französischen Kasernen hängen. Ein irreführender Name. Denn in Wirklichkeit handelt es sich bei dem 15 Hektar großen Gelände an der Mötscher Straße um ein kleines, militärisches Stück Amerika. Noch. Das soll sich allerdings schon nächsten Herbst ändern. Denn der Kommodore des in Spangdahlem stationierten 52. US-Jagdgeschwaders hat nun angekündigt, dass die Kasernen so schnell wie möglich zurückgegeben werden sollen.
Und zwar viel schneller als erwartet: laut Bürgermeister Joachim Kandels bis zum 30. September 2012. Zuvor war er von einer Räumung im Jahr 2014 ausgegangen. Warum es plötzlich so schnell geht, ist von der Air Base nicht zu erfahren. Ein Grund könnte sein, dass das US-Verteidigungsministerium auf Sparkurs ist und hofft, durch die Rückgabe 1,5 Millionen Dollar einzusparen.
Nun muss also auch schneller eine Lösung her, was aus dem Gelände werden soll, sobald der US-Kindergarten und die US-Feuerwache dort ausgezogen sind. Ganz unvorbereitet trifft die Nachricht Bitburg dennoch nicht. "Wir haben schon seit einigen Monaten einen Arbeitskreis Housing", sagt Kandels. Es seien auch bereits intensive Gespräche mit den Amerikanern, der Landesregierung und der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben geführt worden, die bald Besitzerin des Kasernengeländes sein wird.
Ideen, was aus der Kaserne werden soll, gab und gibt es schon viele. Fest steht: Es soll ein Mix aus Gewerbe, Bildung, Freizeit und Wohnen entstehen. "Ein Teil der Kaserne bietet sich als Bildungs- und Dienstleistungszentrum an", sagt Kandels.
Zwei Ideen, die in diese Richtung gingen, sind in den vergangenen Jahren bereits gestorben. Die erste war die eines "grünen Zentrums" bestehend aus Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR), Bauernverband, Waldbauverein und Forstamt. Doch entschied das Land, das DLR in einem sanierten Gebäude auf dem Bitburger Flugplatz unterzubringen. Eine, wie sich herausstellte, unglückliche Entscheidung. Denn da dieses Gebäude stark schadstoffbelastet ist, musste das DLR erneut umziehen, damit abermals saniert werden kann. Auch die Idee, in Bitburg eine Zweigstelle der Trierer Uni oder Fachhochschule einzurichten, fand keinen Zuspruch. Denn die Hochschulen wollen nicht nach Bitburg (der TV berichtete). Laut Kandels gibt es allerdings noch andere Ideen. Darunter die, die Kaserne zum Standort der zentralen Bußgeldstelle des Landes zu machen, die im Rahmen der Verwaltungsreform angedacht ist: Statt der Kommunen soll künftig eine Landesstelle Bußgelder von Verkehrssündern eintreiben. Zudem führe die Stadt Gespräche mit Fachschulen für Erziehung und Sport.
"Aber als Erstes müssen wir schauen, welches Konversionsmodell wir wählen", sagt Kandels - also festlegen, ob eine Entwicklungsgesellschaft oder ein Zweckverband die Aufgabe übernehmen soll. Und auch festlegen, wer neben der Stadt mit im Boot ist: Kreis, Land, Bund und/oder Privatinvestoren … Und zwar nicht nur für die Konversion der Kaserne, sondern auch für jene der Housing. Bis die Bitburger deren Tore ungehindert durchschreiten können, wird der Herbstwind allerdings noch viele Blätter über die Zäune wehen, die das 75 Hektar große Gelände umgeben.
Denn bevor die Amerikaner die Wohnsiedlung - vermutlich 2016 - aufgeben können, müssen sie noch Millionen in die Erweiterung der Air Base stecken (siehe Extra).Extra

In der Eifel leben und arbeiten rund 14 000 Amerikaner. Unter ihnen sind 5000 Militärbeschäftigte mit 8000 Familienangehörigen und mehrere Hundert Zivilbeschäftigte. Zudem arbeiten 800 Deutsche auf dem Stützpunkt Spangdahlem, der seit 1995 im Süden und Nordwesten um fast ein Drittel seiner ursprünglichen Größe erweitert wurde. Grund für das Erweiterungsprogramm ist vor allem das Ziel, die Bitburger Housing und das benachbarte Kasernengelände zu schließen, wo sich derzeit neben Wohnhäusern noch Schulen, Kindergärten und ein riesiger Supermarkt befinden. Bis 2016 soll auf der Air Base alles geben, was die Amerikaner zum Leben und Arbeiten brauchen. 30 Millionen Euro wurden in 139 neue Häuser investiert. Eine 24 Millionen Euro teure Klinik ist derzeit im Bau ebenso wie ein 19 Millionen Euro teures Kaufhaus und ein 19 Millionen Euro teures Fitness-center. Ein großer Supermarkt (25 Millionen Euro), ein Kindergarten und neue Schulen (95 Millionen Euro) sind noch in der Planungsphase. Erst, wenn auch die fertig sind, kann die Housing zurückgegeben werden. Seit 1995 wurden in Spangdahlem rund 600 Millionen Euro investiert. Davon hat Deutschland (wegen des Rhein-Main-Verlegungsprogramms) 38 Prozent gezahlt, die USA 53 Prozent und die Nato neun. kah