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Die Arbeit der kommunalen Integrationsbeauftragten Eugenia Strak

Integration : Die Frau, die anders hinschaut

Seit 20 Jahren lebt sie in der Eifel, seit mehr als der Hälfte der Zeit hilft sie Eingewanderten bei der Integration: Eugenia Strak ist noch lange nicht fertig mit ihrer Arbeit.

Zur Arbeit einer Integrationsbeauftragten gehört es manchmal auch, jemanden sozusagen zu desintegrieren: Eugenia Strak erzählt im Gespräch mit dem TV von einem solchen Fall. Da sei eine Familie aus Asien in die Eifel gekommen und habe sich einfach nicht zurechtgefunden.

Sie nahm die Familie unter ihre beratenden Fittiche, befragte sie immer wieder und arbeitete am Ende heraus: Diese Menschen werden es hier nicht schaffen, sie kommen mit Regeln und Gepflogenheiten nicht klar. Das sah dann auch die Familie ein – und reiste nach Hause zurück.

  Es mag ein Ausnahmefall sein. Viel öfter hat Eugenia Strak damit zu tun, einem Menschen auf den richtigen Weg zu helfen in seiner neuen Heimat. Etwa bei der Berufswahl. Sie erzählt von einem jungen Mann, der anfangs Polizist werden wollte. Das war dann aber nichts für ihn. Inzwischen studiert er Lehramt in Trier.

Hauptsache, das Richtige tun für die, die sich bei ihr melden, und sei es nur die Begleitung zur Behörde, die immer so viel wissen will. Oder wenn sie mit einer Gruppe von Neu-Eifelern aus aller Herren Ländern in Prüm eine Ausstellung organisiert (der TV berichtete), eine weitere läuft aktuell im Ardenner Center in Losheim.

Ihre Leute – das sind allesamt Menschen,  die wir unter dem Begriff „Migranten“ zusammenfassen und denen wir damit selten in ihrer Individualität gerecht werden. Manche kamen freiwillig, viele aus Angst um ihr Leben, weil sie in ihrer Heimat von Krieg oder Verfolgung bedroht waren.

Seit 14 Jahren engagiert sich die 59-Jährige als kommunale Integrationsbeauftragte in den Verbandsgemeinden (VG) Arzfeld und Prüm. Vor genau 20 Jahren war Eugenia Strak mit ihrem Mann Niklas selbst aus Kasachstan in die Eifel gekommen, inzwischen leben sie in Watzerath.

Ihr Engagement? Wertvoll und weiterhin notwendig, „selbstverständlich“, sagt Andreas Kruppert, Bürgermeister der VG Arzfeld. Zumal es ein Novum sei, dass eine Beauftragte Migranten in gleich zwei Kommunen betreue, mit immerhin mehr als 80 weit verstreuten Ortsgemeinden. Aber das laufe reibungslos: „Mit Frau Strak ist das immer ein sehr angenehmes Arbeiten.“ Das sei gerade in den Jahren der vielen Flüchtlingsankünfte, 2015 und 2016, besonders wichtig gewesen.

Auch ihr anderer Verwaltungschef in Prüm, Aloysius Söhngen, verweist auf die Bedeutung ihrer Tätigkeit: „Anfangs ging es ja vor allem um die Menschen, die aus der ehemaligen Sowjetunion zu uns gekommen sind. Heute sind es eher die Flüchtlinge. Und da sie selbst Migrantin ist, hat sie einfach einen besonderen Zugang zu den Leuten.“

Eugenia Strak will auch völkerverbindend agieren: Andreas Kruppert erinnert sich zum Beispiel an den Besuch einer Delegation aus ihrer Ursprungsheimat Kasachstan, bei dem „wir erklären konnten, warum deutsche Verwaltungen manchmal etwas schwerfällig sind“.

Zum Beginn des neuen Jahres hat sich die gelernte Journalistin ein paar grundsätzliche Gedanken gemacht. Etwa dazu, dass ein Blick in die Vergangenheit darüber aufklären könne, dass Migration alles andere als ein Ausnahmefall sei: „Nur wenige Familien blieben nämlich auch in Deutschland über Generationen an ein und demselben Ort.“ Die Gründe: Flucht, Vertreibung, Arbeits-, Bildungs- oder (schönes Wort, jeder versteht es sofort:) „Heiratsmobilität“.

„Es klingt banal“, sagt Eugenia Strak: „Wir sind alle immer wieder unterwegs, wandern ab oder wandern zu. Aber wir machen uns die Tatsache zu selten bewusst.“

Und diese Einsicht, findet sie, könnte dazu beitragen, Integration nicht nur „technokratisch“ zu verstehen in Bezug auf „Spracherwerb oder die Eingliederung in den Arbeitsmarkt“. Denn die Aufgabe sei größer: „Jetzt geht es tatsächlich um ein Zusammenleben, darum, sich gegenseitig wahrzunehmen als Partner, die gemeinsam eine zunehmend diverse Gesellschaft gestalten.“

Und dafür seien in den beiden Kommunen durchaus erfolgreich Strukturen geschaffen worden. Das müsse auch einmal festgehalten werden. Und dass sie sich bei allen ehrenamtlich tätigen Einheimischen und Familien bedanken möchte – in beiden Verbandsgemeinden.

„Flucht und Zuwanderung“, sagt sie, „werden oft immer noch mit Problemen und Konflikten assoziiert“. Eugenia Strak will weiter dazu beitragen, dass diese Begriffe auch einmal mit „Gelingen“ in Verbindung gebracht werden. Dabei helfe ihr auch, dass sie die Enkelin einer kasachischen Schamanin und Heilerin sei. „Dadurch habe ich eine andere Art zu sehen“, sagt Eugenia Strak. „Und ich sehe mehr als andere.“

Eugenia Strak arbeitet auch als zertifizierter „Personal Coach“ und hilft Menschen dabei, sich weiterzuentwickeln. Bei Fragen dazu und zur Integration erreicht man sie unter Telefon 06551/960148.