"Die Arbeit lohnt sich"

Landesweit sind vor etwa zehn Jahren bei den Polizeidienststellen die Jugendsachbearbeiter eingeführt worden. In Bitburg kümmern sich gleich zwei Polizeibeamte um die verschiedensten Delikte bei Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden.

Bitburg. Prävention ist eine Sache, Präsenz vor Ort die andere. Beide Aufgaben bei der Polizeiinspektion (PI) Bitburg nehmen von Anfang an die Jugendsachbearbeiter Peter Scholtes und Günter Colling wahr. Die Familienväter haben sich auf Jugendkriminalität spezialisiert und wirken im gesamten Altkreis Bitburg. "Die Arbeit lohnt sich", sagt Peter Scholtes aus Badem. Denn rund 80 Prozent der jungen Straftäter machen nur einmal die Bekanntschaft mit der Polizei, weitere 15 Prozent treten mehrmals beim Jugendrichter an und "nur" fünf Prozent bleiben im Sog der Kriminalität hängen."Man kennt uns schon", berichten die beiden Beamten. Vor allem am Zentralen Busbahnhof (ZOB) in Bitburg. Dort macht jeweils einer der Sachbearbeiter morgens und mittags die Runde, wenn die Schüler mit den Bussen ankommen und abfahren. Dann geht's auch gleich in den naheliegenden Supermarkt, in dem auffallend häufig gestohlen wird. Ein weiterer sozialer Brennpunkt sei der Marktplatz in Speicher, erklären die Beamten. Ganz ohne Uniform verschaffen sich die Gesetzeshüter Respekt bei den Kindern und Jugendlichen. "An der Nase herumführen ist nicht", sagt Scholtes. In den vergangenen zehn Jahren habe er keinen Widerstand oder Beleidigungen erlebt. Rührend findet er, wenn er Briefe von Straftätern bekommt oder aus dem Gefängnis Entlassene ihn in der Dienststelle besuchen. Allerdings sei sowohl am ZOB wie auch in Speicher inzwischen Ruhe eingekehrt. "Ein Erfolg, der nicht zuletzt der Arbeit der Sachbearbeiter zuzuschreiben ist", lobt der Dienststellenleiter der PI Bitburg, Friedel Jaeger.Mehr als 200 Strafverfahren hat jeder der beiden Jugendsachbearbeiter pro Jahr auf dem Tisch. Die Straftaten sind vielfältig: Diebstahl, Sachbeschädigung, Körperverletzung oder Drogendelikte. Zudem zeigen auch Schulen immer häufiger ihre Schüler an. "Die Schulen sind heute oft überfordert", sagt Günter Colling aus Rußdorf. Und gerade an Schulen werden auf Wunsch Präventionsveranstaltungen angeboten, die ab nächstem Jahr in allen neunten Klassen sogar als Unterrichtseinheit bei der Polizei gebucht werden können. Mit einem Vorurteil räumen die Bitburger Jugendsachbearbeiter auf: Jugendkriminalität ist keineswegs auf Problemfamilien beschränkt, sondern erstreckt sich mittlerweile auf alle Bevölkerungsschichten. Extra Zahlen und Fakten: Allein bei der PI Bitburg sind im Jahr 2006 insgesamt 389 Straftaten bei Kindern (unter 10 bis 14 Jahre), Jugendlichen (14 bis 16 Jahre) und Heranwachsenden (18 bis 21 Jahre) registriert worden. In diesen Altersgruppierungen entfallen 89 Delikte auf Ladendiebstahl, bei denen die Jugendlichen mit 55 Straftaten an der Spitze liegen. 29 Delikte auf gefährliche und schwere Körperverletzung, 61 Fälle auf vorsätzliche leichte Körperverletzung, wieder angeführt von den Jugendlichen. 42 Sachbeschädigungen, davon 21 Fälle bei Jugendlichen, und Rauschgiftkriminalität mit 32 Delikten, bei denen die Gruppe der Heranwachsenden mit 26 Straftaten ganz vorne liegt. (lyv)